Ärmel hoch und anpacken

Die neue Location war nicht ohne Grund symbolisch gewählt. Unter dem Motto „Change“ stand der diesjährige BDEW-Kongress ganz im Zeichen des Wandels, dem sich die Branche im Zuge der Digitalisierung und Systemintegration der erneuerbaren Energien gegenübersieht.

09. Juni 2016

Und weil jede Veränderung auch eines gelegentlichen Perspektivwechsels bedarf, ging es 2016 heraus aus der Komfortzone der Hochflor-Teppiche des Interconti und erstmals hinein in den geschäftigen Maschinenraum der Energiewende – die Station-Berlin, einen denkmalgeschützten Postbahnhof am historischen Gleisdreieck. 

Als Drehscheibe und Knotenpunkt für innovative Ideen bot die außergewöhnliche Event Location an beiden Konferenztagen kreativen Raum für angeregte Fach- und Strategiediskussionen.

Was die Organisatoren mit dem neuen Veranstaltungskonzept auf die Beine stellten, konnte sich durchaus sehen lassen.

 

Ein gelungener Auftakt auch für den neuen Vorsitzenden der Hauptgeschäftsführung des BDEW Stefan Kapferer, der gleich zu Beginn der Tagung einen besonderen Aufbruchgeist heraufbeschwor und die gut 1.400 Teilnehmer aufforderte, „die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken“, um das größte nationale und zugleich auch europäische Gesellschaftsprojekt aller Zeiten zum Erfolg zu führen. 

 

Digitalisierung und Energiewende sind in ihrer Dynamik und Komplexität eng miteinander verwoben und erfordern gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Politik.

 

Innovationskraft, Flexibilität und unternehmerisches Handeln werden dafür die Währung der Zukunft sein.

 

Ein starker Branchenverband wie der BDEW kann auf der 'Suche nach dem Betriebssystem für die Wirtschaft und Energieversorgung 4.0' als Motor und Multiplikator fungieren.

 

Mit seiner erst Ende Mai veröffentlichten Agenda für Unternehmen und Politik 'Die digitale Energiewirtschaft' gibt der BDEW erste konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung neuer Geschäftsmodelle und Qualifizierungsmöglichkeiten.

Wie schwer sich dieser Transformationsprozess in der Praxis gestaltet und gestalten wird, zeigten nicht zuletzt auch die Diskussionsbeiträge der hochkarätigen Referenten.

 

Vielleicht nicht ganz zufällig fiel der erste Konferenztag mit der lange erwarteten Billigung der EEG-Novelle durch das Bundeskabinett zusammen und so verwies die Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Key Note vor allem auf die neue Qualität des Gesetzes.

 

 Es sei ein „Paradigmenwechsel hin zu wettbewerblich generierten Fördersätzen und festen Ausschreibungsmengen“.

 

Alle Kassandrarufe in der Vergangenheit haben sich als „absolut falsch“ erwiesen, immer war der Zubau der erneuerbaren Energien als stärkster Säule der Energiewende größer als vorausgesagt.

 

Das werde sich auch nicht mit dem neuen EEG, mehr Wettbewerb und weniger staatlicher Regulierung ändern.

 

Zugleich komme es bei einem anderen Marktthema – dem anstehenden Smart-Meter-Rollout – darauf an, anstelle der immerwährenden Konzentration auf mögliche Risiken eine echte Chancendiskussion zu führen.

 

Bei allen Veränderungen müsse sich die Energiebranche aber auch zukünftig auf neue Belastungen einstellen: „Wir werden Ihnen weiter Wandel zumuten. Daran geht kein Weg vorbei“, so Merkel.

Dr. Anke Schäfer