18. DEZEMBER 2017

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Umweltschutz versus Ökonomie?


Ein Forscherteam vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) untersuchte in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt, wie sich Klimaschutzmaßnahmen auf Unternehmen auswirken. Welchen Einfluss haben diese auf deren Wettbewerbsfähigkeit?

Es gebe zwei einander widersprechende Hypothesen, so Michael Peneder vom WIFO in der Mitteilung vom FWF. “Die eine ist, dass die Umstellung auf grüne Energie der Wettbewerbsfähigkeit schadet, weil sie zusätzliche Kosten verursacht. Eine andere These, bekannt unter dem Namen Porter-Hypothese, besagt, dass Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil haben, wenn sie frühzeitig und schneller als die anderen strengeren Regulierungen und strengere Umweltgesetze einführen.”


Sein Team versuchte, den Wahrheitsgehalt dieser beiden gegensätzlichen Szenarien genauer zu beleuchten.


Es befragte über 4.600 Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz zu den Auswirkungen von Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz sowie zur Einsparung von CO2.


Basierend auf diesen Daten wurde ein Modell erstellt: “Wir haben ein System aus mehreren Gleichungen aufgesetzt, mit dem wir versucht haben, Ursache-Wirkungs-Beziehungen abzubilden und diese möglichst eindeutig zu identifizieren.”

Keine Beeinträchtigung

Kernergebnis sei, dass es primär den ökologischen Erfolg gibt: Die Energieeffizienz der Unternehmen wurde erhöht. “Gleichzeitig wurde die Wettbewerbsfähigkeit nicht messbar beeinträchtigt. Das heißt, entgegen diesen beiden Hypothesen ist der Effekt in Summe neutral.”


Für dieses Ergebnis hat der Wissenschaftler mehrere Erklärungen: “Im Gros der Unternehmen haben die Energiekosten zwar einen substanziellen, aber keinen so großen Anteil an den Kosten.” Zudem seien Mehrkosten durch umweltpolitische Maßnahmen, etwa eine Erhöhung des Strompreises, für die im Wettbewerb stehenden Unternehmen zum Teil identisch.


“Viele Branchen, etwa im Dienstleistungssektor, sind lokal tätig. Da trifft etwa ein Anstieg der Strompreise alle gleichermaßen, es gibt also keinen Wettbewerbsnachteil.”


Und nicht zuletzt bringe Energieeffizienz langfristig Ersparnisse: “Gibt es etwa einen Kostenschub durch Gebäudesanierungen, so gleicht sich dieser Effekt teilweise durch geringere Energieaufwendungen aus”, erklärt Peneder.

Anders für einzelne Branchen

Der Forscher betont, dass es sich um ein Ergebnis handelt, das viele unterschiedliche Branchen im Gesamten betrachtet. Für einzelne Wirtschaftszweige könne es durchaus Nachteile im Wettbewerb geben.


“Kritisch ist es bei sehr energieintensiven Branchen, etwa bei der Stahlindustrie, oder eben auch im Transportsektor, und überall dort, wo diese noch dazu stark im internationalen Wettbewerb stehen.”


Hier gebe es auch in bisherigen Regularien Ausnahme-Maßnahmen. “Gleichzeitig hat man den Effekt, dass Unternehmen - etwa die Voest Alpine - an Standorten wie Österreich, wo die Umweltstandards hoch sind, zu den Vorreitern gehören, was die Energieeffizienz betrifft. Die Zusatzkosten, die bei der Entwicklung innovativer Methoden und Verfahren entstehen, werden hier durch öffentliche Förderungen abgefedert, um einen gewissen Ausgleich zu schaffen”, so der Forscher.


Bei dem Projekt handelte sich um eine länderübergreifende Kooperation; Peneder leitete den österreichischen Teil. Die Ergebnisse wurden in mehreren Fachjournalen veröffentlicht, teilt der FWF mit.

Datum:
05.12.2017
Unternehmen:
Bilder:
Bild: Composing: Gerd Altmann / pixelio.de ; Kurt F. Domnik/pixelio.de

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