AKW-Rückbau - Reicht das Geld?

Reichen die Rückstellungen der AKW-Betreiber aus, um die tatsächlichen Kosten beim Rückbau der Anlagen abzudecken? Diese Frage ist heftig umstritten. Jetzt haben die Betreiber E.on, RWE, EnBW und Vattenfall eine gemeinsame Erklärung abgegeben.

13. Oktober 2015

Die vier deutschen AKW-Betreiber haben in einer gemeinsamen Erklärung bekräftigt, dass die Rückstellungen für den Rückbau der Atomanlagen ausreichen. Sie berufen sich auf die Resultate einer Untersuchung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums.

Studie des Bundeswirtschaftsministeriums

„Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegebene Gutachten zur Bewertung der bei den Kernkraft-Betreibern bestehenden Entsorgungspflichten hat keinerlei Beanstandung der Bilanzierungspraxis ergeben“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Es akzeptiert damit die seit Jahrzehnten geübte Rückstellungspraxis, die zudem von weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften bestätigt wird. Mit diesen Feststellungen haben Spekulationen über einen etwaigen Bedarf für höhere Rückstellungen in den Bilanzen keine sachliche Grundlage.

Stresstest-Parameter strittig

Über dieses wesentliche Ergebnis hinaus enthält das Gutachten den Angaben zufolge auch Sensitivitäts-Rechnungen, die auf alternativen Stresstest-Parametern basieren. Unter Annahme bestimmter Zins- und Kostenentwicklungen ergeben sich so rechnerisch unterschiedliche Beträge.

„An der anerkannten Bilanzierungspraxis der Unternehmen wird sich dadurch nichts ändern, denn die in derartigen Sensitivitäten zugrunde gelegten Annahmen sind praxisfremd und werden bis heute in keiner Branche angewendet.“

Sie gehen in Extremfällen von dauerhaft sehr niedrigen „Stress“-Zinssätzen aus und setzen gleichzeitig sehr hohe Kosten- bzw. Preissteigerungsraten an. Damit wird bei diesen Stresstest-Sensitivitäten von einem sogar langfristig negativen spezifischen Realzins ausgegangen.

"Bei der Analyse der Sensitivitäts-Rechnungen ist zu berücksichtigen, dass Diskontierungszins und Preissteigerungsrate nach vergleichbarer Methodik hergeleitet und gemeinsam betrachtet werden müssen."

Bilanzierungspraxis

Die Bilanzierungspraxis der deutschen EVU genügt dieser Anforderung, heißt es in der Mitteilung. Der aus Diskontierungszins und Preissteigerungsrate ermittelte spezifische Realzins, der bei den deutschen EVU angesetzt wird, liegt im Schnitt bei 1,0 %.

Dieser konservative Wert berücksichtigt den Grundsatz vorsichtiger kaufmännischer Bilanzierung der Rückstellungen. Das zeigt auch ein internationaler Vergleich, nach dem die Vorsorge für Kernenergieverpflichtungen in Deutschland auf hohem Niveau liegt.

Konstruktive Mitarbeit

In ihrem Eckpunktepapier vom 1. Juli 2015 zur Umsetzung der Energiewende hatte die Regierungskoalition angekündigt, zu prüfen, wie die Anforderungen an Stilllegung, Rückbau, Zwischen- und Endlagerung unter Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der EVU langfristig gesichert werden können.

Die Unternehmen werden sich nach eigenen Angaben konstruktiv in die weitere politische Diskussion einbringen. „Dabei steht außer Frage, dass sie zu ihren heutigen Verpflichtungen aus der Kernenergie stehen.“