18. NOVEMBER 2017

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Stadtteil wird zum Selbstversorger


Kommunen setzen zunehmend auf Quartierskonzepte, um die Energiewende zu gestalten. Auf Quartiersebene können sie komplexe Versorgungsansätze realisieren, sind aber zugleich nah an Bewohnern und anderen Akteuren.

Im Gegensatz zum Bund haben Kommunen wenig Spielraum für eine eigenständige Energiepolitik. Auf kleinster Ebene wird der energetische Umbau mit überschaubaren Mitteln steuerbar, zum Beispiel als integratives Projekt für einen Stadtteil.

Denn das Quartier hat die ideale Raumgröße für praktikable Energiekonzepte: Die Quartiersebene ist groß genug, um auch komplexe Versorgungsansätze zu realisieren. Gleichzeitig ist sie klein genug, um Bewohner und andere Akteure mit einzubinden.

Wie die Umsetzung aussehen kann, zeigt nach Angaben der Umwelt- und EnergieAgentur des Landkreises Karlsruhe (UEA) die Stadt Ettlingen. Das Quartiersprojekt entstand gemeinsam mit dem Leipziger Dienstleister Tilia GmbH.
 
Die Zielsetzung
Das Ettlingener Musikerviertel besteht aus 268 Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie drei großen Schulzentren – Realschule, Gymnasium und Berufsbildungszentrum. 70 Prozent der Wohngebäude bezogen bisher Gas von externen Anbietern, ebenso die Schulzentren. Das sollte sich ändern.

»Vorrangiges Ziel in Ettlingen war es, die Energiekosten der Bewohner im Gebiet deutlich zu senken«, berichtet Birgit Schwegle, Geschäftsführerin der UEA. »Indem beispielsweise durch Dämmung Energie gespart und regenerative Energie im Viertel produziert und verbraucht wird, sollte außerdem die Umweltbilanz verbessert werden.«

Zwei-Stufen-Projekt
Die Umsetzung des Konzeptes erfolgte in zwei Schritten: In der ersten Phase wurde im Zuge einer Komplettsanierung des Beruflichen Bildungszentrums das Gebäude für die Nutzung erneuerbarer Energien umgebaut.

Die Realschule des Viertels erhielt einen Pelletkessel mit circa 1 MW Leistung. Die Kombination verschiedener Technologien sichert die ganzjährige Energieversorgung des Quartiers, heißt es.

In der zweiten Phase soll der Abnehmerkreis der produzierten Energie durch 40 neue Wohneinheiten sowie einen Kindergarten erweitert werden.

Gleichzeitig erstellen die Ettlingener Stadtwerke als Betreiber der Anlagen individuelle Angebote für bestehende Gebäude im Quartier, die bis dato noch nicht an die regenerative Energieversorgung angeschlossen sind.

Eine erste Bilanz
Heute baut das Ettlingener Musikerviertel auf eine langfristig günstige und ökologische Wärmeversorgung mittels Solarthermie, Holzpelletanlage, ein mit Biomethan betriebenes Blockheizkraftwerk, Spitzenlastkessel und Wärmespeicher.

Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bei 97 Prozent, und das Quartier verbraucht 1.831 Tonnen weniger CO2 pro Jahr, so die Mitteilung.

Finanzierungslösung
Laut Mitteilung kamen ungefähr 80 Prozent der Investitionen aus Fördermitteln, der Rest wurde durch weitere Umsetzungspartner finanziert. Damit entstehen der Kommune bei dieser Quartierslösung keine Kosten.

Wichtige Themen wie etwa Elektromobilität, Kommunikationsinfrastruktur oder die Nutzung von Ressourcen wie Abwärme ließen sich zudem erst auf einer Quartierebene umsetzen.

Für Birgit Schwegle ist klar: »Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich in den Kommunen.«

Datum:
12.09.2017
Bilder:
Foto: Stadt Ettlingen
Foto: Stadt Ettlingen

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