SEPTEMBER
10.2010


 

Auf der Contracting-Welle


Technik/Energieeffizienz

<STRONG>Sanierung</STRONG> - Auch bei Kommunen wird es immer bekannter: Siegburg etwa holte für sein Schwimmbad einen Contractor an Bord.

Für Anwender liegen die Vorteile von Contracting als Finanzierungs- und Betriebsmodell energietechnischer Anlagen auf der Hand: Modernisierung und Sanierung bei gleichzeitiger Energieeinsparung und Vermeidung von Eigeninvestition.

Die Contracting-Branche kämpft jedoch mit Unsicherheiten bei der Erschließung der Potenziale. Dazu zählen neben rechtlichen Unsicherheiten auch Probleme für Kunden bei Kostenvergleich und Angebotsbewertung. Eine Studie von trend:research hat die zu erwartenden Markt- und Wettbewerbsentwicklungen bis 2018 untersucht.

Danach konnte ein weiterer Anstieg der Bekanntheit von Contracting bei Entscheidungsträgern erreicht werden. Grundvoraussetzung, um überhaupt als Alternative in den Entscheidungsprozess bei Neubau und Ersatzinvestition einbezogen zu werden. Über drei Viertel der Befragten kennen mittlerweile Contracting im Bereich der Energie- und Wasserversorgung oder Entsorgung. Bei der Verbreitung von Contracting-Inhalten besteht allerdings noch Handlungsbedarf, da die tatsächlichen Eigenschaften nicht immer richtig wahrgenommen werden.

Weitere Ergebnisse sind, dass mit einem signifikanten Marktwachstum in allen wichtigen Zielgruppen zu rechnen ist und es zu steigender Wettbewerbsintensität kommt. In den verschiedenen Kundengruppen ist das Wachstum aufgrund unterschiedlicher Ausgangspositionen, Treiber und Hemmnissen jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Die Kommunen und öffentlichen Einrichtungen profitieren derzeit etwa von bundes- und landespolitischen Förderprogrammen sowie Maßnahmen aus dem KonjunkturpaketII.
Auf der Contracting-Welle schwimmt auch der Hamburger Energiedienstleister Urbana, seit Jahren im Geschäft. Er hat gerade in Siegburg bei Bonn für die neu eröffnete Badelandschaft Oktopus mit Indoor-Tauchzentrum und Indoor-Surfanlage ein Energieversorgungskonzept installiert.

Ausgangspunkt war die Sanierung des Frei- und Hallenbades der Stadt. Diese entschied sich 2007 für ein Public-Private-Partnership-Modell, damit sich ihr jährlicher Kostenaufwand für das Frei- und Hallenbad deutlich reduziere. Der Projektentwickler s.a.b. hatte dabei die Auflage, das Schul- und Vereinsschwimmen beizubehalten – zu sozialverträglichen Eintrittspreisen. Doch der neue Badepark punktet nicht nur in sozialer Hinsicht, sondern auch ökologisch.

Wärmekosten reduziert


Das Energieversorgungskonzept in Siegburg basiert auf vier Punkten. In der Umbauphase wurde auf energetische Optimierung geachtet. Zweitens setzten die Contracting-Experten konsequent Wärmerückgewinnungssysteme ein. Zusätzlich erzeugt der Einsatz von regenerativen Energien und Effizienztechnologien die verbleibenden Wärmemengen. Zuletzt kombinierte das Unternehmen das Versorgungskonzept mit einem kontinuierlichen Verbrauchscontrolling.

Zur Deckung des Grundlastbedarfs an Strom und Wärme wird ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 50 kWel und 88 kWth eingesetzt. Die Mittellast deckt ein Biomasse-Festbrennstoffkessel ab, der eine Heizleistung von ungefähr 400 kW liefert.

Für die Spitzenlast und zu Redundanzzwecken ist ein gasbefeuerter Brennwertkessel mit einer Heizleistung von rund 1.000 kW installiert. Den Wärmebedarf im Freibad deckt eine etwa 1.200m2 große solarthermische Anlage ab.

Die Wärmebereitstellung aus fossilen Energien beträgt in Siegburg knapp 15 %. Die regenerativen Energien liefern gut 61 % der Wärme, aus Kraft-Wärme-Kopplung stammen 24 %.
Interessant ist auch der wirtschaftliche Aspekt. Zwar hat das Hamburger Unternehmen insgesamt über 600.000€ in Siegburg investiert. Aber: Die Jahresvollkosten sind im Vergleich zur reinen Brennwertkessel-Versorgung auf der Basis der Energiepreissituation des Sommers 2008 etwa 10 % niedriger. »In keiner anderen zur Debatte stehenden Versorgungsvariante wurden die Gesamtjahreswärmekosten so stark reduziert wie in der, die wir nun anwenden«, sagt Michael Grupczynski, verantwortlicher Regionalleiter von Urbana.

Die Effizienzmaßnahmen werden über ein Finanzierungscontractingmodell mit Ergebnisnachweis realisiert. Zu den Maßnahmen zählen etwa die optimierten raumlufttechnischen Anlagen. Bei dem deutlich größeren Gerätetyp werden die Ventilatoren mit Hocheffizienzmotoren angetrieben. Auch das Wärmerückgewinnungssystem wurde optimiert. Ergebnis der Gesamtoptimierung: Die jährliche Wärmearbeit wird um ungefähr 55 MWh reduziert und die Stromarbeit um ungefähr 64 MWh. <

www.kalo.de
www.trendresearch.de

Ausgabe:
ES 10/2009
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