Altes Eisen? Von wegen!

Alle Betriebe wollen junge Mitarbeiter. Aber die Realität sieht anders aus: Die Belegschaft wird immer älter. Also stehen die Betriebe vor der Herausforderung, auch ihren älteren Mitarbeitern eine Entwicklungsperspektive zu bieten – etwa als Trainer oder Coach ihrer Kollegen.

15. Mai 2014

Bis 2020 steigt der Anteil der über 50-Jährigen an den Erwerbstätigen in der Europäischen Union auf fast 35 Prozent. Fragwürdig wird damit die Personalstrategie, die heute noch viele Unternehmen bezogen auf ihre älteren Mitarbeiter praktizieren.

Sie lassen diese in den letzten zehn, 15 Jahren ihrer Berufstätigkeit nur noch mitlaufen, ohne weiter in deren Entwicklung zu investieren.

Diesen Luxus können sich die Betriebe künftig nicht mehr erlauben. Denn mit jungen Mitarbeitern allein können sie ihren Bedarf an Arbeitskräften nicht decken.

Umdenken ist angesagt

Deshalb denken sie verstärkt darüber nach, wie sie die Kompetenzen ihrer älteren Mitarbeiter effektiver nutzen können.

Zum Beispiel in Form von Mentoren-Programmen, bei denen erfahrene Mitarbeiter ihren jüngeren Kollegen als individuelle Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Eine wachsende Zahl von Unternehmen bildet zudem ältere Mitarbeiter zu firmeninternen Trainern, Beratern oder Coaches aus.

Ein Grund hierfür ist das sich immer rascher wandelnde Unternehmensumfeld. Der Lernbedarf steigt. Außerdem wird er individueller.

Entwicklungsperspektive Trainer, Berater oder Coach

Doch nicht jeder berufserfahrene Mitarbeiter eignet sich als Trainer oder Coach. Sowohl für angehende firmeninterne Trainer als auch Coachs gilt: Sie müssen Lust auf den Kontakt mit Menschen und ein Gespür für Menschen haben. So sollte zum Beispiel ein Trainer in einem Seminar auf verschiedene Typen eingehen können.

Und ein Coach? Er muss mit Menschen eine so innige Vertrauensbeziehung aufbauen können, dass diese mit ihm auch über berufliche Probleme sprechen, die ihre Wurzeln in ihrer Persönlichkeit haben.

Eine Voraussetzung hierfür ist eine wertschätzende Haltung gegenüber anderen Menschen. Denn akzeptiert und respektiert ein Coach oder Trainer andere Wertvorstellungen und Einstellungen nicht, gewinnt er auch das Vertrauen anderer Personen nicht.

Ein Trainer muss wissen, wie Lernprozesse bei Menschen verlaufen, und er muss diese gestalten können. Außerdem benötigt er gruppendynamisches Know-how.

Interne Trainer und Coaches haben viele Vorzüge

In vielen Unternehmen ist der Change- und Lernbedarf heute so groß, dass er mit externen Beratern und Coaches allein nicht mehr gedeckt werden kann – auch weil diese gegenüber firmeninternen folgenden Nachteile haben:

• Sie kennen die Kultur, Historie und Arbeitsabläufe in der Organisation nicht.

• Sie verfügen über kein firmeninternes Netzwerk.

• Sie sind bei akuten Problemen oft nicht sofort erreichbar und ansprechbar.

• Sie sind Externe, zu denen die Betroffenen oft weniger Vertrauen als zu Kollegen haben.

Sabine Prohaska

Die Autorin ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmens Seminar Consult Prohaska in Wien.