Auch für Kleine große Bilanzierungsaufgaben

Management

MaBiS - Die Einführung der ›Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom‹ stellt gerade kleinere Netzbetreiber vor Herausforderungen. Die früheren Vorgaben der BNetzA sollten umgesetzt sein, damit alles klappt.

24. August 2011

>Es ist Juni 2011 – der erste Monat, den die Netzbetreiber nach den neuen ›Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom‹ (MaBiS) bilanzieren müssen. Gerade erst hatte der Darmstädter Abrechnungs- und Messdienstleister Count+Care für seinen Kunden, die Gemeindewerke Budenheim, die Lösung ›MaBiS_Light‹ implementiert´.

Und dann das: Am 14. Juni meldet Teldafax, mit knapp 700.000 Kunden der größte unabhängige Energieanbieter Deutschlands, Insolvenz an. Hunderte Netzbetreiber kündigten diesem darauf fristlos den Zugang zu ihren Leitungen, die Kunden wechselten automatisch in die Ersatzversorgung.

»Sämtliche Energiemengen dieser Kunden mussten von einem Tag auf den anderen auf andere Lieferanten gebucht werden – eine echte Bewährungsprobe für die Bilanzierung«, erklärt Sebastian Becker, MaBiS-Experte bei Count+Care. »Mit unserem System konnten wir das durch einen einfachen Umbuchungsvorgang erledigen.«

In der nahe Mainz gelegenen verbandsfreien Gemeinde Budenheim am Rhein bekam man von dieser Bewährungsprobe wenig mit. Die Gemeindewerke Budenheim bewirtschaften eigene Stromnetze in der Mittel- und Niederspannung von rund 100km Länge sowie mehrere Blockheizkraftwerke. Gleichzeitig werden etwa 4.900 Tarif- und Gewerbekunden mit Strom beliefert.

Um Ressourcen einzusparen hatte das EVU unter anderem die MaBiS-Aufgaben an den Dienstleister abgegeben. Denn für eine Umsetzung in Eigenregie müssen zusätzlich zum Tagesgeschäft noch Kapazitäten und eigenes Know-how für zahlreiche sich ständig ändernde Prozesse aufgebaut werden. Dabei stoßen viele kleine Netzbetreiber an ihre Grenzen. Die so genannte De-minimis-Regel für Unternehmen mit weniger als 100.000 Netzkunden gilt für MaBiS nicht.

Verteilnetzbetreiber müssen sämtliche in ihrem Netz anfallenden Energiemengen vollständig verschiedenen Bilanzkreisen mit den entsprechenden Lieferanten zuordnen. Netz- und EEG-Einspeisungen sind mit den angenommenen Verbrauchswerten der Kunden, Netzverlusten sowie der Differenz zwischen prognostizierten und tatsächlichen Lastprofilverläufen auszubalancieren.

Erneuerbare mit einbeziehen

Und das unter Zeitdruck: Bis spätestens zum zehnten Werktag nach Ende eines Liefermonats müssen für jeden Bilanzkreis Summenzeitreihen an den Bilanzkreiskoordinator geliefert werden. Unstimmigkeiten sind bis zum 29. Werktag zu klären, der aufwendige Clearing-Prozess soll durch Prüf- und Statusmeldungen und die Versionierung der Zeitreihen unterstützt werden.

Das stellt viele Netzbetreiber vor eine Herausforderung. Die Gründe sind vielfältig: Schon der Aufwand, um alle Zählpunkte im Bilanzierungsgebiet ins EDM zu integrieren, wird leicht unterschätzt. Auch die Einbeziehung der Erneuerbaren kann ein Problem darstellen, da viele kleinere Betreiber nicht über Referenzmessungen etwa für ihre Solaranlagen verfügen.

Zudem haben viele Unternehmen noch nicht alle früheren Vorgaben der BNetzA umgesetzt, welche ihrerseits Voraussetzung für reibungslose MaBiS-Prozesse sind. »Auch kleinere Netzbetreiber müssen vor Einführung der MaBiS das Unbundling, also die Entflechtung von Netzbetrieb und Vertrieb, abgeschlossen haben, sonst gibt es Probleme«, warnt Becker. Auch die ›Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität‹ (GPKE) müssen umgesetzt sein, sie definieren Abläufe für den Datenaustausch, auf denen auch MaBiS aufbaut.

»GpkE 2.0« im Anmarsch

»Bei unserer Lösung nutzen wir, dass ordnungsgemäße Abrechnungsprozesse gemäß der aktuellen GPKE bereits alles enthalten, was wir für die Abwicklung der MaBiS benötigen«, erklärt Becker. So können die Bestandslisten zur Aktivierung von Zählpunkten für Lieferantensummenzeitreihen genutzt werden. Auch die benötigten Lastgangdaten müssen gemäß GPKE bereits zur Verfügung stehen. Diese Daten liest MaBiS

Angesichts immer neuer Regulierungsvorgaben und wachsender Datenmengen ist eine der wichtigsten Forderungen an eine MaBiS-Lösung Flexibilität. Schon für das kommende Frühjahr plant die BNetzA die nächsten Umstellungen bei etlichen Prozessen – scherzhaft als »GKPE/GeLi Gas 2.0« bezeichnet – mit erheblichen Auswirkungen auch auf MaBiS. So sollen nach der Novelle des EnWG Lieferantenwechsel innerhalb von drei Wochen abgewickelt werden.

»Um wirklich zukunftssicher zu sein, haben wir das System auf der Basis von InterSystems Ensemble entwickelt«, berichtet Simon Skaznik, IT-Berater bei Count+Care. Dies ist eine Entwicklungsplattform mit einer integrierten Datenbank und umfangreichen Integrationsfähigkeiten einschließlich der kompletten EDIFACT-Kommunikation.

»Die Technologie erlaubt es uns, Änderungen bei Prozessen und Formaten sehr schnell umzusetzen«, so Skaznik. »Zudem ist die Lösung sehr ressourcenschonend und skalierbar.

Erschienen in Ausgabe: 07/2011