"Banken fehlt oft das Know-how"

VfW unterstützt Finanzierung von Contractingprojekten

Die Finanzierung von Energieanlagen für Contractingprojekte stellt viele Unternehmen vor Probleme. Der Verband für Wärmelieferung (VfW) bietet hier Unterstützung an, etwa bei der Zusammenarbeit mit Banken. Birgit Arnold vom VfW erläuterte uns im Gespräch das Angebot.

28. November 2004

ES:Viele reden derzeit vom Boom im Contracting-Bereich mit Wachstumsraten von 20 % pro Jahr und mehr. Teilen Sie diese euphorische Einschätzung?

In der Tat gibt es in der Contracting-Branche Zuwachsraten, die weit über dem üblichen Trend der gesamtdeutschen Wirtschaft liegen. Unsere jährlicheMitgliederbefragung ergab, daß die Unternehmen im Jahr 2003 durchschnittlich 16 % Vertragszuwachs verzeichneten. Einige liegen auch über dem angesprochenen 20 %igen Zuwachs. Trotzdem brechen wir nicht in Euphorie aus, da es noch viele Hemmnisse, vor allem juristischer Natur, gibt und auch der Bekanntheitsgrad noch erhöht werden muß.

ES: Vor allem bei Industrieprojekten liegt noch viel Potential. Was sind die Gründe dafür, daß es hier nicht wie in anderen Ländern richtig vorangeht?

Ein großes Problem bei der Projektrealisierung im Industriebereich besteht in dem Ausfallrisiko des Contractingnehmers, also dem Industriebetrieb. Die Insolvenzgefahr stellt das größte Risiko dar. Außerdem werden die Anlagen meistens über sehr lange Laufzeiten refinanziert. Ändern sich in diesem Zeitraum bestimmte Bedingungen, wie die Produktion eines energieaufwendigen Gutes, kann die Wirtschaftlichkeit verloren gehen. Es gibt Lösungsansätze, um die Risiken zu minimieren. Diese setzen aber eine hohe finanzielle und fachliche Flexibilität des Contractors voraus.

ES:Was sind hier die größten Probleme bei der Finanzierung?

Viele Banken können die Projekte und deren Sicherheiten nicht abschätzen. Es fehlt ihnen schlicht und einfach das nötige Know-how. Außerdem kann die Finanzierung auf Bonitätsbasis zum Problem für den Contractor werden. Hat er erstmal mehrere Projekte finanziert, wird seine Eigenkapitalquote stark fallen und er bekommt dann keine weiteren Finanzierungen. Dieses Problem läßt sich über eine Leasingfinanzierung umgehen, da die Anlage dann nicht in der Bilanz des Contractors er scheint und somit keinen Einfluß auf seine Eigenkapitalquote hat.

ES:Die Banken wollen bei Krediten insbesondere von Unternehmen immer größere Sicherheiten. Wie sieht dies bei Contracting aus?

Um den gewachsenen Anforderungen nach Basel II gerecht zu werden, empfiehlt sich die bereits erwähnte Leasingfinanzierung. Die Sicherheiten um einen Contractingvertrag sind immer projektspezifisch. Einige Möglichkeiten sind zum Beispiel: Bankbürgschaften, Grundbucheinträge, Dienstbarkeiten, mobile Heizstationen, Mietzinsabtretungen und viele weitere. Zu beachten ist aber, daß für jedes einzelne Projekt abgeschätzt werden muß, welche Maßnahmen getroffen werden.

ES: Bekommt man denn von jeder Bank eine Finanzierung?

Mit der entsprechend hohen Bonität wahrscheinlich schon, aber nach unserer Erfahrung finanziert nicht jede Bank ein Energielieferprojekt.

ES: Welche Banken sind hier besonders zugänglich?

Der VfW kooperiert mit der SüdLeasing, der Gallinat Leasing und der sächsischen Aufbaubank. Das besondere bei diesen Banken ist, daß sie eine Finanzierung auf Grundlage der Projektsicherheiten anbieten. Um diese Finanzierung zu bekommen, muß der Energielieferant das Projekt durch den Verband für Wärmelieferung auf Plausibilität prüfen lassen. Dazu muß der Lieferant das Vertragswerk, die Preiskalkulation und alle anderen vertragsrelevanten Unterlagen einreichen und prüfen lassen. Wenn das Projekt plausibel ist, gibt der VfW eine Weiterbetriebsgarantie der Anlage über die gesamte Laufzeit ab. So kann das Mitglied theoretisch beliebig viele Projekte finanzieren.

ES: Welche Strategien gibt es beim Ausfall des Contractors?

Sollte der Contractor ausfallen und das Projekt hat eine Weiterbetriebsgarantie des VfW, wird sofort die Kooperationsfirma des Verbandes VfW Service GmbH als Treuhänder einspringen und für die störungsfreie Versorgung mit Energie sorgen. Im weiteren Verlauf wird dieses Projekte auf eines der Mitglieder des Verbandes übertragen. In der Praxis hat sich dieses System bereits mehrfach bewährt. Liegt keine Weiterbetriebsgarantie vor, ist es Aufgabe des Insolvenzverwalters oder des Leasinggebers über den Verbleib der Anlage zu entscheiden.

ES:Wie sieht es in dem Falle aus, wenn der Projektpartner (Kunde) ausfällt?

Sollte der Kunde des Contractors ausfallen, greifen die Sicherungsmaßnahmen des Energieliefervertrages. Dabei ist besonders auf die Eigentumssicherung der Anlage zu achten, da ein Insolvenzverwalter bei Veräußerung der Immobilie auch die Anlage mit verkaufen würde. Die Verträge, die der VfW seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt, berücksichtigen dies und werden darüber hinaus laufend aktualisiert und sind rund um die Uhr für Mitglieder im Internet abrufbar.

ES: Vor allem die aktuelle Förderpolitik, wie KWK oder EEG, soll Projekte attraktiver machen. Wie sehen Sie den Einfluß? Sorgt dies für Belebung?

Die neue Gesetzgebung bietet viele Möglichkeiten regenerative Energien wirtschaftlich zu nutzen. Grundsätzlich funktioniert Energiecontracting auch mit herkömmlichen Energieträgern wie Gas und Öl. Aber ich denke, daß das Energiecontracting ein sehr interessantes Mittel ist, um neue, innovative und ökologische Projekte zu realisieren. Auch im Verband gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die erfolgreich auf regenerative Energien setzen.

ES:Wird sich die Lage zukünftig entspannen, wenn Contracting auch einen größeren Bekanntheitsgrad erlangt hat, oder wird die Situation aufgrund weiterer Zurückhaltung der Banken eher problematischer?

Der Verband für Wärmelieferung sieht positiv in die Zukunft. Man sollte beachten, daß die Energiecontracting- Branche noch relativ jung ist. Das ganze Konzept wurde ja erst vor knapp 15 Jahren entwickelt und hat sich seitdem weiterentwickelt. Auch der Bekanntheitsgrad des Energiecontractings hat schon deutlich zugenommen. Trotzdem werden wir weiter aktiv tätig sein, die Bekanntheit zu erhöhen. Dazu gehört auch die ständige tagesaktuelle Pflege der mit 300 durchschnittlichen Besuchern pro Tag stark besuchten Website www.energiecontracting.de.

Erschienen in Ausgabe: 12/2004