Aus drei mach eins

N-Ergie: IT-Landschaft beim Verschmelzen der Versorger erneuert

Als sich die N-Ergie formierte, mussten die IT-Aktivitäten dreier Unternehmen unter einem Dach zusammengefasst werden. Mehr noch: Es wurde eine einheitliche IT-Umgebung geschaffen, die zu den neuen Konzernstrukturen passt.

04. Februar 2004

Als die Nürnberger Energie und Wasserversorgung, das Fränkische Überlandwerk und die Mittelfränkische Erdgas GmbH zur N-Ergie verschmolzen, wurde schon mit der Einführung der integrierten SAP-Systemlandschaft begonnen, bevor die Konzernstruktur ausgeprägt war. Die IT-Verantwortlichen haben die Herausforderung mit Hilfe der SAP Systems Integration AG (SAP SI) termingerecht gemeistert.

Das IT-Projektteam hatte alle Hände voll zu tun, zahlreiche parallele IT-Aktivitäten zu koordinieren, denn es galt, die Altsysteme der drei Vorgängergesellschaften abzulösen, zusätzliche Funktionen und Anwendungen bereitzustellen und Geschäftsprozesse neu abzubilden. So mussten verschiedene SAP-R/3-Kernfunktionen der Nürnberger Energie und Wasserversorgung, des Fränkischen Überlandwerkes und der Mittelfränkischen Erdgas GmbH konsolidiert werden, darunter Rechnungswesen, Anlagenbuchhaltung, Controlling, Instandhaltung, Materialwirtschaft, Einkauf und Vertrieb.

Damit verbunden waren das Zusammenführen von Mandanten und die Splittung von Buchungskreisen zur systemtechnischen Unterstützung der Konzernprozesse. Weiter musste das Projektteam die bisherigen Systeme IS-U und Riva zusammenzuführen und durch ein neues Release der Branchenlösung SAP IS-U/CCS abzulösen. Dabei wurde neben dem Einvertragsmodell auch das Zweivertragsmodell umgesetzt, das die getrennte Ausweisung netz- und vertriebsseitiger Rechnungspositionen gewährleistet und damit den Anforderungen des deregulierten Marktes entspricht.

Um der Geschäftsleitung schnelle und sichere Entscheidungen zu ermöglichen, hatte sich N-Ergie für SAP Business Information Warehouse (BW) als konzernübergreifendes Informationssystem entschieden. Dieses analysiert Daten aus SAP R/3, SAP IS-U/CCS und Nicht-SAP-Systemen und stellt den Führungskräften damit alle Informationen zur Verfügung, die sie für ihre betrieblichen Entscheidungen brauchen, unter anderem Statistiken über Verkauf und Bestand, Controllingberichte und Deckungsbeitragsrechnungen.

Zusätzlich zu den neuen Anwendungen musste das IT-Projektteam neue Funktionen bereitstellen. Da die Versorgungsdienste im Zuge der Fusion aus dem Konzern ausgegliedert und auf neun neugegründete Tochterunternehmen übertragen werden, mussten auch die Liefer- und Leistungsbeziehungen von N-Ergie gemäß der neuen Konzernstrukturen und -richtlinien abgebildet werden.

Aus Termingründen startete das SAP-IS-U/CCS-Projekt, bevor die SAP-R/3-Kernfunktionen ausgeprägt waren. Bis zur Inbetriebnahme der neuen Systeme mussten überdies die Altanwendungen weiter betreut und Übergangslösungen geschaffen werden. „Allein die Koordination der Aktivitäten, Informationen und Technologien im Projektteam verursachte einen beträchtlichen Aufwand“, unterstreicht Reinhold Seyen, Bereichsleiter IT bei N-Ergie, die Komplexität des Projekts. Erschwerend kam hinzu, dass die Systemkonsolidierung bereits begann, als die Neustrukturierung des Konzerns noch im Gange war. Dadurch entstand ein hoher Abstimmungsbedarf bei eingeschränkter Planungssicherheit.

Bei einer europaweiten Ausschreibung hatte sich SAP SI als Implementierungspartner empfohlen. Für den Dresdner IT-Dienstleister sprachen die langjährigen gemeinsamen Projektaktivitäten mit den Vorgängergesellschaften, die Migrationserfahrung, die Produkt- und Projektkenntnis im Bereich der SAP-Branchenlösung für die Versorgungsindustrie sowie das Wissen über den Einsatz von Business Information Warehouse in der Versorgungsbranche.

Gemeinsam mit N-Ergie erarbeitete SAP SI den Konsolidierungsplan und die Migrationsstrategie für die Altanwendungen; ebenso die konzernspezifische Ausprägung der drei neuen Systeme SAP R/3, IS-U/CCS und BW. Auch beriet SAP SI den Versorgungskonzern bei der Implementierung, der Aufnahme des Systembetriebes und der Feinabstimmung. Überdies wirkte der Implementierungspartner an der Entwicklung der Schulungsunterlagen und der Durchführung der Anwenderkurse mit.

Nachdem das konsolidierte SAP-R/3-System im Juli 2002 und das Abrechnungssystem IS-U/CCS im Januar 2003 live gegangen ist, arbeiten heute bei N-Ergie über 1.800 Anwender mit den SAP-Lösungen. Über das branchenspezifische Abrechnungssystem werden rund 900.000 Versorgungsverträge abgewickelt. Bei SAP Business Warehouse erfolgten die stufenweise Inbetriebnahme und Nutzung bis Anfang 2004. Mit dem integrierten SAP-Systemverbund erhielt N-Ergie eine Lösung, die die nachhaltige Kontrolle von Kosten und Erlösen, die schnelle und wirksame Kundenbetreuung sowie fundierte betriebliche Entscheidungen ermöglicht.

„Dass wir die neue SAP-Landschaft so reibungslos eingeführt haben, ist dem großen Engagement und Know-how unserer Mitarbeiter zu verdanken“, zieht IT-Bereichsleiter Reinhold Seyen Bilanz. „Ebenso hat die kompetente Unterstützung des branchenerfahrenen Beratungspartners SAP SI dazu beigetragen, dass wir die informationstechnischen und betriebswirtschaftlichen Aspekte der Verschmelzung koordinieren und den Systemverbund termintreu im Umfeld der Konzernneustrukturierung verwirklichen konnten.“

Erschienen in Ausgabe: 01/2004