Aufforderung zum Handeln

REGULIERUNG Chancen und Risiken der Öffnung des Gasmarktes wurden auf dem 3. Deutschen Regulierungskongress Ende September in Berlin diskutiert.

14. November 2006

„Kostenkontrolle kann nicht das ausschließliche Allheilmittel zu mehr Wettbewerb sein“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA), Matthias Kurth, zum Auftakt des Regulierungskongresses. Viele Unternehmen seien sehr aktiv bei der Umsetzung des Unbundling. „Wir erleben eine Dynamik, die Handeln fordert.“ Der BNetzA-Chef wies auf die Vorteile aktiven Mitmachens hin, denn letztendlich könne „eine freiwillige Einhaltung der Transparenzvorgaben strengere Vorgaben der EU verhindern“.

Die Kontrolle des Gasnetzzugangs nannte Kurth eine besonders große Herausforderung. Mit der am 1. Juni von BGW und VKU veröffentlichten ‚Vereinbarung über die Kooperation zwischen den Gasnetzbetreibern’ sei zwar der Paradigmenwechsel weg vom Einzelbuchungs- hin zum Zweivertragsmodell gelungen, aber die Netzbetreiber seien untereinander uneinig, da ein Teil weiter an den Altverträgen festhält, so der Präsident der Bonner Behörde.

Kritisch setzte sich der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Hannover AG und Präsident des BGW, Michael G. Feist, mit der Regulierung auseinander. Auf dem von Euroforum veranstalteten Kongress betonte er: „Durch die Regulierung geraten die Netzinvestitionen immer stärker in ein Spannungsfeld zwischen Rendite und Versorgungssicherheit.“

Die Gaswirtschaft habe den Wettbewerb angenommen und die Netze würden geöffnet, aber dann müsse auch mit marktgerechten Konditionen gerechnet werden, so Feist. Der BGW-Chef ging auch auf die Kosten ein, die die Regulierung selbst verursache: „Allein der Auf bau eines IT-gestützten Regulierungsmanagements hat die Stadtwerke Hannover zehn Millionen Euro gekostet.“ Die Bedeutung des deutschen Energiemarktes als größten europäischen Markt stellte Axel Gilbeau von der Centrica Energie GmbH heraus. Die durchaus positiven Entwicklungen hätten die britische Centrica dazu ermuntert, sich hier etablieren zu wollen, stellte er fest. „Der Markt in Deutschland ist nicht schlecht, aber auch noch nicht gut“, sagte Gilbeau. Für einen Newcomer auf dem deutschen Markt biete vor allem der Gasmarkt nur begrenzte Möglichkeiten an. Probleme ergäben sich hier aus den fehlenden Transportmöglichkeiten, dem fehlenden liquiden Handelspunkt sowie aus den verbesserungsfähigen Speicherkapazitäten.

Als Gründe für den Einstieg von Centrica auf den deutschen Markt nannte Gilbeau die besseren Rahmenbedingungen durch die Regulierung, den Paradigmenwechsel beim Gasnetzzugang sowie die Initiative des Bundeskartellamtes zur Öffnung der langfristigen Lieferverträge. Darüber hinaus hoffe man auf eine weitere Reduzierung der Marktgebiete. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 11/2006