3 Fragen an Carsten Gerke

23. Juli 2019
3 Fragen an Carsten Gerke
Carsten Gerke, Senior Vice President Strategische Partnerschaften, Bentley Systems (Bild: Kathleen Scalfaro für Bentley Systems)

Herr Gerke, in Zusammenarbeit mit Siemens Process Automation ist Plantsight entstanden. Mit welchem konkreten Mehrwert für den Anwender?

Carsten Gerke: Zur Erstellung eines digitalen Zwillings bringen wir alle vorhandenen Daten aus dem Planungsprozess auf einer Plattform als Cloud-Service zur Aggregation für später gelagerte Prozesse zusammen. Diese Daten der Engineeringtechnologie (ET) können dann intelligent mit Daten aus dem Betrieb (OT) oder der Informationstechnologie (IT) verknüpft werden. Die Daten aus der Planungs- oder Bauphase stellen sozusagen die digitale DNA von jeglicher Infrastruktur dar – sei es für ein Kraftwerk oder auch ein Versorgungsnetz. Heute sind diese meist vergraben in unterschiedlichen Datensilos, zum Beispiel in Schemata, 3D-Modellen, Listen etc. Durch das Zusammenführen kommt der richtige Einblick in die Anlage, deswegen auch Plantsight und da es sich um Cloud-Services handelt, erhält man einen intuitiven Zugang zu allen relevanten Daten.

Gibt es ein konkretes Beispiel für Analysen, die in der manuellen analogen Welt schwer bis gar nicht machbar waren?

Als konkretes Beispiel könnte ein Kraftwerk mit all seinen Komponenten dienen: Das Monitoring von Turbinen und einzelnen Komponenten, um schnell Unregelmäßigkeiten festzustellen, reicht nicht aus. Zwar mag es ein Predictive Maintenance für die Turbinen geben, jedoch kann das Kraftwerk trotzdem stillstehen, auch wenn die einzelne Turbine nicht ausfällt, da die Schwachstelle eventuell in anderen Komponenten liegt. Es braucht auch eine gute Gesamtstrategie für die Anlage. So wird beispielsweise mit einem Asset-Performance-Tool von Bentley Systems klar, welche die kritischen Komponenten sind und wie man im Ernstfall reagieren muss, oder ob redundante Pumpen einen Ausfall verhindern. In Kombination mit weiterführenden IoT-Diensten wird eine umfassende Strategie möglich. Andere Bereiche, wie zum Beispiel Hochspannungsmasten haben natürlich eine ganz andere Problematik. Da gehen wir eher in Richtung 3D-Audit. Drohnen nehmen die Masten auf, die Bilder werden zu einem 3D-Modell zusammengestellt und künstliche Intelligenz erkennt Rost oder andere Schäden. Nach den Ergebnissen der Auswertung werden entsprechende Wartungstruppen vor Ort geschickt. Dieser Prozess war früher arbeits- und sicherheitstechnisch gesehen sehr viel aufwendiger, weil meist eine Besteigung notwendig war.

Wie gehen Sie mit dem Thema Datenhoheit um?

Zusammen mit unserem strategischen Partner Siemens sind wir der Überzeugung, dass die Daten dem Kunden gehören. Sie stehen ihm und nur ihm auf der Datenplattform zur Verfügung. Wenn der Kunde sie nicht mit anderen teilen möchte, muss er das auch nicht tun. Die Datensouveränität liegt beim Kunden und es ist alleine seine Entscheidung, ob er seine eigenen Daten für Benchmarks zur Verfügung stellt, um daraus einen Nutzen für sich zu ziehen. hd

Erschienen in Ausgabe: 04/2019
Seite: 18 bis 19