21. NOVEMBER 2017

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Umzug auf sibirisch


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Versorgung - Auf Nordsibiriens Halbinsel Jamal baut Russlands Gaskonzern Gazprom sein neues Förderzentrum aus. Die Infrastruktur wird so ausgelegt, dass ab Ende 2019 vier Stränge von Nord Stream gefüllt werden können.
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Eiseskälte und Schneetreiben liegen im Winter über dem größten Gasvorkommen Bowanenkowskoje auf der Jamal-Halbinsel. Das Thermometer fällt auf bis zu -50 Grad. Unter diesen arktischen Bedingungen fördern die Bohringenieure von Gazprom das Erdgas aus bis zu 2.000 Metern Tiefe, um es an die über 3.000 Kilometer entfernte russische Ostseeküste zu transportieren. Die 1.224 Kilometer bis Lubmin bei Greifswald legt es auf dem Meeresgrund der Ostsee in zwei Strängen der Nord-Stream-Gasleitung zurück. Sie sind für einen Jahrestransport von 55 Milliarden Kubikmeter ausgelegt. Von dort geht es auf dem Festland an die deutsch-tschechische Grenze oder nach Westeuropa weiter.

Das historische Exportwachstum um mehr als 12 Prozent auf 178,3 Milliarden Kubikmeter Gas für Europa und die Türkei im letzten Jahr spornt Gazprom an, bis Ende 2019 noch zwei Leitungsstränge in der Ostsee zu verlegen, um den doppelten Umfang nach Lubmin befördern zu können. Immerhin kaufte Deutschland als größter Kunde im vergangenen Jahr 49,8 Milliarden Kubikmeter russisches Gas ein.

viel Gas auf Vorrat

Dass der Ausbau in der Ostsee wirtschaftlich ist, rechnet Gazprom-Vorstandsvizevorsitzender Alexander Medwedew Investoren auf einem Treffen in Singapur im Februar vor: »Nord Stream 2 ist vom Ressourcenstandort auf Jamal zu unseren Hauptverbrauchern in der EU die kürzeste Exportroute. Der Gastransit über die Ukraine kostet 20 Prozent mehr.« Da die Produktion in der nordwest-sibirischen Hauptförderregion Nadym Pur Taz sinke, verlagerten sich Förderung und Exportströme nach Europa in den Norden, so Medwedew. Von Urengoj in Nordwest-Sibirien sind es auf dem zentralgelegenen Transportweg nach Uschgorod an der ukrainischen Westgrenze rund 4.500 Kilometer.

Das Gros von 419 Milliarden Kubikmetern Gas förderte Gazprom im letzten Jahr im Gebiet Nadym Pur Taz, während die Förderung von Bowanenkowskoje im Norden auf 67,4 Milliarden stieg. Die dortigen Vorräte sind mit 4.900 Milliarden von insgesamt 16.700 Milliarden Kubikmeter Gas auf Jamal gigantisch. Im letzten Januar fand hier die Inbetriebnahme der Ferngasleitung Bowanenkowo-Uchta 2 und weiterer Förderkapazitäten statt. Die erste Gasleitung auf dieser 1.260 Kilometer langen Strecke ging 2012 in Betrieb. Geplant ist, dass beide Leitungsstränge bis 2022 jährlich 115 Milliarden Kubikmeter Gas in Richtung Ostsee abtransportieren können, wenn die drei Gasfelder von Bowanenkowskoje diesen Förderumfang erreichen.


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Ausgabe:
es 04/2017
Bilder:
Gazprom
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