In Zeiten zunehmender Importabhängigkeit bei fossilen Brennstoffen und damit steigender Primärbrennstoffpreise gewinnen alternative Erzeugungsmöglichkeiten mit regionalen Brennstoffbezügen verstärkt an Bedeutung. Waste-to-energy bietet dabei nicht nur die Möglichkeit der Energieerzeugung, sondern auch der gleichzeitigen Entsorgung von kommunalen, gewerblichen und industriellen Abfällen und Reststoffen. Unter diesem Begriff wird eine Reihe von Prozessen zusammengefasst, in denen Abfall verbrannt, vergast oder bei hoher Temperatur biologisch zersetzt wird.
Das Trend- und Marktforschungsinstitut trend:research hat in der Studie ›Waste-to-energy in Europa bis 2030‹ das Potenzial für Europa analysiert. Danach ist der Stand der thermischen Verwertung von Abfällen noch auf einem sehr unterschiedlichen Niveau. Klarer Spitzenreiter bei der Verbrennung von Abfällen ist Dänemark. In den südeuropäischen Ländern ist die energetische Verwertung von Abfällen noch gar nicht oder nur im geringem Maße etabliert. Auch Irland, Polen, Ungarn, die Slowakei, die Tschechische Republik und Großbritannien nutzen die Verbrennung von Abfällen kaum.

Zuwachs in Osteuropa und GB
Ändern wird sich diese Situation vor allem in Osteuropa und Großbritannien. Die dortige Waste-to-energy-Situation ist aktuell durch einen Neubauboom gekennzeichnet. In Großbritannien befinden sich derzeit zwölf Müllverbrennungsanlagen im Bau, weitere 18 sind geplant. Die Anzahl der bestehenden 23 Anlagen soll in den nächsten 15 Jahren mindestens verdoppelt werden, so die Studie.
Ähnlich hohe Potenziale werden unter anderem in Polen gesehen. Bis 2013 ist der Ausbau der staatlichen Abfallwirtschaftsysteme geplant, darunter der Bau von zwölf Anlagen. Anders im Süden Europas: Obwohl dort immer noch starker Nachholbedarf in der Errichtung von W-t-E-Anlagen herrscht, um die europäischen Richtlinien zu erfüllen, sind hier die Planungen zur Errichtung neuer Anlagen nicht weit fortgeschritten.
Gut zwei Drittel der im Rahmen der Studie befragten Marktteilnehmer geht davon aus, dass auch die zukünftige Gesetzgebung im Entsorgungsmarkt weitere Investitionen sowie einen Ausbau des Marktes hervorruft. In Europa steigt die Energiegewinnung aus Abfällen im Referenzszenario von trend:research stärker an als die Kapazitäten im Waste-to-energy-Markt. Für die Anlagenbetreiber in Staaten mit einem hohen Grad der Verwertung von Abfällen biete unter anderem die Novelle der Abfallrahmenrichtlinie einen weiteren Anreiz, die Energiegewinnung aus der Verbrennung von Abfällen zu steigern, betonen die Studienautoren. Bereits bestehende Anlagen könnten durch Retrofitmaßnahmen den zukünftig angesetzten Grad der Energieauskopplung, die den Verwerterstatus einer Anlage definieren, erreichen.
»Weiter steigende Primärenergiepreise werden die Nutzung von Energie aus Abfall ebenfalls attraktiver machen«, heißt es in der Studie. Die verbesserte Energieeffizienz sowie die verstärkte Vermeidung von Deponierung ergeben eine steigende Energieproduktion. Dies führe bei W-t-E-Anlagen (exklusive Biomasse und Biogas) bis 2020 zu einer Steigerung der gewonnenen Energie um rund 40%. Dieser Prognose liegt eine Steigerung der Anlagenkapazitäten in Tonnen um rund ein Drittel zugrunde.
Die Marktbeobachter sind sich sicher, dass sich die starken Unterschiede in der Verwertungsquote zwischen den nationalen Märkten bis 2020 angleichen werden. Für Betreiber von Verbrennungsanlagen werde die Energieabnahme der Anlage eine immer größere Rolle spielen. Dies habe zur Folge, so die Autoren, dass »der wirtschaftliche Betrieb einer Anlage damit nicht mehr einzig und allein von der Vollauslastung der Anlage mit zu entsorgenden Stoffen abhängig ist«.
Bei weiter sinkenden Preisen für die Verwertung von Abfällen und aufbereiteten Ersatzbrennstoffen (EBS) werde dies in Mitteleuropa für die Wirtschaftlichkeit der Anlagen in naher Zukunft eine Notwendigkeit. »Anlagenbauer sehen große Chancen in den Wachstumsmärkten Osteuropas und Großbritannien, Frankreich und langfristig auch in Südeuropa«, so ein Fazit von trend:research.
Auch die Fisia Babcock Environment will davon profitieren. Ende Februar unterschrieben der Anlagenbauer und die Fortum Baltic Investment SNC den Vertrag zum Bau der ersten Anlage zur thermischen Abfallbehandlung in den baltischen Staaten. FBE wird die Abfallverbrennungsanlage nahe Klaipeda an der litauischen Ostseeküste, nördlich des kurischen Haffs errichten. Für das Jahr 2012 ist die Inbetriebnahme geplant.
Als EPC-Contractor ist FBE sowohl für die Entwicklung und die Konstruktion als auch für die Montage vor Ort, die Inbetriebnahme und den Probebetrieb zuständig. Die einlinige Anlage soll mit einem Mülldurchsatz von 34t/h (272.000t/a) eine thermische Leistung von 85MW erreichen. Ein weiteres Merkmal der Gesamtanlage ist die Auskopplung der Fernwärme. (mn) <
www.trendresearch.de
www.swb-gruppe.de
www.fisia-babcock.com