Basis für neue Tarifmodelle

Lastgänge preiswert ermitteln mit Consumer Metering System

Das Unternehmenstrio BTR, Gedos und Wilken bietet mit dem Consumer Metering System ein flexibles, durchgängiges System für Energieversorgungsunternehmen mit moderner Kommunikationstechnologie an. Kern des Systems ist ein preiswertes Datenerfassungsmodul, das eine zeitnahe Fernablesung des Verbrauchs auch ohne Austausch des Zählers erlaubt.

28. Juni 2001

Nur mit teuren Lösungen gelang es bisher, Viertelstundenwerte des Verbrauchs zu erheben. Elektronische Zähler beispielsweise kommen deswegen hauptsächlich in der Industrie zur Anwendungen. Für Kleingewerbe und Privathaushalte musste meist der ein Mal im Jahr abgelesene Energieverbrauch genügen, denn bei dieser Kundengruppe war das Erfassen von Lastgängen bisher nicht wirtschaftlich. Produkte, wie Best-Price-Tarife und Happy-Hour-Offerten, konnten daher nicht für den Privatkundenbereich umgesetzt werden, denn wie hätte der Verbrauch binnen der Happy Hour ermittelt werden sollen.

Hinter dem Begriff Consumer Metering System versteckt sich eine Komplettlösung zum Erfassen, Übermitteln und Auswerten von Lastprofilen jeder Art, egal ob Strom, Gas, Wärme oder Wasser. Thomas Pfeiffer von der Gedos mbH, Würzburg, erläutert das System: „Zum Beispiel mit Hilfe einer preiswerten optischen Ausleseeinheit ermitteln wir den Lastgang und leiten ihn über M-Bus-Technik an die sogenannte Data Control Unit - kurz DCU. Somit müssen im Netz befindliche Zähler nicht zwangsläufig ausgetauscht werden. Diese versendet die Daten gesammelt zum Energieversorger. Der Versorger kann sie dann mit Hilfe der Wilken-Software auswerten.“

Die Datenübermittlung zwischen DCU und Versorger kann via ISDN oder auch analoge Telefonleitungen erfolgen. Funkübertragung (GSM) oder die Powerline Communication kommen als Kommunikationswege ebenso in Frage. Dabei können der Lastgang, der Zählerstand oder die Anzahl der Impulse an das auswertende System übertragen werden.

Für eine hohe Akzeptanz des Systems sollen der einfache Einbau sowie die flexible Einsatzmöglichkeit sorgen: „Die DCU hat unser Partner, die Blumberger Telefon und Relais Vertriebs-GmbH, so konstruiert, dass marktübliche Zählwerke - ob mit S0, M-Bus-oder CS-Schnittstelle - angeschlossen werden können, für Zähler mit elektromagnetischer Drehscheibe optional auch ein Lesekopf, der nur auf die Glasscheibe des Zählers montiert werden muss. Aufwändiges Verdrahten ist nicht notwendig, erklärt Konrad Lehmann, zuständig für Marketing bei der Wilken GmbH, Ulm.

Vermarktet wird das Consumer Metering System durch die Gedos. Pfeiffer und seine Kollegen kennen also die häufigsten Fragen ihrer Ansprechpartner. „Das Hauptaugenmerk gilt der Zuverlässigkeit, der Durchgängigkeit und dem Preis.“ Hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Messwerte lässt das Consumer Metering System nichts zu wünschen übrig, dafür bürgt die Eichung. Die Durchgängigkeit ist durch das einwandfreie Zusammenspiel aller Komponenten, wodurch sich die Schnittstellenproblematik erheblich reduziert, gegeben. Überzeugend sei auch der Preis, sagt Pfeiffer, denn die Kosten für die Ermittlung eines Lastganges können unter 5 € liegen.

„Wie teuer die Installation im Einzelfall wird, hängt von der jeweiligen Dichte der angeschlossenen Zähler ab“, erläutert Lehmann. „An die DCU können wir bis zu 250 Zählwerke anhängen, wobei der Abstand zwischen Zähler und DCU zehn Kilometer nicht überschreiten darf. Bei Ausschöpfen aller DCU-Eingänge kommen wir in die Größenordnung von wenigen Euro pro Zählwerk“, versichert der Marketing-Profi. Beispiele für eine solch hohe Installationsdichte sind Krankenhäuser oder Hochhäuser sowie städtische Siedlungen.

Mit einem Feldversuch tritt das Unternehmenstrio derzeit den Beweis an, dass ihr Consumer Metering System auch praxistauglich ist. Bei dem Feldtest werden die Lastprofile von Gewerbebetrieben gemessen und ausgewertet. An dem positiven Ausgang des Versuchs haben Lehmann und seine Kollegen keinen Zweifel. Schon auf der CeBIT im März kündigte der Marketing-Stratege die Einführung eines Massenprodukts an: „Im August etwa werden wir die Serienfertigung starten.“

Erschienen in Ausgabe: 05/2001