Attest der Wirtschaftlichkeit

SZENARIO - Eine aktuelle Studie untersuchte die Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit der ostdeutschen Braunkohle. Ergebnis: Der Einsatz bleibt auch langfristig wirtschaftlich.

06. Juni 2006

„Die Braunkohlenverstromung in Ostdeutschland ist langfristig konkurrenzfähig und wird ihren Platz in der Energieversorgung behaupten“, so das Fazit der von der Prognos AG erstellten Studie. Wie die Experten errechnet haben, liegt die Reichweite der ostdeutschen Braunkohle bei konstanter jährlicher Fördermenge bezogen auf die wirtschaftlich abbaubaren Vorräte bei rund 75 Jahren. Für die Lausitz wurde eine mittlere Reichweite der Reserven bei rund 66 Jahren, im mitteldeutschen Revier von rund 102 Jahren ermittelt.

Allgemein steigt laut Studie der Endenergiebedarf für Strom zunächst weiter an und erreicht in den Jahren 2015 bis 2020 sein Maximum. Ab 2020 sinkt der Bedarf kontinuierlich. Im Jahr 2040 soll er nahezu den Ausgangswert von heute erreichen und dann um rund 3 % unter dieses Niveau sinken. „Dabei verändere sich die Struktur des Strombedarfs deutlich“, so die Prognos-Experten.

Der Anteil der Industrie am Gesamtbedarf steige von 43 % im Jahr 2005 auf 49 % in 2050. Es wird erwartet, dass der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und übrige Verbraucher den stärksten Rückgang verzeichnen wird. Sein Anteil werde von 26 % auf 20 % sinken.

Auch im Umwandlungsbereich, der unter anderem den Kraftwerkseigenbedarf sowie den Strombedarf in Gruben, Brikettfabriken oder Raffinerien beinhaltet, rechnen die Energieexperten mit Veränderungen: „Vor allem die Steigerung der Kraftwerkseffizienz, aber auch die rückläufige Steinkohleförderung führen zum Rückgang des Strombedarfs.“

Für die Stromerzeugung aus ostdeutscher Braunkohle kalkuliert Prognos, dass diese bis etwa 2020 zunimmt und bis 2050 wieder etwa auf das Niveau von 2005 absinkt. Je nachdem, ob die CO2-Abscheidung bei Neubaukraftwerken eingeführt werde, sei in Ostdeutschland im Jahr 2050 mit einer Braunkohlenförderung von 68 bis 75 Mio. t zu rechnen. Auch ein späterer Ausstieg aus der Kernenergie habe hierauf wenig Einfluss. Sollte die CO2-Abscheidung in Neubaukraftwerken ab dem Jahr 2025 (Szenario 2) einsetzen, liege wegen des schlechteren Nutzungsgrades der Braunkohlenbedarf über dem ohne Einführung dieser Technik, so ein weiteres Ergebnis.

Rund 23.600 Arbeitsplätze würden direkt oder indirekt durch die ostdeutsche Braunkohlenindustrie gesichert. Wie aus der im Auftrag von Vattenfall Europe erstellten Untersuchung weiter hervorgeht, kommen auf jeden Beschäftigten in der Braunkohlenindustrie ein Erwerbstätiger in Zulieferbetrieben sowie 0,3 Beschäftigte in Bereichen, in denen die Arbeitnehmer Konsumausgaben tätigen.

„Die Studie ist wichtig für die Region und bekräftigt unsere Planungen zum Bau eines weiteren Kraftwerksblockes am Standort Boxberg. Dass der Betrieb des Kraftwerks langfristig direkt oder indirekt rund 1.100 Arbeitsplätze sichern könne, ist ein gutes Signal an die hier lebenden Menschen«, sagte Vattenfall-Vorstand Reinhardt Hassa bei der Präsentation der Studie. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 06/2006