Akkubatterien im virtuellen Netz

Digitales

Regelleistung - Vorigen Herbst stellten zwei Dienstleister ein Angebot für Netzstabilität durch Solar-Kleinspeicher vor. Wie funktioniert das System?

27. Februar 2018

Mit dem EEG 2017 ebnete der Gesetzgeber den Weg für die wirtschaftliche Nutzung innovativer Energiespeichertechnologien. Dazu gehören neben großen Batteriespeicherkraftwerken und Zwischenspeicherlösungen für fluktuierende Erzeugungstechnologien auch Schwarmspeicherlösungen.

»Zwar ist die Leistung eines Kleinspeichers gering, in der Addition wird diese jedoch für das Energiesystem interessant und wichtig«, so der Schweizer Steuerungsspezialist Ampard und E2m in einer gemeinsamen Mitteilung.

Mit dem Energie-Management-System der Firma aus Zürich erhöhen Betreiber von Solaranlagen in Kombination mit einem Speicher ihren Eigenverbrauchsanteil am selbst produzierten Strom und senken Strombezugskosten.

Virtuelles Kraftwerk

Über die integrierte Kommunikationsschnittstelle ist jeder Solar-Kleinspeicher mit dem spezialisierten virtuellen Kraftwerk von Ampard verbunden und bildet einen Bestandteil eines intelligenten und zugleich steuerbaren Schwarms und ist Teil eines Speicherpools. Parallel zum Einsatz für den Eigenverbrauch – und für den Betreiber daher nahezu unbemerkt – können die im Schwarm aggregierten Kleinspeicher wahlweise zur Stabilisierung des Verteil- oder des Übertragungsnetzes genutzt werden. Aktuell steht hierbei die Bereitstellung von Primärregelleistung (PRL) im Mittelpunkt, welche über das virtuelle Kraftwerk bei E2m vermarktet wird.

»Bereits im Vorfeld der Präqualifikation hat Ampard mit Vertriebspartnern in Deutschland um die hundert Speicher mit einem Energie-Management-System ausgerüstet«, so das Unternehmen.

Diese werden momentan auf Wunsch auf das neue Messkonzept für Regelleistungserbringung umgerüstet, heißt es.

Das Energie-Management-System ist auf Eigenheimbesitzer zugeschnitten. Aber auch einige Kleinunternehmen nutzen es bereits, so Ampard.

In der Schweiz biete das Unternehmen nach eigenen Angaben zur Zeit knapp ein halbes Megawatt aus Kleinspeichern erzeugte Regelleistung am Regelleistungsmarkt an.

Pool aus Kleinspeichern

Als erstes Unternehmen in Europa startete Ampard nach eigenen Angaben in der Schweiz 2015 die Vermarktung von PRL mit einem Schwarm von Kleinspeichern. Die Zusammenarbeit mit E2m öffnete diese Möglichkeit nun auch für den deutschen Markt.

Das Zürcher Unternehmen entwickelt verschiedene zukünftige Interaktionsmöglichkeiten mit dem Energiemarkt und den Netzen. Es können genauso die flexiblen Lasten in Form von Wärmepumpe oder Ladestation für Elektroautos im Markt angeboten werden und zur Stabilisierung der Netze beitragen.

»Grundprinzip ist, dass Eigenverbrauch und Regelleistungserbringung problemlos parallel erfolgen. Die Absicherung des Stromnetzes mittels Regelleistung – im sehr selten eintreffenden Ernstfall während mehreren Minuten – bedeutet, dass ein kleiner Teil des Speichers stets als Reserve vorgehalten werden muss«, so Ampard. Durch intelligente Algorithmen vor Ort wie auch auf Poolebene kann die Software die Auswirkungen dieser Vorhaltung auf ein Minimum reduzieren, heißt es.

Der Ertrag durch Regelleistung überkompensiert nach Unternehmensangaben die minimale Einschränkung der nutzbaren Speicherkapazität bei Weitem. hd

Checkliste: Wie funktioniert ein typischer Abruf von Leistung aus dem Verbund?

1. Gemäß den Vorgaben des Übertragungsnetzbetreibers.

2. Regelleistung wird anhand der lokal gemessenen Netzfrequenz bestimmt. Ein Speicherverbund muss die Leistungserbringung bis auf den einzelnen Speicher nachweisen können.

3. Das virtuelle Kraftwerk von Ampard steuert Prozesse, wodurch die dem einzelnen Speicher zugewiesene Regelleistung gemäss Optimierungszielen verschoben werden kann.

4. Das virtuelle Speicherkraftwerk ist in das E2m-Leitsystem integriert. hd

Erschienen in Ausgabe: 02/2018