17. AUGUST 2017

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Mieterstrom – Großer Wurf oder viel Lärm um nichts?


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Die Bundesregierung plant noch in diesem Jahr eine Förderung von PV-Mieterstrommodellen. Ende April wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf vom Bundeskabinett verabschiedet.

Laut Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, SPD, kann nun auch der Mieter durch eine Förderung von Mieterstrom direkt an der Energiewende beteiligt werden. Der Gesetzesentwurf sieht dabei einen Mieterstrom-Zuschlag vor, der zwischen 2,21 und 3,8 Cent betragen soll. Insgesamt könnten in Deutschland bis zu 3,8Millionen Wohnungen von dem geplanten Mietstrommodell profitieren.

Generell ist gegen eine staatliche Unterstützung beim Mieterstrom nichts einzuwenden. Denn eine zeitlich befristete Förderung kann einen Anreiz schaffen, sodass zukünftig mehr Vermieter auf den Eigenverbrauch von selbsterzeugtem, grünem Strom setzen. Allerdings kommt es bei einem solchen Gesetz auch immer darauf an, wie dieses Ziel in der Praxis umgesetzt werden kann. Werden Hürden abgebaut oder eher neue geschaffen? Und wer kommt für die Kosten auf, die bei einer Subvention durch den Staat zwangsläufig entstehen?

Diese Fragen bleiben durch den Gesetzesentwurf leider bislang unbeantwortet. Damit wirkt die Idee der Bundesregierung wie noch nicht zu Ende gedacht. Hinzu kommt, dass trotz einer öffentlichen Anhörung mit den Fachverbänden kein einziger Kritikpunkt zu einer Anpassung vonseiten des BMWi führte. Hauptkritikpunkte: Das Gesetz sei zu kompliziert und mache den Mieterstrom auch wirtschaftlich nicht rentabel. Außerdem würde es wohl einen erheblichen Mehraufwand für diejenigen Mieter bedeuten, die von diesen Modellen nicht profitieren können.

Das Interesse der Bevölkerung an der Nutzung von selbst erzeugtem Ökostrom in Mietshäusern ist groß. Mehrere Energieunternehmen arbeiten bereits an zukunftsfähigen Soft- und Hardware-Lösungen. Auch wir haben unseren neuen Batteriespeicher My-Reserve Matrix bewusst als offenes System konzipiert, mit dem wir schnell auf spezifische Marktanforderungen wie das Speichern und Nutzen von Solarstrom in einer Mietwohnung reagieren können. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung bei ihrem jetzigen Gesetzesentwurf noch nachbessert. Sonst wird der deutschen Bevölkerung die Lust an Mieterstrommodellen als wichtigen Schritt für den Umstieg auf erneuerbare Energien schnell wieder vergehen.


Detlef Neuhaus, Solarwatt

Ausgabe:
es 05/2017
Bilder:
Bild: Detlef Neuhaus / Solarwatt

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