Aktuelle Informationen für das Management

Netzleittechnik im kommunalen Energieversorgungsunternehmen

Schnelle und fundierte Managemententscheidungen erfordern zeitnahe Informationen über Bezug und Absatz, Netzzustand und Versorgungssituation. Hierfür sind moderne Netzleitsysteme wesentliche Informationsquellen.

03. Dezember 2001

Waren Leitsysteme früher primär Automatisierungsinseln zur Steuerung und Überwachung aller Vorgänge im Netz und zum Optimieren der Prozessabläufe, so ist ihr Aufgabenumfang heute wesentlich weiter gefasst. Sie sind die Informationsdrehscheibe, aus der weitere DV-Systeme für technische und administrative Aufgaben, für Energiemanagement, Vertrieb und Service mit Daten versorgt werden. Zuverlässig und in Realzeit stehen alle Informationen aus dem Netz zur Verfügung, um über Intranet oder direkte Datenleitungen eine unmittelbare Weiterverarbeitung an anderen Stellen im Unternehmen zu ermöglichen.

Die Stadtwerke Rostock AG beispielsweise haben kürzlich ein neues Netzleitsystem RESY-EVU von repas AEG in Betrieb genommen, mit dem in einer ersten Ausbaustufe die Steuerung und Überwachung des Stromnetzes auf den Spannungsebenen 110 kV und 20 kV durchgeführt wird. Jetzt werden zusätzliche Funktionen ergänzt, zum Beispiel eine Kurzschlusssuche mit automatischer Ermittlung des Fehlerortes, Schaltprogramme, Schaltsimulation und Training. Der Informationsumfang des Netzleitsystems wird im Endausbau etwa 25.000 Datenpunkte, also Messwerte und Meldungen aus dem Netzbetrieb, umfassen.

Für dieses neue Leitsystem stellte sich auch in Rostock die Frage nach einer Einbindung in die vorhandene DV-Landschaft, denn für alle verfügbaren und an anderer Stelle zu nutzenden Daten sollten unwirtschaftliche Mehrfacheingaben weitgehend vermieden werden. So waren die existierenden DV-Systeme für die Lastprognose und Querverbundoptimierung, für die Netzberechnung, zur geografischen Informationsverarbeitung (GIS) sowie zur Steuerung und Überwachung der Fernwärme- und Gasversorgung für eine zeitnahe Datenübergabe mit dem neuen Leitsystem zu verbinden.

Auch die kommerzielle und administrative Seite der Stadtwerke soll auf aktuelle Prozessdaten zugreifen können. Dieses wird mittels Datenübertragung über einen Koppelrechner zum Server des Büronetzes realisiert. Schließlich waren prozessseitig vorhandene Systeme der Stationsleittechnik unterschiedlicher Hersteller sowie Verrechnungszähler, aber auch neu gelieferte Datenknoten und Fernwirksysteme einzubinden; zudem war ein Datenaustausch mit dem Leitsystem des angrenzenden Verteilnetzbetreibers, mit e.dis, vorzusehen.

Bei der geschilderten zentralen Bedeutung des Netzleitsystems für den Informationsverkehr ist dessen ständige Verfügbarkeit oberstes Gebot. Daher wurde die Anlage redundant aufgebaut. Alle Prozessanschlüsse sind über zwei Wege zu den gedoppelten, räumlich getrennt aufgestellten Koppelrechnern geführt. Die ebenfalls gedoppelten Leit- und Arbeitsplatzrechner sind miteinander vernetzt und steuern zwei Arbeitsplätze in der durchgängig besetzten Warte an. Weitere Arbeitsplätze für die System- und Datenpflege sowie für Simulations- und Trainingsaufgaben sind separat aufgestellt. Auch über sie kann ein normaler Netzleitbetrieb gefahren werden.

Für die erste Ausbaustufe des Leitsystems lagen zwischen Auftragserteilung und Abnahme nur neun Monate. Dies wurde möglich, weil mit RESY-EVU ein in zahlreichen vergleichbaren Installationen erprobtes, bausteinartiges Systemkonzept zum Einsatz kam. Ein für die zügige Realisierung wesentlicher Aspekt war die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit der am Projekt beteiligten Mitarbeiter der Stadtwerke Rostock und des Systemlieferanten repas AEG in allen Projektphasen. Die komplette betriebliche Nutzung des Systems mit allen Erweiterungen ist für das vierte Quartal 2001 vorgesehen.

Erschienen in Ausgabe: 11/2001