Audit: Danach ist davor

Für Energieaudits gemäß EDL-G läuft die erste Vier-Jahres-Frist ab. Wird ein Energiemanagement nach ISO 50001 umgesetzt, kann ein Wiederholungsaudit vermieden werden. Die technische Basis dafür bildet ein systematisches Energiemonitoring.

11. Oktober 2019
Audit: Danach ist davor
(Bild: Siemens)

Die EU-Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU) formuliert Einsparziele auf europäischer Ebene. In Deutschland wird sie unter anderem durch das Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) umgesetzt. Dieses gilt seit 2015 in einer Neufassung und verlangt von Unternehmen regelmäßige Energieaudits im Vier-Jahres-Rhythmus. Die Audits sollen Unternehmen dabei unterstützen, ihren Energieverbrauch zu analysieren und effizienter zu gestalten. Das klingt erst einmal sinnvoll, ist aber mit zusätzlichen Ausgaben verbunden: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) rechnet mit durchschnittlichen Kosten von 4.000 Euro pro Audit bei einer Spanne von etwa 2.400 bis 8.000 Euro.

Auch andere Wege führen zum Ziel

Bei Unternehmen mit einer Vielzahl von Standorten könnte eine qualifizierte Auditierung deutlich teurer werden. Das Gesetz sieht jedoch Ausnahmen vor: Unternehmen, die über ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder auch ein Umweltmanagementsystem nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) verfügen, werden von der Pflicht zur Durchführung von Energieaudits freigestellt.

Ein Energiemanagement erfordert transparente Daten.

— Dominik Weeger Siemens

Essenziell für die Umsetzung eines Energiemanagements ist die Verbesserung der Energiedatentransparenz. Nur wenn Energiedaten in ausreichender Menge vorhanden sind und an allen relevanten Stellen erfasst werden, können die gewonnenen Erkenntnisse zu konkreten Einsparmaßnahmen führen und die Energieeffizienz erhöhen. Technische Lösungen wie ein softwarebasiertes Energiemonitoring sind dafür ein wichtiger Baustein.

Siemens beispielsweise bietet mit der Software Powermanager sowie kommunikationsfähigen Mess- und Schutzgeräten aus dem Sentron-Portfolio ein leistungsfähiges Energiemonitoringsystem an. Das komplette Paket wurde vom TÜV Rheinland auf Konformität zur Unterstützung eines Energiemanagementsystems gemäß ISO 50001 zertifiziert. Elektrische Kenngrößen wie Spannungen, Ströme, Leistungen, Energiewerte und Frequenzen lassen sich damit erfassen, überwachen und archivieren.

Die Leistungsmittelwerte der überwachten Kenngrößen werden am PC in Ganglinienform angezeigt und können miteinander verglichen werden. So lassen sich beispielsweise Lastgänge verschiedener Fertigungslinien oder Firmenstandorte gegenüberstellen.

Energiedaten in der Cloud

Ein nächster Schritt im Energiedatenmanagement ist die Einbindung von Energiedaten in offene, cloudbasierte IoT (Internet of Things)-Betriebssysteme wie Mindsphere von Siemens. Über die offene IoT-Plattform können große Datenmengen verarbeitet, ausgewertet und miteinander verglichen werden.

WISSEN KOMPAKT

Hilfe beim Energieaudit

Um die Durchführung der Audits nach DIN EN 16247–1 zu erleichtern, hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen Leitfaden erstellt.

Zu den Grundlagen und allgemeinen Fragestellungen rund um die Auditierungspflicht bietet das Merkblatt für Energieaudits weitere Informationen.

Im Rahmen der »Initiative Energieeffizienz-Netzwerke« können sich Auditoren für einen systematischen und zielgerichteten Erfahrungsaustausch untereinander vernetzen.

Daraus entsteht Wissen, mit dem sich die Energieeffizienz und der gesamte Anlagenbetrieb optimieren lassen. Besonders einfach lässt sich die Cloud-Anbindung beispielsweise über die neue IoT-Plattform 7KN Powercenter 3000 von Siemens realisieren. Der intelligente Datenkollektor sammelt Messwerte von bis zu 32 angeschlossenen Mess- und Schutzgeräten und überträgt sie unter anderem direkt in IoT-Betriebssysteme wie Mindsphere.

Auch bereits bestehende Energiemonitoringsysteme lassen sich damit ganz einfach um Cloud-Anbindung erweitern. Ebenso bietet die neueste Version der Energiemonitoringsoftware Powermanager eine direkte Schnittstelle zu Mindsphere und macht damit umfangreiche, standortübergreifende Analysen möglich.

Dominik Weeger, Siemens

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 34 bis 35