21. NOVEMBER 2017

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"Frühestens 2025"


Technik

Der Ausbau geht nur langsam voran. Bislang steht noch nicht einmal fest, wo die Trassen verlaufen und auf welcher Spannungsebene beim Gleichstrom gearbeitet werden kann.
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Auf den Baustellen großer Infrastrukturprojekte hat sich Deutschland in den letzten Jahren mehrfach nicht gerade weltmeisterlich gezeigt: Bahnprojekte verzögern sich um Jahre und kosten am Ende deutlich mehr als geplant. Flughäfen werden nicht fertig, die Elbvertiefung dümpelt seit Jahren vor sich hin. Und auch bei dem Ausbau der Übertragungsnetze für Strom, eine entscheidende Basis für die bisherige Politik der Energiewende, kommen wichtige Projekte immer mehr ins Stocken.

Am Anfang schien alles recht einfach: Die enormen Mengen Windstrom, die vor allem im industrie- und bevölkerungsschwachen Norden erzeugt werden, sollten durch ein großzügig ertüchtigtes Übertragungsnetz in den verbrauchsstarken Süden abgeleitet werden, wo die Masse der noch abzuschaltenden Kernkraftwerke steht.

Große Ursache große Wirkung

Der dazu notwendige Ausbau des Wechselstrom-Höchstspannungsnetzes mit mehreren Korridoren und vier neuen Gleichstromtrassen war schnell im Netzentwicklungsplan festgeschrieben, mit der quasi per Gesetz der Ausbau durch die vier großen Netzbetreiber garantiert werden sollte.

Im November 2012 hatten die vier Netzbetreiber den Netzausbauplan 2022 durch die Bundesnetzagentur bestätigt bekommen. Von 74 vorgeschlagenen Verstärkungen oder Neubauten waren 51 aufgenommen und zu 36 Projekten zusammengefasst. Darunter war auch erstmals die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) über jeweils mehrere Hundert Kilometer Trassenlänge: vier große Gleichstromkorridore mit Leitungskapazitäten von jeweils zwei Gigawatt in Nord-Süd-Richtung.

Diese wurden mit spitzen Strich in die Landkarten gemalt, wenngleich damals noch niemand recht sagen konnte, welche Auswirkungen der Einsatz dieser Gleichstromkabel auf das vor- und nachgelagerte Netz haben würde und wie sie sich überhaupt technisch und nicht zuletzt politisch in dem dicht besiedelten Deutschland umsetzen lassen.

Tempo per Gesetz?

Es war der Druck des Faktischen aus der Energiewende: Schließlich muss der Ertrag der großen Offshore-Felder in Nord- und Ostsee und der Windparks an Land irgendwie in den Süden, um das Gleichgewicht zwischen Bedarf und Angebot sichern und eine einheitliche Preiszone erhalten zu können. Doch bereits beim Ausbau der Wechselstrom-Höchstspannungstrassen sprossen die Bürgerinitiativen schneller aus dem Boden als die Masten etwa der Südwest-Kuppelleitung.

Trotz des Beschleunigungsgesetzes für den Stromtrassenbau (Netzausbaubeschleunigungsgesetz) verzögerten sich Projekte, wurden teurer und werden, um den Protesten die Spitze zu nehmen, immer mehr als Erdkabeltrassen gebaut.
Das scheint inzwischen zu greifen, wie auch Amprion bestätigt: »Der Netzausbau kommt in Fahrt, wir haben im letzten Quartal 2016 bereits 210 km fertig und weitere 205 km in Bau gehabt«, berichtet Pressesprecherin Solveig Wright.


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Ausgabe:
es 02/2017
Bilder:
Tennet
Prysmian
VDE/FNN
Siemens
Herrenknecht
Prysmian

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