17. JANUAR 2018

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Für mehr Gleichgewicht


Seit Jahren wird über eine Reform der Stromnetzentgelte diskutiert. Auf technischer Seite arbeiten andererseits Netzbetreiber an Lösungen, die Stabilität der Netze trotz hoher Anteile an Erneuerbar-Strom aufrecht zu erhalten. Ein Beispiel aus dem Osten der Bundesrepublik.

So haben die 110-Kilovolt-Netz-Betreiber im Osten der Bundesrepublik Deutschlands und 50Hertz in einem Bericht Lösungen und Vorschläge für die vier Systemdienstleistungen Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Betriebsführung und Versorgungswiederaufbau vorgestellt.

Zusammenarbeit wichtig

Gemeinsames Ziel ist es, die neuen Anforderungen an die Führung der Netze zu meistern und zu trainieren, Informationen effizient zu teilen, die Chancen der Digitalisierung bestmöglich zu nutzen und gemeinsam Prognosen zu verbessern, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Verteilnetzbetreiber der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz.


Sie nennen ein Beispiel: Um das elektrische System sicher zu betreiben, müssen Verbrauch und Einspeisung jederzeit im Gleichgewicht sein. Dieses Gleichgewicht muss auch in Zukunft gemeinsam sichergestellt werden, wenn immer weniger große Kraftwerke dafür zur Verfügung stehen. Weht zum Beispiel der Wind weniger stark als angenommen, folgt daraus eine geringere Stromeinspeisung als geplant. Diese Abweichung muss mit Ausgleichsenergie kompensiert werden, ansonsten drohen Stromausfälle.


Die vier Systemdienstleistungen Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Betriebsführung und Versorgungswiederaufbau sind erforderlich, um das elektrische System sicher betreiben zu können, so die Netzbetreiber. Heute würden wesentliche Beiträge dazu noch überwiegend von konventionellen Kraftwerken erbracht. Die Energiewende führt zu einem Wandel in der Erzeugerstruktur und im Netzbetrieb.

Aktive Blindleistungssteuerung

Aktuell arbeiten die Netzbetreiber an verschiedenen Projekten. So finden erste Pilottests für Lösungsansätze zu den Systemdienstleistungen Frequenzhaltung und Spannungshaltung statt. Hierzu haben die Verteilnetzbetreiber unter anderem eine aktive Blindleistungssteuerung von Erzeugungsanlagen eingeführt.


Gerade das entwickelte aktive Blindleistungsmanagement stellt neue Anforderungen an die Netzführung und setzt eine intensive Abstimmung zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern voraus, teilen die Unternehmen weiter mit. So wurde auch ein Schulungskonzept erarbeitet, um entsprechende Fachkenntnisse zu vermitteln und notwendige Handlungsabläufe aufzuzeigen. 


Perspektivisch wird die dezentrale Erzeugung weiter zunehmen und der Verbrauch wird sich durch die Elektromobilität und andere neue Anwendungen stark verändern. Dies stelle neue Anforderungen an die Netzbetreiber, so die Unternehmen. Es würden mehr Messwerte benötigt, als derzeit vorliegen, um Prognosen zu verbessern. 50Hertz und die beteiligten Verteilnetzbetreiber haben sich daher auf eine Struktur verständigt, die seit Mitte 2016 die Weitergabe der Messwerte von den Verteilnetzbetreibern steuert.  


Der jetzt vorgelegte Bericht ist ein Zwischenfazit für das 10-Punkte-Programm zur Weiterentwicklung der Systemdienstleistungen.


Die in der ARGE Ost zusammengeschlossenen Verteilnetzbetreiber Avacon Netz, E.dis Netz, Enso Netz, Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom, Stromnetz Berlin, Stromnetz Hamburg, Netze Magdeburg, TEN Thüringer Energienetze und Wemag Netz sowie der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission (50Hertz) haben sich im September 2014 auf dieses Programm verständigt, um gemeinsam Lösungen für einen stabilen Betrieb der Stromnetze zu entwickeln.


Der komplette Zwischenbericht für das 10-Punkte-Programm ist auf den Websites aller mitwirkenden Verteilnetzbetreiber und hier auf der Website von 50Hertz eingestellt. 

Datum:
12.01.2018
Unternehmen:
Bilder:
Kurt Michel/pixelio.de

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