Auch Impulsgeber der Energiewende müssen Investitionen abwägen

Management

Messe - Stadtwerke können im Bereich dezentraler KWK und Elektromobilität Impulse geben. Zugleich gilt es, Chancen und Risiken der deutschen Dekarbonisierungsstrategie abzuwägen. Auf der Gat gibt es dazu eine Diskussion.

04. Juni 2016

Die Energiewende ist in vollem Gange. Wind- und Solaranlagen werden systematisch ausgebaut und Stromübertragungsleitungen auf neue Anforderungsprofile ausgerichtet. Dabei fällt der Blick vor allem auf die großen Player im Markt. Doch der Eindruck greift zu kurz. Es sind vor allem die über 1.000 großen, mittleren und kleinen Stadtwerke, die vor Ort einen zentralen Beitrag zur Energiewende leisten.

So müssen die Verteilnetze entsprechend modernisiert werden, um die schwankende Einspeisung von Strom aus vielen kleinen regenerativen Erzeugungsanlagen aufzunehmen und gleichzeitig die Spannung stabil zu halten.

Weitere Optionen bieten kleine Eigenerzeugungsanlagen, die je nach Bedarf schnell hochgefahren oder abgeschaltet werden können. Das sieht auch die Deutsche Energieagentur (Dena) so und spricht sich dafür aus, regional ausreichend Momentanreserve sicherzustellen und dazu die technischen Möglichkeiten dezentraler Energieanlagen einzubeziehen. Hinzu kommt, dass mittelfristig Kommunikationsschnittstellen zu den Endverbrauchern erforderlich sind, damit eine intelligente Steuerung von Stromangebot und -nachfrage erfolgen kann.

Stadtwerke an der Schnittstelle

Im Wärmebereich bieten kleine dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eine gute Möglichkeit, umliegende Privathaushalte effizient zu beheizen. Und bei der Elektromobilität können kommunale Versorgungsunternehmen über den Aufbau einer lokalen Ladeinfrastruktur wichtige Impulse für die weitere Verbreitung geben. Nur einige Beispiele, die deutlich machen, dass Stadtwerke bei der Energiewende an vielen zentralen Schnittstellen eingebunden sind.

Das war auch der Grund für den DVGW bei der Planung der kommenden Gat vom 8. bis 10. November in Essen einen Fokus auf die Rolle der Stadtwerke zu legen. Unter dem Titel ›Energiewende vor Ort‹ wird es am 9. November eine moderierte Podiumsdiskussion mit Branchenvertretern und Impulsvorträge geben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die deutsche Gaswirtschaft die Dekarbonisierungsstrategie der Bundesregierung aktiv unterstützen kann.

Perspektiven und Konkurrenzdruck

Chancen und Risiken sind hierbei gegeneinander abzuwägen. Denn einerseits gibt es gute Perspektiven für Erdgas, wenn Öl und Kohle in der Wärme- und Stromerzeugung ersetzt werden. Andererseits verschärft sich die Konkurrenzsituation durch den zunehmenden Einsatz von Holzheizungen und Wärmepumpen weiter.

Hinzu kommt der Trend, selbst erzeugten Strom zu speichern und damit elektrische Heizgeräte zu betreiben. Vor diesem Hintergrund kommt es darauf an, geplante Investitionen genau auf ihre Zukunftsfähigkeit zu prüfen. Ist massiv in kohlenstoffarme Technologien zu investieren? Wie muss die künftige Netzinfrastruktur aussehen und welche Rolle spielen die Netzentgeltsysteme? Das sind nur einige Themen, die in Essen intensiv diskutiert werden dürften.

Allerdings ist die ›Energiewende vor Ort‹ nur ein, wenn auch wichtiger Teil im Programm der Gat. Insgesamt wird es rund 20 Veranstaltungseinheiten mit Keynotes, Podiumsdiskussionen und Workshops geben. Mit dieser Brandbreite deckt die Gat 2016 die gesamte Wertschöpfungskette in der Energieversorgung ab, wobei der Schwerpunkt auf dem künftigen Einsatz von Erdgas liegt. Zusätzlich zum Kongressteil wird es eine begleitende Fachmesse geben. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die über 200 Aussteller rund 7.000 Fachbesuchern neue Produkte und Dienstleistungen vorstellen werden. Kommunale Versorgungsunternehmen können dabei wichtige Anregungen mitnehmen, wie sich ihre eigene Energiewende vor Ort gestalten lässt.

Gerd Lengsdorf (für den DVGW)

Erschienen in Ausgabe: 05/2016