1 Antwort bitte > Michael Salcher

Was lässt sich aus dem Scheitern von Desertec lernen?

Desertec sollte uns klimafreundlichen Strom aus der Wüste bringen. Nach nur fünf Jahren ist die Luft raus aus dem Großprojekt.

25. November 2014

Die Gesellschaft in bisheriger Form wird nicht weitergeführt. Von den ursprünglich rund 20 Gesellschaftern wollen nur drei weitermachen – und das in deutlich kleinerem Umfang als anfangs geplant.

Da wir aber eine Lösung brauchen, um klimaschonend Strom zu erzeugen, sollten wir aus Desertec für zukünftige Projekte lernen: Es reicht nicht, ein paar potente und namhafte Unternehmen zu versammeln, um ein staatenübergreifendes Infrastrukturprojekt über einen Zeitraum von über 40 Jahren zu entwickeln.

Sicherlich brachten die beteiligten Unternehmen im Fall von Desertec auch eine Portion Idealismus mit, langfristig wären sie aber nur aktiv geblieben, wenn sich auch wirtschaftliche Vorteile ergeben hätten. Umso mehr fehlte bei Desertec der Impuls von oben: Wenn ein Vorhaben von dieser Größenordnung erfolgreich sein will, ist die Einbindung der Politik unerlässlich. Nur zusammen mit den Regierungen der involvierten Länder kann so ein Großprojekt gelingen.

Und selbst dann bleibt die Umsetzung eine Herausforderung für alle Beteiligten: Denn Regierungen wechseln, wirtschaftliche Interessen verändern sich. Das ist bei solch langfristig angelegten Projekten unvermeidbar.

Zudem ist der Umfang des Projektes entscheidend: Für ein Pilotprojekt hatten sich Politik und Wirtschaft mit Desertec zu hohe Ziele gesteckt. Es war zu groß, zu unüberschaubar. Kleinere Projekte mit kürzeren Laufzeiten und weniger Beteiligten lassen sich vermutlich leichter realisieren.

Die heutige EU mit ihren 28 Mitgliedsstaaten wurde auch nicht auf einen Schlag aus der Taufe gehoben: Sechs Länder machten den Anfang mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Vor Kurzem wurde in der EU die Idee einer europäischen Energieunion diskutiert.

Anlass war die Sorge um die Stabilität der Erdgaslieferungen aus Russland. Bis die Europäer in puncto Energiepolitik tatsächlich eine Union bilden, wird es zwar noch ein langer Weg sein. Der Zeitpunkt, um Ideen auszuloten und Projekte anzuschieben, ist jedoch längst überfällig.

Erschienen in Ausgabe: 10/2014