Austausch von Informationen für sichere Versorgung

Markt | Gas

Studie - Engpässen wie im Februar 2012 vorzubeugen, ist wichtig. Grund genug, die Ursachen zu analysieren und auf dieser Basis Warn- und Knappheitssignale sowie Handlungsbedarf zu identifizieren.

05. November 2013

Im Gasmarkt ist durch Unbundling von Handel, Transport, Verteilung und Speicherung eine gesamtheitliche Verantwortung für die Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben. Die Marktrollen Energielieferant, Fernleitungs- und Verteilernetzbetreiber sowie Speicherbetreiber agieren weitgehend getrennt und unabhängig voneinander.

Einen zentralen Ansprechpartner für Versorgungssicherheit gibt es nicht mehr. Analog zu den wesentlichen Ressourcen ist auch der Zugriff auf die damit in Verbindung stehenden Informationen auf unterschiedliche Unternehmen verteilt. Entflochtene Unternehmen – mit gegebenenfalls unterschiedlichen Eigentümerstrukturen – haben individuelle Partikularinteressen, die nicht zwangsläufig auf die Steigerung der Versorgungssicherheit abzielen.

So die Autoren der Studie ›Korrelationsanalyse: Versorgungssicherheit und Gasmarkt‹. Erarbeitet haben diese die DBI Gas- und Umwelttechnik und die Beratungsgesellschaft Wagner, Elbling & Company. Ziel der vom DVGW in Auftrag gegebenen Studie: Mögliche Beeinflussungen zwischen Gasmarkt und Netzbetrieb identifizieren sowie Handlungsbedarf auf technischer und regulatorischer Ebene ermitteln.

Fehlende Vorgaben und Anreize

»Um die Versorgungssicherheit bei den einstmals integrierten Unternehmen aufrechtzuerhalten, ist neben der rollengerechten Verteilung der Verantwortung ein transparentes Informationsmanagement erfor-derlich. Dies muss alle Marktpartner gleichermaßen in die Lage versetzen, ihre Verantwortung präventiv wahrzunehmen«, so Herbert Bauer, Obmann im Technischen Komitee Dispatching des DVGW.

Als erster Schritt sind hierzu im Rahmen der Studie Warn- und Knappheitssignale identifiziert worden, die eine Verschärfung der Versorgungssituation frühzeitig erkennbar machen sollen. Dazu haben die Autoren die Versorgungsengpässe von 2009, 2012 und 2013 analysiert.

Demnach sind die Konsequenzen der Trennung der Verantwortlichkeiten sowie die damit einhergehende Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten und Informationsflüsse unter anderem während des Versorgungsengpasses im Februar 2012 deutlich geworden. Die Netzbetreiber konnten auf die durch reduzierten Import, sehr hohe Netzlasten innerhalb Deutschlands und überdurchschnittlichen Export hervorgerufene Engpasssituation nur durch Anwendung von nicht marktbasierten Maßnahmen nach §16 EnWG reagieren. Händler und Lieferanten konnten, mangels regulatorischer Vorgaben, nicht einbezogen werden.

Es fehlten präventive Knappheitssignale und Kommunikationsroutinen, aber auch Anreize oder Verpflichtungen, reaktive Beiträge zur Stabilisierung der Versorgungssicherheit zu leisten. »Zusammenfassend weisen wesentliche Indikatoren somit auf eine Verschlechterung des Zustands der Versorgungssicherheit hin«, so die Autoren.

Je nach Netzebene und Betriebsparametern unterscheiden sich die Reaktionszeiten, welche den Netzbetreibern im Falle einer Gasmangellage zur Verfügung stehen, so die Studie. Die Zeiten sind abhängig vom geometrischen Volumen des Netzes, dem Betriebsdruck sowie der Differenz zwischen Ein- und Ausspeisemenge. Die Versorgung der an ein beispielhaftes Fernleitungsnetz angeschlossenen Kunden wäre bei einer akuten Gasmangellage bei vollem Netzinhalt und Ausspeisung an einem normalen Wintertag noch rund eine Stunde möglich.

Begrenzt Zeit für eine Reaktion

Bei einem Verteilnetzbetreiber wäre, aufgrund der geringeren Netzvolumina und Drücke, bei demselben Szenario die Versorgung nur noch wenige Minuten gewährleistet. Die Zeit ist also begrenzt, um zu reagieren. Um die Versorgung aufrechtzuerhalten, hat der Netzbetreiber verschiedene Möglichkeiten, zu reagieren, vom Bezug von Regelenergie bis zur Unterbrechung unterbrechbarer Transportverträge.

Der Zeitaufwand einer Wiederinbetriebnahme lässt sich laut mehrerer Netzbetreiber bei hohem Personaleinsatz auf etwa eine Woche abschätzen, so die Studie. Sind Gas-Druckregelgeräte und Gasmangelsicherungen bei allen Kunden installiert, kann die Wiederinbetriebnahme schneller erfolgen.

Das verdeutlicht, welche Rolle entsprechende Warn- und Knappheitssignale spielen könnten. Die im Rahmen der Studie identifizierten Signale reichen von Wetterprognosen im Tages- bis Wochenbereich über Gaspreisentwicklungen bis zu Speicherfüllständen. Dabei sei eine Bewertung einzelner Signale nicht zielführend, so die Autoren. Ein bevorstehender Versorgungsengpass sei nur auf der Auswertung aufeinander aufbauender Einzelsignale zu beurteilen.

Die Detaillierung der Signale und ihre Umsetzung sind Gegenstand der nächsten technischen Arbeitsschritte. Weiterhin müssen Kommunikationskonzepte unter anderem auf der Basis jetzt schon öffentlich zugänglicher Informationen zur Ableitung und Verteilung der Knappheitssignale erstellt und operativ umgesetzt werden. Aus technischer Sicht sei eine Erhöhung der Versorgungssicherheit besonders durch präventives Informationsmanagement möglich.

Zudem lassen bestehende regulatorische Vorgaben etwa offen, wie die Verantwortung einzelner Marktrollen ausgestaltet sein sollte. Auch empfehlen die Autoren, die Krisenstufen des nationalen Notfallplans zu überprüfen und eine Anerkennung der Kosten von Versorgungssicherheit in der Anreizregulierung zu berücksichtigen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2013