22. OKTOBER 2017

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Die nackte Wahrheit ist komplex


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Offshore - Windenergie ist auf allen Kanälen, in allen Zeitungen sind die Windmühlen zu sehen. Geliebt von den Medien, propagiert von der Politik und akzeptiert vom Volk - doch wird meist vergessen, dass der Ausbau der Offshore-Windkraft auch noch scheitern kann.
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Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Noch ist sie nicht ganz tot, aber selbst eingefleischte Optimisten gewöhnen sich allmählich an den Gedanken: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass Deutschland die Ausbauziele für den Offshore-Windstrom erreicht.

Bis 2030 sollen nach den Vorstellungen der Bundesregierung 25GW Windleistung in den deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee installiert sein. Eine jüngst vorgelegte Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young stellt trocken fest: »Nach wie vor sind nur wenige Offshore-Projekte in Betrieb.« Genauer gesagt: Es sind ganze 215MW Nennleistung am Netz.

75 bis 100Mrd.€ muss die Offshore-Branche investieren und die Schlagzahl vervielfachen, wenn die Zielsetzung der Bundesregierung nicht Makulatur sein soll. Ernst & Young nennt eine Zahl, die selbst den euphorischsten Verfechter der Offshore-Windenergie den Mundwinkel nach unten zieht. »Um das Ziel in 2030 zu erreichen, muss der Zubau auf der Basis von 2011 um 12.800 Prozent steigen.« Das ganze Ausmaß der notwendigen Anstrengungen wird deutlich, wenn man diese abstrakte Prozentzahl in konkrete Installationen umrechnet. Demnach müssten ab sofort im Jahresdurchschnitt 1.380MW Offshore-Windleistung installiert werden. Bei den heute üblichen 3,6- bis 5-MW-Turbinen wären das 320 Installationen im Jahr. Das entspricht dem Bau von vier Windparks in der heute üblichen ersten Ausbaustufe von 80 Anlagen.

Planungen auf EIs gelegt

Diese Installationen verteilen sich auf die Monate April bis September – und auch dann sind sie aufgrund der Wetterverhältnisse nicht an jedem Tag möglich. Um das gesteckte Ausbauziel zu erreichen, müssten die Offshore-Bauherren jeden Tag drei Windenergieanlagen ins Meer stellen – ab morgen. Davon ist die Offshore-Windindustrie weit entfernt.

Das ist die ›nackte Wahrheit über Offshore‹, wie das Motto einer Konferenz Anfang November in Husum lautete. Klaus Rave, Offshore-Experte beim Global Wind Energy Council, erwiderte dort die Frage des Moderators nach der nackten Wahrheit mit einem Hinweis auf die Medien: »Es gibt beim Thema Offshore-Wind ein grobes Missverhältnis zwischen dem Bohai in den Medien und dem tatsächlichen Zubau.« Dem schleswig-holsteinischen Minister für die Energiewende, Robert Habeck, der die Konferenz eröffnete, blieb mit Blick auf die deutschen Offshore-Projekte nur die Flucht in den Sarkasmus: »In diesen Zeiten muss man froh sein, wenn es mal nichts Neues gibt. Wir sind da, wo wir auch vor einem Jahr waren. Das ist ein Erfolg.«

Nicht ganz korrekt, denn es gab durchaus Neues – und zwar schlechte Nachrichten. RWE Innogy legte bereits im Juli 2012 den Park ›Innogy Nordsee 1‹ vorübergehend auf Eis. Der dänische Energieversorger DONG folgte dem Beispiel nach drei Monaten und stoppte die Entwicklung des Windparks ›Riffgrund 2‹. Der DONG-Deutschland-Chef Christoph Mertens begründete den vorläufigen Stopp mit dem Hinweis, dass der für den Netzanschluss zuständige Netzbetreiber Tennet TSO technisch und wirtschaftlich überfordert sei.


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