26. APRIL 2018

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Klar zur Wende?


System - Das Diesel-Urteil hat hohe symbolische Bedeutung. Es ist quasi der Startschuss für den anstehenden Umbau der Strukturen. Er wird Jahrzehnte dauern.
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Seit Anfang März gibt es in Deutschland 43 H2-Tankstellen. In der Audi-Stadt Ingolstadt weihte die Firma H2 Mobility eine neue Zapfsäule für Wasserstoff ein. Die genaue Zahl der E-Ladesäulen in Deutschland ist unklar, die Angaben reichen von rund 8.300 bis 10.000 Stück bundesweit.

Auf die genaue Zahl kommt es auch nicht an. Denn in jedem Fall ist sie keine nennenswerte Konkurrenz zu Benzin und Diesel. Zum Vergleich: dem Infoportal Statista zufolge gab es hierzulande voriges Jahr insgesamt 14.510 Tankstellen. Hat jede dieser Tankstellen mindestens drei Zapfsäulen mit je zwei Tankpistolen, ergibt das mehr als 87.000 Tankmöglichkeiten für konventionelle Kraftstoffe.

Langfristiger Umbau

Das zeigt, dass das Zeitalter der alternativen Antriebe mit Wasserstoff oder Elektrizität zwar begonnen hat, aber die Fakten verdeutlichen, dass der Weg noch weit ist bis zur Verkehrswende. Von einem Durchbruch kann keine Rede sein. Selbst das Diesel-Urteil wird daran nichts ändern. Kurz- und mittelfristig bleibt es so, wie es seit Jahrzehnten ist: Diesel und Benzin bilden das Fundament des Straßenverkehrs in Deutschland.
Wenn sich das eines Tages ändern soll, müssen beizeiten die Grundlagen für eine neue Infrastruktur und ein neues Verständnis von Mobilität erarbeitet werden, sagen Experten. Mit anderen Worten: Was man sich heute ausdenkt, trägt unter Umständen erst in Jahrzehnten Früchte. Diesen Zeitverzug wird man auch einkalkulieren müssen bei der Frage, welche Auswirkungen das Diesel-Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts haben wird.

Wer hat Schuld am Diesel-Urteil?

Kurt Sigl, der Präsident des Bundesverbandes E-Mobilität sagt zum Gerichtsurteil: »Das aktuelle Gerichtsurteil zum Dieselverbot wäre nicht nötig gewesen, wenn die Politik früher richtungsweisende Maßnahmen ergriffen hätte, anstatt beständig die deutschen OEM und insgesamt fossile Antriebskonzepte zu schützen. Die Affäre zu den Schadstoff-Grenzwerten zeigt eindrucksvoll die Versäumnisse der Politik.«
Sigl fordert weiter ein Förderprogramm, das die entstehenden Kostennachteile für die Autobesitzer vollständig ausgleicht. Hier sieht er die Industrie bei der Kostenübernahme in der Pflicht.
»Wenn wir jetzt nicht aktiv an der tatsächlichen Umsetzung der Mobilitätswende arbeiten, werden wir erleben, dass sich auch die nächsten Jahre keine ernstzunehmenden Verbesserungen einstellen werden.« Nach seinen Worten ist es unumgänglich, bereits jetzt langfristige Maßnahmen einzuleiten, um unsere Mobilität bis 2050 auf CO2-neutrale Verkehrsträger umzustellen. So sieht es auch das Pariser Klimaschutzabkommen vor.

Aus für Diesel und Benzin

»Bei einer Fahrzeug-Lebensdauer von bis zu 20 Jahren bedeutet das, dass wir spätestens ab 2030 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zulassen dürfen«, so Sigl. Stand heute klingt das unrealistisch. Aber das muss nichts heißen.
Experten streiten seit Jahren über das Wie einer Verkehrswende. Die vor allem akademisch geführte Debatte bildet quasi die Vorgeschichte für künftige Veränderungen im deutschen Verkehrswesen. Nun ist mit Deutschlands Energiewende eine Ausgangssituation entstanden, die tatsächlich reale Anknüpfungspunkte zur wissenschaftlichen Verkehrswende-Debatte bietet. Denn erneuerbare Energien sollen nicht nur zur Stromversorgung dienen, sondern auch zur Wärmeerzeugung und als Treibstoff für Autos, Schiffe und Flugzeuge.
Voriges Jahr hat das Wuppertal Institut untersucht, wie es gelingt, dass 2035 die CO2-freie Mobilität in Deutschland der Normalfall ist. Die Studie stellt ein Verkehrssystem vor, das sich radikal von der bisherigen Realität unterscheidet. Um den Wechsel zu schaffen, sollen Ausstiegspläne mit konkreten Fristen erarbeitet werden. Es liest sich im Autofahrerland Deutschland nicht so leicht, was die Experten des Wuppertal Instituts fordern. »Damit wir im Jahr 2035 CO2-frei von A nach B kommen, darf es schon ab 2025 keine Neuzulassungen für Autos mit Verbrennungsmotor mehr geben«, heißt es in der Studie.


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Ausgabe:
es 03/2018
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Bild: Lorenz Timm/ fotolia.de

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