24. JUNI 2016

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Design pro Umwelt


Spezial Betrieb & Energie

Software - Rund 80 Prozent der Umweltauswirkung eines Produktes entstehen bei der Konstruktion. Mit dem Clean-Tech-Partnerprogramm bietet Autodesk jungen Unternehmen nahezu kostenfreien Zugang zu seinen Konstruktionstools und fördert so nachhaltige Entwicklungen.

Ein verantwortungsvolles Geschäft zu betreiben, ist laut Erwin Burth Teil der Unternehmenskultur bei Autodesk. »Ein wichtiger Aspekt hierbei ist es, einen nachhaltigen Beitrag zum Schutz der Umwelt zu leisten«, betont der Business Development Manager Clean Tech. Bei Autodesk tut man dies in zweierlei Hinsicht. Einerseits versucht das Unternehmen den Geschäftsbetrieb so zu optimieren, dass man einen möglichst geringen CO2-Footprint hinterlässt, zum Beispiel indem es Geschäftsreisen reduziert und stattdessen Videokonferenz-Systeme verstärkt nutzt. Der zweite Punkt ist für Burth jedoch der wichtigere: »Wenn wir unseren weltweit 10 Millionen Anwendern Konstruktions- und Planungssoftware bieten, die die Entwicklung von nachhaltigen Produkten und Projekten ermöglicht und unterstützt, ist der Einfluss wesentlich größer.« Das war auch der Hintergrund dafür, dass das Unternehmen, das unter anderem mit seiner Software-Lösung Autocad einen großen Bekanntheitsgrad erlangte, vor rund zwei Jahren das Clean-Tech-Partnerprogramm in den USA startete.

Über dieses erhalten im Umweltsektor tätige Unternehmen Lizenzen für Digital-Prototyping-Software, um ihre Innovationen zu verwirklichen und ihre Produkte schneller und kostenoptimiert auf den Markt zu bringen. Jeder Empfänger einer Förderung bekommt Design-Software im Wert von bis zu 120.000€ für einen Preis von 50€. Vergangenen September gab Autodesk bekannt, dass die Anzahl an Clean-Technology-Unternehmen, die am Programm teilnehmen, seit dem Europastart Anfang des Jahres 2010 stetig zunimmt.

Eines davon ist das deutsch-französische Start-up-Unternehmen Pyrum Innovations, das einen neuen Recyclingprozess für Altreifen entwickelt. Als Teil des Programms plant Pyrum durch den Einsatz verschiedener Autodesk-Lösungen den Ausbau seiner Pilotanlage zu einer industriellen Großanlage. »Wir haben so die Möglichkeit, unseren Investoren die exakte Visualisierung der fertigen Anlage zu präsentieren«, sagt Pascal Klein, Präsident von Pyrum. Zusätzlich erlaube die Anlage unter bestimmten Szenarien zu simulieren, wodurch sich Prozesse bereits während der Planung optimieren lassen und gleichzeitig das Risiko verringert werde.

Seit Sommer 2010 nimmt auch das deutsche Unternehmen First Mobility am Partnerprogramm teil. Mit Hilfe der Software erstellt und testet das Start-up-Unternehmen aus Pfaffenhofen Prototypen der benötigten Komponenten für Elektrofahrzeuge digital. Auf diese Weise sollen für den Umbau eines Smart in das Elektroauto E-Tric Batteriesysteme konstruiert werden. Zusammen mit Partnerunternehmen entwickelt First Mobility auch Befestigungsanlagen für Photovoltaikmodule, zum Beispiel für Carports und Zapfsäulen für Elektrofahrzeuge.

Digital Prototyping erlaubt es, die digitalen Modelle nicht nur zu visualisieren, sondern auch zu simulieren und zu analysieren wie der Prototyp unter realen Bedingungen funktioniert. Dadurch lassen sich viele Erkenntnisse gewinnen, an die man traditionell nur durch die Erstellung kostspieliger physikalischer Prototypen gelangt. Für Autodesk-Manager Burth ist Digital Prototyping »die Basis einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Produktentwicklung«. Der Konstrukteur könne anhand digitaler Prototypen den Umwelteinfluss der Produkte besser einschätzen und optimieren. Durch die verfügbaren Informationen lassen sich zum Beispiel der Energieverbrauch, der Materialeinsatz oder aber auch die Recyclingfähigkeit verbessern.

Neue Möglichkeiten versprechen weitere Potenziale: Burth nennt die Zukunftstechnologie Cloud Computing, die das Thema weiter nach vorne bringen wird. »Die Erstellung der unterschiedlichen Modelle, die Berechnung und die Vorbereitung der Ergebnisdarstellung – all das macht die Cloud, und zwar nicht seriell nacheinander, sondern parallel und gleichzeitig.« Das Durchspielen einer großen Anzahl von Varianten dauere nur etwa so lange wie auf dem eigenen Arbeitsplatz die Berechnung einer einzigen Variante. So erhält der Konstrukteur bereits nach kurzer Zeit die Ergebnisse und sieht auf einen Blick, welche Variante die geforderten Bedingungen am besten erfüllt. Dadurch lassen sich auch Möglichkeiten durchspielen, die einen optimalen CO2-Footprint aufweisen.

Momentan liegt ein Fokus in Europa auf Zentral- und Nordeuropa. Noch in diesem Jahr will man die Aktionsbasis verbreitern. Burth nennt etwa Israel einen interessanten Markt, denn dieser Markt sei sehr stark über Venture-Kapital getrieben. Der für das Clean-Tech-Partnerprogramm verantwortliche Manager schätzt, dass rund die Hälfte der geförderten Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien angesiedelt sind. Die restlichen rund 50% decken Firmen ab, die sich mit Themen wie Energieeffizienz oder E-Mobility beschäftigen. Ist ein Unternehmen für das Programm akzeptiert, bekommt es keine Produkte ›von der Stange‹, sondern ein speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Software-Paket.

Optimale Wandstärken

Im Maschinenbau spielen etwa Simulationstools eine große Rolle. Burth nennt als Beispiel die Herstellung von Plastikteilen, wo spezielle Software den Ingenieuren dabei hilft, die optimale Wandstärke zu finden oder das aus Recylinggesichtspunkten optimale Material zu definieren. Im Bereich der Materialanalysen hat Autodesk kürzlich mit dem Spezialanbieter Granta Design Ltd. eine strategische Partnerschaft geschlossen (siehe Infokasten).

Aber auch in der Architektur hilft das Durchspielen von Varianten anhand von 3D-Modellen. Hier greift man auf Building Information Modeling Tools wie zum Beispiel Autodesk Revit Architecture zu. Darüber hinaus gibt es Spezialsoftware wie etwa Autodesk Ecotect Analysis, die Analysen zum Energieverbrauch, zur Ausrichtung des Gebäudes, zur Dämmung, zur passiven Kühlung oder auch zur Platzierung von Solarmodulen ermöglichen. Damit lässt sich beispielsweise berechnen, wie sich eine Rotation des Gebäudes um 15° auf die Energiebilanz auswirkt.

Burth ist sich sicher, dass der Ansatzpunkt der richtige ist. Man müsse sich nur einmal vergegenwärtigen, dass rund 80% des ökologischen Footprints eines Produktes in seiner Entwicklungsphase entsteht. (mn)

www.autodesk.de




Strategische Partnerschaft mit Granta Design

Die Kombination der Digital-Prototyping-Philosophie von Autodesk und der Materialinformationen sowie Öko-Design-Technologien von Granta sollen dabei helfen, nachhaltige Produkte zu entwickeln.

Materialanalyse und -auswahl werden für Unternehmen zunehmend wichtiger. So hat die Europäische Union jüngst mit dem Inkrafttreten der Öko-Designrichtlinie klare Forderungen und Grenzwerte verabschiedet, die Unternehmen dazu auffordern und zwingen, negative Umweltauswirkungen bestimmter Produkte zu minimieren.

Ausgabe:
es 01/2011
Unternehmen:
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