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Österreich Bei der Forschungsquote liegt die Alpenrepublik von allen 27 EU-Staaten bereits auf Platz 5. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Umwelt- und Klimaschutz. Das Land lockt hier nicht nur mit einem attraktiven Steuer- und Fördersystem, sondern gilt auch als Brücke nach (Süd-)Osteuropa.

09. Februar 2009

»Österreich ist in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Standort für technologieorientierte Unternehmen geworden«, sagt Bernhard Bachleitner, Direktor bei der ABA-Invest in Austria und Experte für Umwelttechnik. Seit 2000 sind die F&E-Ausgaben in der Alpenrepublik um 70% auf 6,8Mrd.€ gestiegen. Trotzdem zeigt eine Studie unter 120 Unternehmen in Deutschland, Italien, den USA und Japan ein anderes Bild der internationalen Wahrnehmung Österreichs. Dies hänge, so Bachleitner, der Realität des innovativen Standorts hinterher. Nur 56% der befragten Manager hätten konkrete Vorstellungen der F&E-Leistung Österreichs.

Die im Frühjahr 2008 gestartete Initi-ative ›Forschungsplatz Österreich‹ soll dieses Image korrigieren. Ein wichtiger Schwerpunkt macht der Klima- und Umweltschutz aus. Die alpenländische Öko-Industrie erwirtschaftet rund 10,5Mrd.€ jährlich und gibt etwa 75.000 Menschen Arbeit. Der gesamte Bereich Umwelttechnik wächst jährlich um nahezu 8%. »Das sind zwei Prozent mehr als der Weltdurchschnitt«, sagt Bachleitner. Die Branche profitiert dabei von staatlicher Unterstützung. In den vergangenen beiden Jahren lag der Bedarf der F&E-Projekte im Energie- und Umweltsektor bei 80 bis 95 Mio.€. Innovative Betriebe erhalten zudem einen Forschungsfreibetrag von 25 bis 35%, unterliegen nur 25% Unternehmensbesteuerung, und aufgrund des deutsch-österreichischen Doppelbesteuerungsabkommens gibt es erhebliche Steuervorteile bei der Einkommensteuer für Unternehmen, die sich internationalisieren.

Unterstützend wirkt das Ökostromgesetz, das 2008 novelliert wurde. Im Gegensatz zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland sind dort nicht nur die Einspeisetarife geregelt, sondern es gibt auch Investitionszuschüsse von knapp 200Mio.€ für die Jahre 2008 bis 2014.

Mit der Novelle soll der Ökostromanteil in Österreich auf 15% bis 2015 verdoppelt werden. Für alle Ökostromtechnologien wurden neue Einspeisetarife festgelegt, wobei die Fördersumme jährlich steigt. Auch die Laufzeiten der Unterstützung sind jetzt großzügiger: Rohstoffgebundene Technologien (Biogas oder Biomasse) erhalten eine Förderung von 15 Jahren (bisher 11,5), bei anderen steigt sie auf 13 Jahre.

Nach Ablauf der garantierten Tarifdauer gibt es künftig für alle Ökostromtechnologien eine unbefristete Abnahme zum Marktpreis. Bereits in diesem Jahr sollen die Tarife neu bewertet werden.

Darüber hinaus stehen für Unternehmen Fördermaßnahmen über den Klima- und Energiefonds bereit. Dieser ist mit 150Mio.€ pro Jahr ausgestattet. Darunter fällt auch der Forschungs- und Technologieprogramm ›Neue Energien 2020‹. Die erste Ausschreibung konzentrierte sich auf sieben Themenfelder: Neben ›Energiesysteme und Netze‹ oder ›Fortgeschrittene biogene Brennstoffproduktion‹ liegt einer der Schwerpunkte auf ›Fortgeschrittenen Speicher- und Umwandlungstechnologien‹.

Mittlerweile ist eine zweite Ausschreibung vorgesehen. Budgetiert sind dafür 29Mio.€. Im Mittelpunkt stehen hier die drei Bereiche Green IT, Energie- und Modellregionen sowie Elektromobilität. Der Programmschwerpunkt ›Klima- und Energiemodellregionen‹ hat laut Ausschreibungstext die Entwicklung von Konzepten für Regionen zum Ziel, die »nachhaltige Lösungen in den Fragen der Energieversorgung und der Mobilität« anstreben.

Europaweite Beachtung findet hier das Musterprojekt der energieautarken Stadt Güssing im Burgenland. Bereits 1989 entschied man sich dort dafür sukzessiv aus der fossilen Energieversorgung auszusteigen und setzte schrittweise komplett auf regional verfügbare Energiequellen. Bernhard Bachleitner sieht in den Fördergeldern im Sinne der EU-Förderpolitik keine Dauerinstrumente zur Betriebsansiedlung. Wirkungsvoller seien Anreize über Steuermodelle, speziell im bilateralen Wirtschaftsverhältnis zwischen Deutschland und Österreich: »Der Service der ABA bietet insbesondere deutschen Unternehmen individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Es geht nicht darum, Unternehmen aus Deutschland abzuwerben, sondern Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Internationalisierungsstrategien Richtung Osteuropa kompetent und effizient zu unterstützen.«

Über 21% der österreichischen Exporte gehen schon nach Mittel- und Osteuropa. Verständlich, dass nicht nur der europäische Marktführer thermischer Solarkollektoren GreenOneTec dort vielversprechende Absatzmärkte sieht. Laut Firmenchef Robert Kanduth lassen sich diese Märkte von Österreich aus aufgrund der Brückenkopffunktion und der »traditionell guten Kontakte in die Region ideal bedienen«. Das Unternehmen aus St. Veit in der Nähe von Klagenfurt, das derzeit rund 320 Mitarbeiter beschäftigt, will seine jährliche Produktionskapazität langfristig auf 3Mio.m² Kollektorfläche ausbauen.

Einen Großauftrag in Rumänien konnte kürzlich GE Jenbacher, die Gasmotorensparte von GE Energy, realisieren. Der Energiedienstleister S.C. Vest-Energo S.A. wird vier Module der derzeit stärk-sten Jenbacher Gasmotoren-Baureihe für ein 14-MW-Blockheizkraftwerk (BHKW) in seinem bestehenden Fernheizkraftwerk in Bukarest installieren. Das jüngste Produkt der Baureihe 6 des Tiroler Unternehmens kann sich sehen lassen. Mit einer Leistung von 4MW lässt sich der Strombedarf von etwa 9.000 Haushalten decken. Wichtige Komponenten wie Kurbelwelle und Ventiltrieb wurden an ihre Belastungsgrenze geführt.

Hier gelang es, gemeinsam mit den Partnern des von der Tiroler Zukunftsstiftung geleiteten Clusters Mechatronik Tirol sowie der Montanuniversität Leoben, ein neues Verfahren zur Festigkeitssteigerung zu entwickeln.

Die Bildung von Clustern hat in Österreich Tradition: Mitte der 1990er-Jahre kam es zu ersten Clusterinitiativen. Mittlerweile gibt es rund 50 von ihnen, in denen sich rund 3.500 Unternehmen zusammengeschlossen haben. »Durch die Zusammenarbeit wird auch die Bewältigung der aktuellen Wirtschaftssituation gelassener gesehen als in anderen Unternehmen«, sagt Bachleitner.

Ein weiteres erfolgsversprechendes Modell, das auf Kooperation setzt, ist das der Technopole. Diese technologisch-ökonomischen Zentren werden gezielt um anerkannte Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen aufgebaut. In Wieselburg in Niederösterreich entsteht derzeit ein neues Zentrum mit Forschungsschwerpunkt Bioenergie.Gebaut wird unter anderem ein dreigeschossiges Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 3.000m². Die Investitionskosten betragen rund 4,6Mio.€. Die Schwerpunkte am Standort, wo seit über 30 Jahren Forschung im Bereich Kleinfeuerungen mit Pellets und Biotreibstoffen betrieben wird, sind die Entwicklung neuer Biomasse, neue Verbrennungstechnik im kleinen Leistungsbereich, biogene EnergieträgerundBiotreibstoffe.

Zentrum Bioenergy 2020+

Kürzlich hat das Land Niederösterreich die Unterstützung für das, außerdem vom Bund und den Ländern Burgenland sowie Steiermark geförderte, Kompetenzzentrum Bioenergy 2020+ beschlossen. Insgesamt werden in dieses Projekt bis 2014 über 13Mio.€ investiert.

Laut Bachleitner werden diese Vorteile der größeren Gemeinsamkeit und Kooperation auch immer wieder von ausländischen Unternehmen genutzt, die sich neu in Österreich ansiedeln.

Im Energiesektor spielen bei ihrem Engagement »primär strategische und betriebswirtschaftliche Erwägungen eine Rolle«, so der ABA-Direktor. Diese beabsichtigen, sich zunehmend als europäische Energieversorger zu positionieren, wobei Österreich hier eine wichtige Rolle spiele. Von den großen vier deutschen EVU sind alle – RWE, E.on und EnBW – bis auf Vattenfall vertreten.

Das Konzept der ABA-Invest in Austria, die sich um die Ansiedlung ausländischer Unternehmen in Österreich kümmert, scheint erfolgreich. Im vergangenen Jahr ist die Zahl deutscher Unternehmen, die mit einer eigenen Gesellschaft vertreten sind, gegenüber 2007 um rund 8% auf mehr als 7.600 gestiegen. Und die Aktivitäten gehen weiter: 2008 wurden insgesamt 256 ausländische Unternehmen betreut – ein Höchstwert in der 26-jährigen Unternehmensgeschichte. (mn) <

Erschienen in Ausgabe: 1-2/2009