1 Antwort bitte > Dr. Shawn Qu

Ende der Solarförderung – gut oder schlecht für die Branche?

Ende der Solarförderung – gut oder schlecht für die Branche? - Regelmäßig wurden die Solarförderprogramme in unterschiedlichen Ländern so dramatisch zusammengestrichen, dass viele Branchen-Insider das als ›gegen die Wand fahren‹ bezeichneten. Zuletzt passierte das in Deutschland im ersten Quartal des Jahres – und das mit äußerst kurzfristigen Terminvorstellungen der zuständigen Bundesminister.

01. August 2012

Tatsächlich hatte die Solar-Branche in Deutschland doch sehr viel mehr Zeit, aktuelle Projekte zu den ursprünglich kalkulierten Rahmenbedingungen ans Netz zu bringen. Trotzdem verursachte die verbale Vollbremsung unkalkulierbare Risiken für die Branche – und das ist einem gesunden Wirtschaftsklima ebenso wenig förderlich wie das andere Extrem einer überzogenen Subventionspolitik.

Solarförderung ist ein Instrument der Anschubfinanzierung und Marktentwicklung. Ihre Verringerung und ihr voraussehbares Ende waren von vornherein Bestandteil des Instruments. Das hatte unsere Branche bei den selbst gesteckten technischen und wirtschaftlichen Zielen auch immer im Blick.

Konsolidierungsphasen, aus denen gestärkt und zukunftsfähig herauskommt, wer diese Ziele auch tatsächlich erreicht hat, gehören dazu. Doch sollten diese nicht durch politisch motivierte Vollbremsungen unnötig verschärft werden. Zu viele inzwischen gewachsene und tragfähige Arbeitsplätze – beispielsweise bei den Solarteuren – stehen auf dem Spiel.

Inzwischen hat Berlin einen verlässlichen Pfad für die kontinuierliche Reduktion der Solarförderung präsentiert, der bei 52GW installierter Leistung das Ende vorsieht. Die Branche begrüßt das, denn Deutschland wird damit weiterhin seiner Rolle als Solar-Leitmarkt gerecht. In anderen Märkten eröffnet sich zudem Entwicklungspotenzial – etwa in Osteuropa oder in den USA. Und technologisch passiert Vielversprechendes. So erreicht Canadian Solar mit seinen monokristallinen ELPS-Zellen mittlerweile einen Wirkungsgrad von 21,1 Prozent.

Bleibt noch die Herausforderung der bedarfsorientierten Stromproduktion. Hier testen wir aktuell im japanischen Markt haushaltsgerechte Solaranlagen mit Batteriespeicher, die Stromproduktion und -nutzung entkoppeln, ohne dass dies zu Netzbelastungen führt. Das zeigt, dass die Solarbranche das Potenzial hat, auch weiterhin eine zentrale Rolle in der Energiewende zu übernehmen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012