29. SEPTEMBER 2016

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Digital City Salzburg


Spezial

IT - Derzeit entsteht ein vollständig digitales und simulationsfähiges 3D-Modell der Stadt Salzburg. Dieses bietet Versorgern die Chance, Abläufe und Kundenservice zu optimieren.

Per Google Earth fliegen Anwender in Sekundenschnelle an fast jeden Ort der Welt. Der Blick unter die Erdoberfläche oder hinter Gebäudemauern bleibt ihnen allerdings verwehrt. Anders in der Digital City: Dort lassen sich künftig urbane Netze wie die Strom- und Gasversorgung ohne IT-Kenntnisse visualisieren, simulieren und analysieren – im Idealfall durchgängig vom Heizkraftwerk bis zum Zähler. Ein Standardbrowser genügt, um Daten je nach Aufgabenstellung aus unterschiedlichen Systemen zentral abzurufen, kombiniert darzustellen und sogar zu bearbeiten.
Dies vereinfacht erstens die gemeinsame Projektarbeit von Versorgern, kommunalen Entscheidern, Stadtplanern und Ingenieuren. Alle Beteiligten erhalten auf einer gemeinsamen Datenbasis eine Sicht, die ihrem jeweiligen Fachgebiet entspricht. Zweitens erleichtert eine Digital City die Arbeit von Wartungsteams, da Ursache und Position von Störungen visuell dargestellt werden. Drittens können Energieversorger künftig in der virtuellen Stadt individuelle Dienste, wie etwa Smart Metering offerieren und Neukunden werben. Sind etwa künftig Millionen von deutschen Haushalten mit intelligenten Zählern ausgestattet, können, abhängig von Tageszeit oder Standort, wechselnde Tarife angeboten werden. Rollenbasierte Rechte sorgen dafür, dass in der Digital City verschiedene Anwendergruppen selektiv auf bereits reichlich vorhandene Daten zugreifen.

Verschmelzen dreier Welten

Seit den 80er-Jahren investieren Energieversorger in CAD-Systeme. Lage und Eigenschaften der einzelnen Infrastrukturkomponenten wie Nennspannung oder Installationsdatum sind ebenso digital abgebildet wie ihr Zusammenspiel, etwa welche elektrischen Netze mit welchen Transformatoren verbunden sind.
Nach einem ähnlichen Prinzip, aber mit Systemen für Building Information Modeling (BIM) wurden auch die Versorgungsstrukturen einzelner Gebäude in die IT übernommen. Diese Daten sind für Energieversorger ebenfalls von Vorteil, da sie unter anderem Ursachenforschung und Billing erleichtern.
Nicht zuletzt müssen Versorgungsnetze in einen räumlichen Bezug gesetzt werden. Auch hier liegen bereits unzählige Informationen in geografischen Informationssystemen (GIS) vor. Die wesentliche Aufgabe einer Digital City besteht also darin, die ehemals getrennten Welten von CAD, BIM und GIS sinnvoll zu verschmelzen.
Salzburg wird beispielsweise mit der ›Feature Data Object‹-Technologie des IT-Spezialisten Autodesk räumliche und nichträumliche Daten aus Systemen unterschiedlicher Anbieter zusammenführen. Die Stadt startete jüngst mit der Universität Salzburg und Autodesk ein Pilotprojekt, an dessen Ende ein vollständig digitales, simulationsfähiges 3D-Modell mit Vorbildcharakter stehen soll. Das Kompetenzzentrum ›Z‹ der Universität übernimmt dabei »eine wichtige Rolle als Mittler zwischen den einzelnen Fachabteilungen, aber auch zwischen dem Technologieanbieter und der Stadt«, so Leiter Prof. Josef Strobl.
Innerhalb weniger Monate konnte das Zentrum einen Anforderungskatalog erstellen, auf dessen Basis nun die Spezifikationen für einen ersten Prototyp erarbeitet werden. Wohin die Reise der Forschungspartnerschaft konkret gehen wird, darauf will man sich heute noch nicht festlegen. Die Menge und Qualität der bereits vorhandenen Daten überraschte jedenfalls alle Beteiligten und bietet laut Strobl »immenses Potenzial, wenn diese Informationen sinnvoll zusammengebracht werden«. Daneben liegt ein Forschungsschwerpunkt auf den Prozessen, und hier im Speziellen auf den Schnittstellen zwischen den einzelnen Fachabteilungen, die häufig noch durch die Übergabe von Akten repräsentiert sind.

Infos über Netzauslastung

Einen großen, für alle Bereiche gültigen Workflow hält Strobl für unrealistisch. Es werde aber eine Verlängerung von Werteketten über die Digital City angestrebt. Dazu müssen bestimmte Bereiche erstmals digitalisiert und andere auf moderne Software umgestellt werden.
Ein möglicher Nutzen der Digital City liegt im verbesserten Einwohnerservice, beispielsweise durch Informationen über die Netzauslastung. Gleichzeitig schafft die Digital City Salzburg das Fundament für eine Vielzahl von Initiativen der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketing. So könnten externe Unternehmen über ein 3D-Stadtmodell prüfen, ob die Energieversorgung für einen geplanten Produktionsstandort gesichert ist und welche Kosten anfallen würden. <

www.autodesk.com

Ausgabe:
es 1-2/2009
Unternehmen:
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