21. NOVEMBER 2017

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Berater: Versorger brauchen Wärmestrategie 2030


Auf Wärmeversorger kommen Veränderungen zu, die sie in ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen müssen. Um den Unternehmen die nötigen Planungsgrundlagen an die Hand zu geben, haben die Berater bei Roland Berger in der Studie ›Wärmewende in Sicht‹ den aktuellen und künftigen Wärmemarkt sowie die Auswirkungen des Klimaschutzplans 2050 analysiert.
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"Getrieben durch neue Technologien und die Vorgaben des Klimaschutzplans 2050 wird das deutsche Wärmesystem komplett umgebaut: hin zu einer dezentralen Struktur und überwiegend basierend auf erneuerbaren Energiequellen. Zudem werden die Wechselwirkungen mit den anderen Sektoren verstärkt", sagt Torsten Henzelmann, Partner von Roland Berger.


Für Wärmeversorger heißt das, dass sie die technologischen und  strategischen Entwicklungen nicht nur im Wärmesektor selbst, sondern  auch in den anderen Sektoren in ihre Entscheidungen einbeziehen müssen.


Und dies möglichst frühzeitig, sagt Henzelmann: "Ohne eine umfassende Wärmestrategie 2030 drohen Fehlinvestitionen in falsche Technologien, möglicherweise gehen auch ganze Kundensegmente verloren."

Schon spürbar

Bereits heute betroffen sind Energieversorger, die in großen, konventionellen Heizkraftwerken Wärme produzieren und ihre Kunden über ein zentrales Fernwärmenetz beliefern, teilt das Unternehmen weiter mit. "Diese Wärme war anfangs ein Nebenprodukt der Stromerzeugung, später dann eine sichere Erlösquelle, als die Stromgroßhandelspreise sanken", sagt Ingmar Kohl, Partner von Roland Berger.


"Mit dem weiteren Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken sinken die Preise aber noch weiter und werden zunehmend volatiler. Deshalb laufen ältere, unflexible Anlagen immer öfter im "Wärme-Must-Run", das heißt, sie müssen Wärme produzieren, verlieren aber auf der Stromseite Geld."

Wegfallende Wärmequellen

"Mit dem langfristig angelegten Klimaschutzplan 2050 versucht die Bundesregierung, den Systemwandel in geordnete Bahnen zu lenken und größere Umbrüche zu vermeiden", sagt  Kohl.


"Trotzdem kann es zu disruptiven Veränderungen im Wärmemarkt kommen, zum Beispiel wenn große Kohle-Heizkraftwerke wegen mangelnder Rentabilität auf der Stromseite stillgelegt werden und damit schlagartig als zentrale Wärmequellen wegfallen."


Die zunehmende Flexibilität im Energiesystem wirkt sich auch auf den Strommarkt aus, so Roland Berger: Je besser Wind- und Solarstrom durch Sektorkopplung, netztechnische Maßnahmen und Lastmanagement integriert werden und je mehr Stromspeicher zukünftig installiert werden, desto geringer werden Preisniveau und -fluktuation an der Strombörse.


Genau das werde aber zum Problem für die neuen, auf Flexibilität ausgelegten Gas-Kraftwärmekopplungsanlagen, die aktuell in Planung oder bereits im Bau sind. "Kommen zu einem Strommarkt, von dem kaum noch Signale ausgehen, noch weitere Emissionsabgaben dazu, macht eine zentrale, konventionelle Wärmeversorgung wirtschaftlich keinen Sinn mehr", fasst Kohl zusammen.

Gesamtbild im Blick behalten

Die Roland Berger-Experten sehen daher Versorger und Netzbetreiber vor allem in der Pflicht, mit der hohen Komplexität der Energiesysteme umgehen zu lernen. Außerdem sei es dann nicht mehr sinnvoll, Strom-, Gas- und Wärmenetze weiter parallel auszubauen, sagt Henzelmann.


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Datum:
19.05.2017
Unternehmen:
Bilder:
Bild: Karl-Heinz Laube/pixelio.de

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