26. APRIL 2018

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"Zunehmend aus einer Hand"


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Kundenservice - Uniper baut sein Dienstleistungsportfolio aus und startet eine Flatrate für Gas. Wir sprachen mit Vertriebschef Gundolf Schweppe über Strategien in Zeiten des Wandels.

Mit Uniper assoziiert man nicht als erstes LED-Lichtkonzepte, Ladelösungen, Speicher oder White-Label-Lösungen für PV – trotzdem haben Sie auch dieses im Angebot. Woran liegt das und was wollen Sie tun, um die Wahrnehmung der Marke zu verbessern?

Im Fokus unserer Aktivitäten steht der Kunde. An dessen Bedürfnissen richten wir unser Produktportfolio aus, was sich aufgrund der kürzeren Produktzyklen im Dienstleistungsgeschäft stetig verändert. Im Kern liegt unser Fokus auf commodity-nahen Dienstleistungen. Die aufgezählten Dienstleistungen bilden hier unserer Meinung nach eine logische Ergänzung. Mit diesen vielfältigen Produktlösungen und unserer Expertise im Managen komplexer Angebote können wir unseren Kunden so ganz individuelle Pakete schnüren. Dies wird bisher sehr gut angenommen und wir arbeiten ständig weiter daran, mit unserem Produktportfolio gezielt neue Kunden anzusprechen. Jüngst haben wir zum Beispiel eine ganze Palette von bereits bekannten und ganz neuen Produkten auf der Energiemesse E-World in Essen vorgestellt. Und dafür gab es dann auch eine sehr gute Resonanz.

Welche Strategie liegt hinter dem Angebot solcher Produkte, die über die reine Strom- und Erdgaslieferung an Stadtwerke und Industriekunden hinausgehen?

Wir sind überzeugt, dass die Energiewelt künftig stärker auf Partnerschaften basieren wird. Als Mitgestalter der Energiezukunft setzen wir auf Kooperationen und bauen diese weiter aus. Viele unserer Kunden- und Lieferantenbeziehungen pflegen wir bereits seit zwanzig, dreißig Jahren. Mit unserem umfangreichen Produktportfolio möchten wir den sich verändernden Bedürfnissen unserer Großkunden mit neuen Produkten und Angeboten entgegenkommen.

Bleibt Strom- und Erdgaslieferung künftig wichtiger Bestandteil Ihres Portfolios oder verschieben sich hier Anteile?

Ähnlich wie Wettbewerber sind wir zunehmend stärker mit Dienstleistungen unterwegs. Die Margenerosion im klassischen Geschäft muss schlichtweg kompensiert werden. Aber dies ist nur ein Baustein. Unser Vorteil ist, dass wir ein sehr großes Haus mit einem großen Portfolio und einem sehr guten Risikomanagement sind. Wir versuchen, zugegeben sicherlich mehr als in der Vergangenheit, dieses Wissen und unsere Erfahrungen zu heben.
Als einer der größten Energieerzeuger und -händler in Deutschland sehen wir uns aber vor allem als fairer Partner und verlässliche Konstante im volatilen Energiemarkt. Durch die Zunahme der volatilen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien steigt der Bedarf an flexiblen Kraftwerken, die kurzfristig auf Nachfrageschwankungen reagieren können. Vor diesem Hintergrund konzentrieren wir uns auch weiterhin auf die klassische Energiewelt, die für die Aufrechterhaltung und Sicherung einer gleichbleibenden, stabilen Versorgung nach wie vor unverzichtbar ist. Strom- und Erdgaslieferungen werden also zentraler Bestandteil unseres Portfolios bleiben. So möchten wir zu Versorgungssicherheit beim Übergang in eine CO2-arme Energiezukunft beitragen.

Ihr Pilotprojekt ›Flatrate Gas‹ ist ein neues Angebot an Stadtwerke für deren Endkunden: ein individuell berechneter Pauschaltarif, in dem nicht nur eine verbrauchsunabhängige Abrechnung, sondern auch Netzentgelte, Steuern und Abgaben enthalten sind. Wie ist die Idee entstanden?

Wir können mit der Flatrate Gas ein klares Kundenbedürfnis befriedigen. Denn es zeichnet sich der Trend ab, dass Leistungen zunehmend aus einer Hand in Anspruch genommen werden. Vielleicht werden wir alle irgendwann einen Mietvertrag abschließen, in dem ganz selbstverständlich verschiedenste Leistungen inkludiert sind – etwa für Internet, Telefon, Multimedia, Wasser und Energie. Mit der Flatrate Gas stellen wir uns genau auf solche Zukunftstrends ein und machen hier einen ersten Schritt.

Sie wollen das Pilotprojekt ja mit ausgewählten Stadtwerke-Partnern starten. Wie ist das erste Feedback?

Das Pilotprojekt ist sehr positiv aufgenommen worden und bereits jetzt können wir ein großes Interesse für die Zeit nach der Testphase verzeichnen. Zunächst starten wir aber erst einmal mit mindestens fünf Pilot-Stadtwerken. Die meisten Gespräche hierzu sind bereits abgeschlossen. Geplant ist die Akquise der Endkunden noch für 2018. Ab dem 1. Oktober sollen die Verträge dann für eine Testphase von einem Jahr laufen. Wir betreten damit ein neues Gebiet, zu dem es deutschlandweit noch kaum Erfahrungswerte gibt. Deshalb planen wir das Projekt zunächst nur im Lieferzeitraum GWJ 18/19. Für diesen Zeitraum können die Partner-Stadtwerke Kunden mit Standardlastprofil mit einem Vorjahresverbrauch von 3.500 bis 100.000 kWh die Flatrate Gas anbieten. Damit erreicht die Flat Privatkunden, aber auch Vermieter und ausgewählte Gewerbekunden.

Privatkunden, die weniger verbrauchen, sollen Bonuszahlungen erhalten. Wie soll das ausgestaltet werden?

Wir bieten Stadtwerken eine breite Palette möglicher Anreizmechanismen für die Verbrauchsregulierung. Eine Möglichkeit sind Bonuszahlungen, wenn Kunden weniger verbraucht haben als angenommen.
Für die Kalkulation erheblich ist grundsätzlich der jüngste abgerechnete Jahresverbrauch des Endkunden. Dieser wird wiederum um die Temperatur des zugehörigen Lieferzeitraums bereinigt. Wenn ein Mehrverbrauch des Kunden zum Beispiel temperaturbedingt ist, bezahlt er keinen Cent mehr, auch nicht im nächsten Jahr. Das ist die Garantie der Flatrate.
Andersherum können Kunden mit sparsamem Energieverbrauch Kosten einsparen und sich mittels Bonuszahlungen erstatten lassen. Dafür entwickeln wir mit jedem Partner individuell eine passgenaue Lösung.

Aus welchen Gründen machen solche Bonuszahlungen Sinn, was versprechen Sie sich davon?

Es geht bei dem Flatrate-Gas-Pauschaltarif nicht darum, mehr Energie zu verbrauchen, sondern darum, Sicherheit und finanzielle Planbarkeit zu ermöglichen und Risiken zu verteilen und zu minimieren, auch wenn der Winter richtig kalt wird. Hierbei dienen die Bonuszahlungen als Anreize für Kunden, verantwortungsvoll mit der gebotenen Flexibilität umzugehen. Dabei steht die Vereinfachung für den Endkunden im Vordergrund.
Denn viele haben keine Zeit, sich mit komplizierten Vertragskonstrukten und Mechanismen für die Nachverrechnung zu beschäftigen. Die Flatrate Gas bietet ihnen eine einfache, verständliche und reibungslose Abwicklung ohne versteckte Zahlungen – und ohne böses Erwachen im Nachhinein. mwi
www.uniper.com


VITA
Gundolf Schweppe
• seit Juli 2017 Vertriebschef bei Uniper
• langjährige Erfahrungen in der Energiewirtschaft, unter anderem im Bereich des Privatkunden- und Großhandelsvertriebs
• Der Volljurist hat an den Universitäten Würzburg und Freiburg sowie im französischen Marseille studiert

Ausgabe:
es 03/2018
Bilder:
Bild: Uniper

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