Autostrom tanken in Spitzenzeiten

Experten sind sich einig, dass das Verteilnetz derzeit nicht auf den gleichzeitigen Anschluss von beliebig vielen Schnelladestationen ausgelegt ist; sonst wäre es bereits heute unbezahlbar, da um ein Vielfaches überdimensioniert, heißt es. Was tun? Die Antwort darauf lautet gesteuertes Laden.

11. Dezember 2017

Leistungsspitzen sind immer dann möglich, wenn mehrere E-Autos zeitgleich an einer Schnellladesäule tanken und die Säulen an einem Netzstrang hängen.

 

Aus heutiger Sicht, heißt es in Expertenkreisen, können die Leistungsspitzen bereits ab drei Fahrzeugen zu Überlastungen in dem jeweiligen Netzstrang führen.

 

Mittelspannung oder Niederspannung

 

Parkhäuser oder größere Wohnungsobjekte mit Stellplätzen sollten daher zukünftig nach Möglichkeit direkt an die Mittelspannung angeschlossen werden, damit es hier nicht zu Nutzungskonflikten kommt, heißt es.

 

Die sogenannten Supercharger von Tesla, die inzwischen an einigen Autobahnraststätten stehen, bekommen ihren Strom bereits aus dem Mittelspannungsnetz vor Ort.

 

Schnellladesäulen sind in Deutschland noch sehr selten.

 

Üblicherweise sind Ladepunkte mit einem Anschluss für 230 Volt oder 400 Volt, die an das Niederspannungsnetz angeschlossen sind.

 

Aber auch für sie gilt: Peaks im Stromverbrauch sollten vermieden und zuverlässiges Laden für große wie kleine Elektroflotten jederzeit möglich sein.

 

Intelligentes Lastmanagement

 

Der Ladesäulenhersteller Mennekes hat deshalb ein intelligentes Lastmanagement für Ladesteckdosen und Ladesäulen entwickelt.

 

„Integriert in die Ladeinfrastruktur ermöglicht es gerade zu Spitzenzeiten die optimale Netzauslastung unter Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten“, heißt es in einer Produktbeschreibung.

 

Dabei bestimmen Unternehmen oder auch Flottenbetreiber, an wie vielen Ladepunkten mit welcher Leistung geladen wird, so das Unternehmen aus Kirchhundem in Westfalen.

 

Strom laden nach Bedarf

 

„In Phasen, in denen viele Fahrzeuge gleichzeitig laden, bietet das Lastmanagement Betriebssicherheit. Solange ausreichend Strom für alle angeschlossenen Fahrzeuge zur Verfügung steht, können diese mit voller Leistung geladen werden“, heißt es.

 

Überschreitet die Summe der Ströme aller genutzten Ladepunkte die Vorgabe eines maximalen Stromwertes, greift das Lastmanagement ein, so Mennekes.

 

„Die Ladeströme für die genutzten Ladepunkte werden reduziert. Außerdem ist sichergestellt, dass an jedem Ladepunkt der Wert eines einstellbaren Mindeststroms nicht unterschritten wird.“

 

So gewährleiste das Lastmanagement hohe Verfügbarkeit und Betriebssicherheit. Kostspielige Leistungsspitzen in der Stromversorgung lassen sich laut Mennekes auf diese Weise vermeiden.

 

Flexible Flotten-Lösung

 

Sukzessive größer werdende E-Autoflotten profitieren ebenfalls vom intelligenten Lastmanagement.

 

Neben Firmenflotten ist dieses interessant für Hotelparkplätze, Parkhäuser oder die Parkflächen von Gewerbe- und Mietimmobilien.

 

Bei bereits vorhandener vernetzter Ladeinfrastruktur ist das Lastmanagement auch nachträglich integrierbar.

Die einzelnen Ladepunkte sind den Angaben zufolge mit dem gleichen eMobility-Gateway vernetzt, welches das Lastmanagement beinhaltet. Dieses Gateway ist als separates Gerät erhältlich oder ist bei den Ladesystemen Smart bereits integriert.

 

"So agiert etwa bei größeren Mitarbeiterparkplätzen und vernetzter Ladeinfrastruktur die Smart Ladesäule von Mennekes als Master für bis zu 16 Satelliten", so das Unternehmen.

 

Wachstumsmarkt E-Flottenmanagement

 

Einer der ersten Anbieter auf dem jungen Markt für E-Flottenmanagement ist EWE. Im Frühjahr kündigte das Unternehmen aus Oldenburg an, künftig die Autos mit E-Antrieb im Fahrzeugpool von SAP zu verwalten.

 

Für Details siehe den Beitrag "Umsteigen leicht gemacht", der in Energiespektrum 9/17 erschien.