SEPTEMBER
07.2010


 

Smart Home wird zum Vertriebsthema


Markt/Metering

DigitalZähler - Immer mehr Pilotprojekte steigern die Akzeptanz bei den Versorgern. Technisch scheint das Thema im Griff zu sein.

»Von der Randerscheinung zu einem Tagesgeschäft« spricht das Bremer Marktforschungsinstitut trend:research mit Blick auf die über 60 in Deutschland aktuell laufenden Projekte mit verschiedenen Smart-Meter-Systemen. Zunehmend größere Versorger gehen noch einen Schritt weiter, indem sie von einem geplanten Rollout-Vorhaben sprechen, das an das Pilotprojekt anschließen soll.
Während die Marktforscher von PriceWaterhouseCoopers (PwC) in ihrer Datenbasis (67 Versorger) überwiegend eine abwartende Haltung gegenüber Smart Metern samt Piloten feststellen, kristallisiert sich in der Befragung von trend:research die Bedeutung derartiger Testprojekte für die Bewertung von Smart Meter heraus: Die Skepsis gegenüber der neuen Zählertechnologie nimmt mit der Erfahrung ab, so ein Fazit.
Als »technisch funktionsfähig« etwa bezeichnet über die Hälfte der befragten Versorger mit Smart-Meter-Projekten die intelligenten Zähler. Bedenken im Hinblick auf die tatsächliche Umsetzbarkeit und Tauglichkeit der Technik entkräften sich so deutlich zu der Vorgängerstudie vom Jahr 2007. Die Möglichkeit einer einwandfreien Datenübertragung mit dem Einsatz von Smart Meter erwägen 23% dieser Befragten. Wo zuvor noch die Frage nach der technischen Machbarkeit Platz einnahm, rücken so die vertriebsseitigen Aspekte der Technologie.
Als Markttreiber der innovativen Technik identifiziert PwC in ihrer Befragung zu 35% Messstellenbetreiber inklusive Messdienstleister. Danach folgen mit etwa 27% der Energielieferant beziehungsweise der Transportkunde, mit etwa 18% die Energiedienstleister und mit etwa 13% die Netzbetreiber. Dem gegenüber plant jedoch die Mehrzahl der befrag-ten Unternehmen selbst die Umsetzung der intelligenten Zähler – entweder als eigenständiger Messstellenbetreiber (etwa 38%) oder in der Rolle des Netzbetreibers (etwa 30%).
Die Einschätzung über die flächendeckende Umsetzung der Technologie folgt dabei bei mehr als der Hälfte der von PwC befragten Versorger grob der Vorstellung des Gesetzgebers. Dieser strebt bis 2016 ein flächendeckendes Rollout an. Die Versorger gehen überwiegend von einem Zeitraum zwischen 2013 und 2018 aus. Nur etwa 14% halten eine Zeit von mehr als zehn Jahren für wahrscheinlich.

Energieclubs in Eigenregie

Die wahrgenommenen Risiken müssen bis dahin noch aus dem Weg geräumt werden. Zusätzlich zu den markthemmenden Hauptverdächtigen – hohe Kostenaufwendungen, fehlende Interoperabilität der Sys-teme und unklare gesetzliche Gegebenheiten – decken die Marktforscher aus Bremen ein weiteres Manko auf: Erste Erfahrungen aus den Pilotprojekten zeigen, dass nur ein geringer Prozentsatz der Testkunden langfristig tatsächlich seinen Verbrauch regelmäßig überprüft.
Von einem durch und durch smarten Verbraucher und Energieanbieter geht derweil der Stuttgarter IT-Dienstleister Logica Deutschland aus, zumindest wenn es um die Zukunftsvision für das Jahr 2020 geht. Von einfachen Energiebeziehern entwickelt sich der Verbraucher zunehmend zum Energieerzeuger. Der Energieversorger im klassischen Sinne fungiert laut der IT-Anbieter auf Basis von Smart Meter zukünftig vielmehr als informationsgesteuertes Unternehmen, das seine Kernkapazitäten weiterentwickelt. Energieanbieter, die dieses neue informationsorientierte Modell übernehmen, profitieren, indem sie den Energiebedarf ihrer Kunden genau kennen und ihre Angebote und Leistungen darauf zuschneiden. Ihr Augenmerk liegt 2020 laut Logica vorrangig in der Investition in profitable lokale Energieerzeugungsprojekte auf Basis grüner Technologien.
Sogenannte Energieclubs ermöglichen innerhalb eines örtlichen Verteilungssys-tems den effektiven Kauf und Verkauf von Energie. Ein Großteil dieser Energie wird in Privathaushalten erzeugt, so das Szenario von Logica. Durch den aktiven Einsatz intelligenter Haustechnik können die Energiedienstleister effektiver mit Energie handeln und ihre Abhängigkeit von Großhändlern verringern. Basis für eine effektive Entscheidungsfindung sind detaillierte, aktuelle Verbrauchsinformationen.
Nicht nur den Strom-, auch den Wärmesektor möchte der Energiekonzern RWE in einem Zukunftsprojekt für den Verbraucher bequem steuerbar machen. In Kooperation mit dem finnischen Mobilfunkanbieter Nokia plant er Ende diesen Jahres das ›Nokia Home Control Center‹ auf den deutschen Markt zu bringen. Es soll als technische Basis für mehr Wärmeeffizienz in privaten Haushalten dienen. Der obligatorische Drehknopf am Heizkörper erfährt damit eine innovative Erweiterung. Über zentrale Steuerungsdisplays, PCs oder von unterwegs per Mobiltelefon sollen die Heizungen über diese zentrale Kommunikationseinheit und einen funkgesteuerten Heizkörperthermostat einstellbar sein.

Kundenfreundliche Regelung

»Das Besondere an dem System ist seine Offenheit«, so der RWE-Sprecher Harald Fletcher auf Nachfrage von energiespektrum. »Das Home Control Center ermöglicht auch anderen Anbietern den Zugang, um dort ihre eigenen Lösungen und Dienstleistungen für intelligentes Wohnen anzubieten.« Der kontinuierlichen Erweiterung des Gesamtangebotes stehe so die Tür offen. Bereits bestehende Technologie werde hier zu einer »kundenfreundlichen Lösung erweitert«. Ein Umbau der Heiztechnik ist nicht notwendig.
Die Stromsparte soll von dieser komfortablen Verbrauchsregulierung nicht ausgeschlossen sein: RWE plant ein Produktpaket mit intelligenten Steckdosen. Über diese kann der Verbraucher von jedem Punkt der Erde aus seine elektronischen Geräte, gleich welcher Art, an- und abschalten. Welche Angebote im Einzelnen über Nokia laufen werden, lassen RWE und Nokia zu diesem Zeitpunkt noch nicht verlautbaren. Eine groß angelegte Kundenoffensive sei jedoch geplant. (ds) <

www.trendresearch.de, www.logica.com, www.rwe.com, www.pwc.de, www.nokia.com
www.smarthomepartnering.com

 

 

 

 

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