17. AUGUST 2017

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Wind kompakt


IT/EVU

Enera ist eines der fünf ausgewählten Schaufenster intelligente Energie. An der Küste Niedersachsens werden Netz, Markt und Daten verbunden und ein zukunftsfähiges System erprobt.
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Es dreht sich was im Norden und nicht zu wenig. In manchen Landstrichen stehen die Windenergieanlagen wie starre Wächter neben- und hintereinander. Nur die Flügel drehen sich im Kreis. Da sind Teile der Landkreise Aurich, Friesland und Wittmund und die kreisfreie Stadt Emden keine Ausnahme. Mehr als 1.000 Anlagen mit gesamt über 1.500MW sind in der Region auf 2.655km² verteilt.

Zum Vergleich: Niedersachsen hat auf seiner gesamten Landesfläche von 47.624km² insgesamt rund 9.324MW an Windenergieleistung installiert, Stand 2016. Das heißt, bezogen auf die Küstenregion: Auf rund sechs Prozent der Landesfläche sind mehr als 15 Prozent der Windenergieleistung Niedersachsens installiert.

2013 produzierten Erneuerbare-Energie-Anlagen rund 3.000GWh Strom in der Region, während der Brutto-Stromverbrauch der Letztverbraucher bei etwa 1.750GWh lag – mehr als 170Prozent Erneuerbar-Anteil also. Damit hat man die bundesweiten Ausbauziele von 80Prozent bis 2050 schon weit übertroffen.

Wenn Wind, Sonne und Biomasse so viel Energie liefern, haben die Netze einiges zu meistern. Die Nieder- und Mittelspannungsnetze betreibt EWE Netz. 24 Übergabepunkte speisen in das 110-kV-Verteilnetz von Avacon ein. Zwei Übergabepunkte bestehen zum Übertragungsnetz von Tennet.

Waren diese Eigenschaften mit ein Grund, warum die beteiligten Partner das Gebiet als Modellregion für Enera, eines der fünf Schaufenster intelligente Energie (Sinteg), ausgeguckt haben? Denn hier wollen 75 Partner unter Leitung von EWE Erzeugung und Verbrauch intelligent vernetzen sowie innovative Netztechnologien und -betriebskonzepte einsetzen.

Inselprojekte führen nicht weiter

Ende 2016 übergab das Bundeswirtschaftsministerium die Förderbescheide für die Sinteg-Projekte. In vier Jahren sollen skalierbare Blaupausen für die Energieversorgung der Zukunft entwickelt werden. »Netz, Markt und Daten müssen gleichberechtigt nebeneinander und miteinander agieren. Weitere reine Inselprojekte, welche nicht das gesamte Energiewendeenergiesystem im Blick haben, helfen nicht mehr weiter«, so Ulf Brommelmeier, operativer Gesamtprojektleiter bei EWE.

Enera sei deutlich systemischer und vernetzter konzipiert als die anderen Sinteg-Projekte. »Die Enera-Modellregion ist kleiner und stellt damit sicher, dass die Investitionen in ein vernetztes System fließen anstatt in verteilte Leuchtturmprojekte.«

Insgesamt rund 50 Millionen Euro kommen vom Staat, die am Projekt beteiligten Partner wollen gut 120 Millionen investieren. So ist geplant, rund 30.000 intelligente Messsysteme auszurollen. »Diese verteilen sich auf diverse Kundengruppen. Industrielle Anlagen, Gewerbebetriebe, Speicher, Erzeugungsanlagen und Haushaltskunden sind einige Beispiele«, erläutert Brommelmeier.

Außerdem werden etwa Speichersysteme gebaut und Windenergieanlagen technisch erweitert. So wollen die Beteiligten unter anderem einen Batteriegroßspeicher errichten. Dieser soll gegebenenfalls an verschiedenen Standorten in Form von drei Einzelspeichern entstehen, so Dr. Magnus Pielke von EWE. Er ist verantwortlich für Speicherthemen in Enera. Darüber hinaus ist geplant, bis zu 60 Hausspeicher in das Projekt einzubinden. Dabei werden auch bestehende Speicher integriert. »Power to Gas verstehen wir ebenso als Speicherlösung: Hierzu wird im Rahmen von Enera die Einspeisung von regenerativ erzeugtem synthetischem Erdgas einer Biogasanlage in das Erdgasnetz verfolgt.«

Steueragenten im Einsatz

Die Windkraftanlagen sollen technisch durch sogenannte Steueragenten erweitert werden. »Es geht im Wesentlichen um die physikalische Größe Blindleistung, welche unter anderem zur Stabilisierung der Spannungsfluktuationen eingesetzt werden soll«, so Jan Adrian Schönrock, Projektleiter des Konsortialpartners EWE Netz.

Die in den Verteilnetzen angeschlossenen Windkraftanlagen stellen heute Blindleistung bereit. Diese reicht aber nicht immer aus, sodass die Partner die Blindleistungsstellfähigkeit der Anlagen erweitern wollen. Die Steueragenten werden nicht in der Windkraftanlage errichtet, sondern geben der jeweiligen Anlage in einem Netzbereich die notwendigen Sollwerte vor.

Daneben sollen auch neue Steuerverfahren zur Wirkleistungsreduzierung entstehen.


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Ausgabe:
es 06/2017
Bilder:
Illustration: Oliver Weiss
mwi
Enera

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