Allein unter Männern

Menschen/Karriere

Projektmanagement - Frauen rücken zunehmend in Führungspositionen vor, dies gilt auch für das Projektmanagement. Auftraggeber schätzen die Kommunikationsfähigkeit und Diplomatie von Frauen, aber Sie tun sich schwer, ihre Karten richtig auszuspielen. Trainerin Cornelia Zimmer-Reps schlägt sieben Strategien vor.

27. März 2013

Über Wochen stellten die vierzehn IT-Spezialisten ihre neue Projektmanagerin immer wieder auf die Probe. Kann sie ›ihren Mann‹ stehen und auch einmal kräftig mit der Faust auf den Tisch hauen? Doch die Projektleiterin ließ sich von dem Männerteam nicht provozieren. Statt die Spielchen mitzuspielen, blieb sie ihrem Stil treu und erarbeitete sich geduldig ihr Standing.

Pluspunkte mit Erfolg

Sie bot ihren Mitarbeitern keinen Angriffspunkt, weder bei ihrer Fachkompetenz noch bei der Teamführung. Zu den wöchentlichen Teamsitzungen war sie bestens vorbe-reitet. Ihr Projektplan war gut durchdacht, ihre Entscheidungen und Zusagen blieben verlässlich. Sie ließ ihrem Team keine Lästereien und doppeldeutige Anspielungen durchgehen. Allein unter Männern – ihr erstes Projekt in dem IT-Unternehmen konnte sie erfolgreich abschließen. Frauen rücken zunehmend in Führungspositionen vor, dies gilt auch für das Projektmanagement. Auftraggeber schätzen die Kommunikationsfähigkeit und Diplomatie von Frauen, ihr Fingerspitzengefühl bei Konflikten, ihre Fachkompetenz, Selbstorganisation und ihr umsichtiges Vorgehen. Dies sind gute Voraussetzungen für erfolgreiche Projektleitung.

Weibliche Stärken ausspielen

Aber: Frauen tun sich schwer, ihre Karten richtig auszuspielen – nicht nur in Männerdomänen wie der IT-Branche. »Im typischen Projektmanagement wird zumeist der traditionelle Führungsstil vom Projektleiter erwartet«, hat Cornelia Zimmer-Reps beobachtet. Sie bietet Trainings zum Schwerpunkt Projektmanagement an. Der Boss gibt den Ton an. Er ordnet Aufgaben an und steuert sein Team wie ein Leitwolf sein Rudel. Mit diesem Stil tun sich Frauen schwer. »Konflikte beispielsweise wollen sie ausdiskutieren und damit sorgfältig auflösen«, sagt Cornelia Zimmer-Reps. Auch das diplomatische, kluge Verhandlungsgeschick stößt bei Männern häufig als weiche Tour auf Missbilligung.

Die Fachfrau hat beobachtet: »Frauen in Projekten müssen sich zunächst ihre Position erkämpfen.« Sie werden regelrecht auf die Probe gestellt.

Der schlimmste Fehler beim Start in die Projektleitung: Frauen ordnen sich dem hergebrachten Führungsstil unter. »Dieses Verhalten hat weder Aussicht auf Erfolg, noch lässt es sich auf Dauer durchhalten«, erklärt Cornelia Zimmer-Reps.

Stattdessen sollten Frauen selbstbewusst und beharrlich die weiblichen Stärken ausspielen – und dabei dem Team möglichst keine Angriffspunkte bieten. Die aus Österreich stammende Projekt-Fachfrau empfiehlt ihren Kolleginnen sieben Strategien:

Führungsstile einüben

Frauen führen anders. Empathie, Sensitivität, Diplomatie und Selbstorganisation gehören zu ihren Stärken. Erfolgreiche Projektmanagerinnen nutzen diese Fähigkeiten. Sie entwickeln einen auf Kooperation aufbauenden Führungsstil, der ebenso konstruktiv wie effizient funktioniert. Dennoch können sie notfalls auch traditionell führen und wissen, wie man beispielsweise fruchtlose Diskussionen mit einem Machtwort beendet. Cornelia Zimmer-Reps empfiehlt Projektmanagerinnen, einen breit angelegten Methodenkoffer für die Führung anzulegen – der von einfühlsamen Mitarbeitergesprächen bis hin zum finalen »Basta!« in ausufernden Projektsitzungen reicht.

Selbstmarketing betreiben

Erfolgreichen Projektmanagerinnen eilt ein guter Ruf voraus. Nach dem Prinzip »Tue Gutes und rede darüber« weisen sie auf ihre Erfolge hin. Sie können damit ihre Position in neuen Projekten schneller etablieren. Dieses Selbstmarketing sollten Projektmanagerinnen dezent, aber mit System betreiben. Auf keinen Fall sollten sie ihr Licht aus falscher Bescheidenheit unter den Scheffel stellen und darauf hoffen, dass andere ihre Leistungen würdigen.

Zu diesen Leistungen zählen neben den harten Ergebnissen am Ende des Projekts auch Managementleistungen, etwa gelungene Einigungen nach Konflikten, reibungslose Abläufe bei der Zusammenarbeit im Team und mit Kunden oder methodisch besonders sorgfältige Projektplanung.

Auf den eigenen Auftritt achten

Erfolgreiche Projektmanagerinnen wissen, wie sie mit ihrer Kleidung, ihrer Frisur, ihrer Körpersprache und Ausdrucksweise auf andere wirken. »Kleidung darf heute durchaus eine weibliche Note haben, sollte aber nicht provozierend sein«, erklärt Cornelia Zimmer-Reps. Auch kann überbetonte oder defensiv wirkende Körpersprache den Eindruck von Unsicherheit und mangelnder Stärke wecken. Ähnliches gilt für die Wortwahl. Verbindlich gemeinte Einschränkungen wie: »Ich glaube...«, »Ich meine...«, »Vielleicht könnten wir...« werden häufig als Schwäche ausgelegt. Im Projektmanagement ist ein fester, klar und schnörkellos ausgesprochener Standpunkt gefragt.

Konflikte nicht scheuen

Wer sich vor Konflikten drückt, verliert schnell sein Standing. Nichts vergiftet mehr die Arbeitsatmosphäre in Projekten als schwelende Auseinandersetzungen; sie schmälern schnell die Produktivität. Erfahrene Projektmanagerinnen folgen ihrem Bauchgefühl und erkennen früh aufkommende Streitigkeiten im Team. Sie gehen den Ursachen auf den Grund – auch dann, wenn die Kontrahenten zunächst abwiegeln.

Angriffspunkte vermeiden

Das traditionelle Rollenverständnis in Unternehmen wirkt nach. Vielen Frauen werden Führungspositionen nicht zugetraut; man sucht bei Projektmanagerinnen nach Angriffspunkten, die die alten Klischees wiederbeleben sollen. Deshalb: Projektmanagerinnen punkten offensiv mit Fachkompetenz, mit guter Selbstorganisation, methodischem Vorgehen und verlässlicher Führung. Beispielsweise sind sie gut auf Besprechungen vorbereitet, erlauben sich keine Versäumnisse bei der Projektplanung und wenden die Methodik des Projektmanagements sorgfältig an. Durch gewissenhafte Arbeit verbessert sich nicht nur die Projektarbeit. Auch fühlen sich viele Projektmanagerinnen sicherer, treten dadurch souveräner auf und können so ihr Team von ihrer Kompetenz überzeugen.

Unterstützer im Team finden

Auch Männer schätzen den weiblichen Führungsstil. Nicht alle, aber einige. Erfahrene Projektmanagerinnen haben meistens ein intuitives Gefühl, welche Mitarbeiter ihnen wohlgesonnen sind und den neuen Ton in der Führungskultur schätzen. Diese Mitarbeiter sind gute Verbündete im Team. Sie lassen eine geschlossen wirkende Männerfront löchrig werden und ermöglichen einen Kulturwandel im Projekt.

Sich Netzwerken anschließen

Berufs- und Fachverbände unterhalten mittlerweile Netzwerke für den Erfahrungsaustausch von Managerinnen. Einige dieser Netzwerke werden von der Europäischen Union gefördert, andere ehrenamtlich geführt. »Frauen in Projekt-Führungspositionen sind heute noch verhältnismäßig selten«, erklärt Cornelia Zimmer-Reps, »entsprechend einsam kann es für die Projektmanagerinnen werden.« Die Fachfrau empfiehlt Projektmanagerinnen, solche Netzwerke zu nutzen.

Typische Situationen im Griff

Cornelia Zimmer-Reps bietet demnächst Workshops beim Veranstalter nextlevel academy ausschließlich für Projektmanagerinnen unter dem Titel ›Women only‹ an. In dieser Veranstaltung werden typische Situationen nachempfunden und die Herausfoderungen kritisch betrachtet. Gleichzeitig werden die Projektmanagerinnen gecoacht, ihre Stärken zu erkennen und professionell einzusetzen. Die Inhalte beschäftigen sich mit der Frauenrolle im Projektmanagement. Dabei geht es unter anderem auch darum, Chancen und Risiken zu erkennen. Zudem werden Fragen zu folgenden Themen behandelt: Ticken Frauen und Männer im Projekt unterschiedlich? Wie lassen sich geschlechterspezifische Herausforderungen gekonnt meistern? Weiterhin sollen mit Hilfe von Selbstreflexion individuelle Stärken herausgearbeitet werden und konkrete Situationen in Projekten reflektiert werden. Nicht zuletzt geht es um den Erfahrungsaustausch mit anderen Projektmanagerinnen und die kollegiale Beratung untereinander.

Erschienen in Ausgabe: 03/2013