Auf dem Weg zum Standard

Markt

Produkte - Die EU erschließt mit Ökodesign-Richtlinie, EU-Label und Energy-Star Einsparpotenziale. Gerade Elektromotoren sind prädestiniert.

22. Januar 2013

>Die Europäische Union verfolgt das Ziel, bis 2020 die Energieeffizienz EU-weit um 20% gegenüber 2005 zu steigern. Ein wichtiges Instrument, um diese Zielsetzung zu erreichen und die Energieeffizienz von energieverbrauchsrelevanten Produkten zu erhöhen, ist die europäische Top-Runner-Strategie.

Sie ist auch ein wesentlicher Baustein, um im Rahmen der Energiewende in Deutschland die anvisierte Einsparung beim Stromverbrauch zu erreichen. Ein Kernelement der Strategie ist die Festlegung von Höchstverbrauchswerten und Mindestenergieeffizienzstandards für rund 40 Produktgruppen, die innerhalb der EU einen relevanten Anteil am Gesamtenergieverbrauch aufweisen. Sie basiert auf drei Instrumenten.

Lebenszyklus inklusive

Erstens werden auf Basis der EU-Ökodesign-Richtlinie Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Produkten festgesetzt. Zweitens wird die Energieeffizienz von Produkten durch die Einführung einer verpflichtenden, europaweit einheitlichen Kennzeichnung mit dem EU-Energieverbrauchsetikett (EU-Label) besser im Markt erkennbar.

Das EU-Label schafft Transparenz über den Energieverbrauch von Produkten und unterstützt Verbraucher bei der Entscheidung für energieeffiziente Geräte. Für Hersteller und Handel werden durch das EU-Label Anreize gesetzt, solche Produkte im Markt anzubieten.

Ein drittes Instrument der europäischen Top-Runner-Strategie ist der EU Energy Star, ein freiwilliges Kennzeichnungssystem für energieeffiziente Bürogeräte. Er findet gleichermaßen in den USA und in Europa Anwendung und soll, insbesondere im Beschaffungswesen von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, die Berücksichtigung von Energieeffizienzstandards fördern.

Im Rahmen der Ökodesign-Verordnung werden Mindeststandards festgelegt, die Hersteller verpflichten, die Energieeffizienz ihrer Produkte schrittweise zu erhöhen. Die Anforderungen an die Produkte orientieren sich außerdem daran, dass die absehbaren Lebenszykluskosten nicht steigen. Das heißt, eventuell höhere Anschaffungskosten amortisieren sich durch die geringeren Energieverbrauchskosten in der Nutzungsphase.

Sparpotenzial bis 2020

Bis heute sind für 13 Produktgruppen Ökodesign-Verordnungen eingeführt worden, die sich auf Geräte für den privaten Haushalt sowie auf in Industrie und Gewerbe eingesetzte Produkte beziehen. Zusätzlich wurde für bislang sieben Produktgruppen, wie beispielsweise Kühl- und Gefriergräte oder Fernseher, die Kennzeichnung der zum Verkauf angebotenen Produkte mit dem EU-Label verpflichtend etabliert.

Die Deutsche Energie-Agentur hat die Wirkungen wesentlicher Elemente der Top-Runner-Strategie in Deutschland untersucht und dabei besonders die jährlichen Endenergieeinsparungen durch die Festlegung von Mindesteffizienzstandards nach der EU-Ökodesign-Richtlinie bis 2020 abgeschätzt.

In den neun betrachteten Produktgruppen wurden jährliche Einsparungen von rund 60TWh ermittelt, im Vergleich zum jeweiligen Basisjahr der EU-Szenarien für die einzelnen Produktgruppen. Die Betrachtung der relativen Endenergieeinsparungen nach Produktgruppen zeigt, dass besonders Elektromotoren ein großes Energieeinsparpotenzial aufweisen. Durch elektrische Motoren angetriebene Systeme verursachen etwa 70% des Stromverbrauchs in Industrie und Gewerbe.

Dieser lässt sich deutlich reduzieren, da durch die gesetzten Mindestanforderungen an die Energieeffizienz der Verbrauch neuer Motoren deutlich niedriger ist. Die gesetzten Standards werden in den Jahren 2015 und 2017 stufenweise erhöht, um weitere Einsparpotenziale zu erschließen.

Derzeit bereitet die EU-Kommission unter anderem neue Regulierungen für die Produktgruppen Heizungsanlagen und Warmwassergeräte sowie Transformatoren vor. Für Heizungsanlagen und Warmwassergeräte sollen sowohl Mindestanforderungen festgesetzt als auch ein EU-Label eingeführt werden. Damit will die EU bei diesen Produktgruppen mit dem insgesamt größten Energieeinsparpotenzial den Absatz der effizienten Produkte im Markt unterstützen.

Bei der Produktgruppe der Transformatoren zum Einsatz in Industrieanlagen und Stromnetzen geht es darum, durch steigende Mindestanforderungen an die Energieeffizienz europaweit Anforderungen zu verankern, die für den Umbau der Stromversorgungsnetze in Europa von Bedeutung sind.

Effizienz gesteigert

Es ist von Seiten der EU-Kommission vorgesehen, dass in den nächsten Jahren für weitere rund 27 Produktgruppen Mindestanforderungen nach der EU-Ökodesign-Richtlinie festgesetzt beziehungsweise die Darstellung der Energieeffizienz mittels eines EU-Labels vorgeschrieben wird. In der Regel erfolgt nach vier bis sechs Jahren eine Revision der europäischen Verordnungen, um die Anforderungen an die technische Entwicklung anzupassen.

Durch die europäische Top-Runner-Strategie werden bereits heute relevante Energieeffizienzsteigerungen erreicht. So liegt der Energieverbrauch von hocheffizienten und geregelten Nassläufer-Heizungspumpen, die ab dem 1.1.2013 die Anforderungen der Ökodesign-Verordnung einhalten müssen, nach Angaben der Hersteller um bis zu 90% unter dem Verbrauch von ungeregelten Pumpen. Diese sind heute noch in vielen Heizungsanlagen eingebaut.

Die Nutzung des ordnungspolitischen Instrumentariums der EU, besonders im Rahmen der EU-Ökodesign-Richtlinie, wird diese in den kommenden Jahren weiter erhöhen.

Rahmen schaffen

Dabei sollten die laufenden Rechtssetzungsprozesse im Rahmen der Top-Runner-Strategie zügig abgeschlossen werden, um auch für die Industrie verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Durch das Festsetzen anspruchsvoller Mindestanforderungen sollten die Potenziale dieses Instrumentariums ausgeschöpft werden.

Auf diese Weise lassen sich vorhandene Energieeffizienzpotenziale erschließen. Das wiederum leistet einen wesentlichen Beitrag, um den Energiebedarf zu reduzieren und damit das europäische Energiesystem zu optimieren.

Annegret-Cl. Agricola & Dr. Karsten Lindloff (Deutsche Energie-Agentur)

Erschienen in Ausgabe: 01/2013