18. DEZEMBER 2017

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Quo vadis, europäische Energieeffizienzrichtlinie?


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Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Europäische Kommission Änderungen an den Bestimmungen vornehmen wird, darunter eine konkretere und einheitliche Festlegung der Kriterien für »große Unternehmen« und die Anwendbarkeit von Landesgrenzen.

Die Kommission wird die Auswirkungen genau überwachen, und es ist nicht auszuschließen, dass sie verschärfte Verpflichtungen einführen wird; etwa die obligatorische Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen, wenn die EU?– wie sich dies derzeit abzeichnet?– ihre Ziele nicht erreicht. Mehr als drei Jahre nach Inkrafttreten der Effizienzrichtlinie (EU-EED) haben noch immer nicht alle Mitgliedsstaaten die Richtlinie in vollem Umfang umgesetzt. Darüber hinaus gibt es beträchtliche Unterschiede bei der regulatorischen Übernahme.
Bei der Entwicklung von Compliance-Strategien für multinationale Kunden wurde deutlich, dass in vielen Unternehmen die Anforderungen der EU-EED unterschiedlich interpretiert werden, und dass die internen Strukturen großer Unternehmen die Einhaltung ihrer Bestimmungen nicht gerade fördern.
Unternehmen sind verpflichtet, die geltenden Bestimmungen zu erfüllen, und wählen in der Regel die Option, die am wenigsten Aufwand erfordert. In bestimmten Fällen wurde aber klar, dass Energiemanager, beziehungsweise für den Bereich Energie zuständige Operations- oder Facility-Manager, diese günstige Situation nutzten, um Auditprogramme durchzusetzen und das Thema Energiemanagement erneut auf die Tagesordnung im Unternehmen zu rücken.
In dieser Hinsicht hat sich durch die EED ein nachhaltiger Einfluss auf die Geschäftswelt ergeben: Seit Umsetzung der EU-EED haben wir ein stärkeres Bewusstsein für Energieeffizienz festgestellt, das über die reine Compliance hinausgeht. Energieeffizienz findet jetzt auch auf Vorstandsebene Beachtung, und ich rechne mit einer stärkeren Marktnachfrage nach Energieeffizienz in den kommenden Monaten und Jahren.
Bei den Hunderten von Audits, die von Siemens-Auditoren durchgeführt wurden, lagen die potenziellen Energiekosteneinsparungen?– mit Amortisationszeiten der Effizienzinvestitionen von maximal fünf Jahren?– im Durchschnitt zwischen 10 und 30?Prozent.
Niedrige Energiekosten?– auch wenn sie schwanken?– und konkurrierende Capex-Prioritäten sind weiterhin eine große Hürde. Aus diesem Grund sind Finanzierungsmechanismen für Energieeffizienzprojekte in vielen Fällen ausschlaggebend. Viele Unternehmen müssen ihre Energiedatentransparenz verbessern. Etwa durch verstärkte Energiedatenerfassung und -management sowie die Implementierung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001.

Ausgabe:
es 10/2016
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