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3 Fragen an Jens Roseneck

01. Februar 2019
3 Fragen an Jens Roseneck
Jens Roseneck, Vice President Energy DACH Schneider Electric (Bild: Schneider Electric)

Smart City konkret: Was ist aus Ihrer Sicht ein gutes Beispiel für eine gelungene Smart-City-Anwendung?

Smart Citys basieren immer auf sehr diversen Ausgangssituationen und erfordern individuelle Lösungsansätze. Der Euref-Campus in Berlin beispielsweise ist ein ehemaliges Betriebsgelände der Gasag mit Gasometer, das lange Zeit als industrielle Brache in bester Citylage die Stadtentwicklung blockierte, 2008 von einem Privatinvestor zu einem energieintelligenten Areal ausgebaut wurde und bereits 2014 die Energieziele von 2050 der Bundesregierung erfüllt. Sämtliche Gebäude auf dem 5,5 ha großen Gelände sowie alle Elektrofahrzeuge werden mit Strom, Wärme und Kälte aus regenerativen Energien versorgt. Gesteuert werden diese Energieströme mittels intelligenter Sensoren und Komponenten über ein von Schneider digitalisiertes Smart Grid. Unsere IoT-fähige Ecostruxure-Architektur bildet das digitale Rückgrat des Energiemanagements auf dem Campus.

Wie kann eine deutsche Kommune das Ausrollen von Smart-City-Technologien im Stadtgebiet forcieren?

Die technischen Lösungen und der politische Wille sind vorhanden. Kommunen müssen nun ihr Ziel einer emissionsfreien Energieversorgung im Fokus haben und mit allen Akteuren einen gangbaren Weg dorthin festlegen. Dies erfordert meist einen Paradigmenwechsel. Denn wo in den vergangenen Jahrzehnten beispielsweise die Wasser- und Stromwerke getrennt operiert haben und es zudem eine eigenständige Verkehrsgesellschaft gab, müssen künftig alle Sektoren gekoppelt werden. Das geht einher mit der Verschiebung von Zuständigkeiten, langfristige Lieferverträge müssen auf den Prüfstand und es wird für einige Marktteilnehmer eine fast disruptive Veränderung bedeuten, während diese digitale Transformation andererseits auch neue Geschäftsmodelle und Chancen generiert.

Die Innovationszyklen moderner Technologie sind heute deutlich kürzer als früher. Wie stellen Sie sicher, dass Technik im Bestand möglichst lange genutzt werden kann?

Unsere interoperable, IoT-fähige Ecostruxure-Architektur, in der unsere vernetzten Produkte, Steuer- und Kontrollsysteme sowie Analyse- und Servicetools miteinander kommunizieren, basiert auf offenen Standards wie OPC UA und Ethernet. Die Integration unserer Komponenten und Softwarelösungen ist so schon heute in über Jahrzehnte gewachsenen Maschinenparks oder Gebäudekomplexen problemlos möglich. Diese Verpflichtung zu offenen Standards ist Grundlage unserer Produkt- und Lösungsinnovationen und wir forcieren deren Weiterentwicklung durch aktive Mitarbeit in Organisationen, Gremien oder Arbeitsgruppen wie Open District Hub, OPC-Foundation, KNX-Association oder e-Cl@ss.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019