Baukasten der Moderne: LED-Förderprogramm

Technik - Straßenlicht

Außenbeleuchtung. Die Bundesregierung fördert erneut die Modernisierung der Straßenbeleuchtung. Der Bedarf ist groß. Jahrzehnte herrschte Modernisierungsstau. Die Industrie bietet Produkte an, damit Kommunen ja nach Bedarf und Budget investieren können.

01. März 2016

Der technische Fortschritt hat die Straßen- und Wegebeleuchtung in Deutschland zu einem Sanierungsfall gemacht. Zu alt, zu teuer, zu dunkel, zu hell, schlecht für Insekten: die Liste dessen, was der Straßenbeleuchtung im Bestand heute vorgeworfen wird, ist lang. Zu recht, weil die Vorteile der Leuchtdiode herkömmliche Leuchtmittel mit Entladungstechnik wie Quecksilberdampflampen oder Kompaktleuchtstofflampen ganz alt aussehen lassen. Aber die Kritik ist auch unfair. Jahrzehntelang tat sich wenig beim Straßenlicht. Nicht von ungefähr sind viele Leuchten heute 30 Jahre und mehr in Betrieb. Warum hätte man sie modernisieren sollen? Es gab lange nichts anderes als jene Technik, die vielfach bereits installiert war.

Innovationen

Jetzt ist mit der LED eine neue Zeitrechnung angebrochen. Das sorgt für viel Bewegung auf dem Markt. Auch die Digitalisierung trägt ihren Teil dazu bei. Intelligente Technik und Produkte liegen im Trend. Das führt zu nützlichen Innovationen. Kommunen können die Modernisierung der kommunalen Lichtinfrastruktur individuell anzupacken, je nach Bedarf, Haushaltslage oder Bebauungsplänen.

Sollen nur die HQL-Leuchtmittel ausgetauscht werden, bieten sich sogenannte Retrofit-Lösungen an. Die Firma Eurolighting bietet seit Kurzem ein LED-Modul als Ersatz für HQL- und NAV-Leuchtmittel, das nur in die E-40-Fassung einer Bestandsleuchte eingeschraubt werden muss. Das Überbrücken der Vorschaltgeräte in den Leuchten sei nicht erforderlich, so der Hersteller in einer Produktbeschreibung; bislang war das immer nötig und machte den Leuchtmitteltausch vergleichsweise zeitaufwendig.

Retrofit

Ein spezielles Einschaltspannungsbegrenzungsmodul ist in die sogenannten Cornbulbs von Eurolighting fest eingebaut, ein Abklemmen der Vorschaltgeräte erübrigt sich dadurch. Dieses zum Patent angemeldete Modul absorbiert die Zündimpulse für HQL oder NAV und liefert einen Wechselstrom von 230V an das Netzteil der Cornbulb, so das Unternehmen. Das neue Produkt soll ab März lieferbar sein.

Die Firma Schuch hat eine Leuchte entwickelt, die typisch für die beiden Trends in der Straßenbeleuchtung ist: LED und digitale Zusatzfunktionen. Die neue Außenleuchte 48 ist ab Werk mit Sensoren ausgestattet, die in ein Lichtmanagementsystem eingebunden werden können. Immer mehr Kommunen nutzen die Option, die Leistung der Beleuchtung herunterzufahren und an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Fährt ein Fahrzeug auf der Straße oder spaziert ein Fußgänger zur späten Stunde auf dem Trottoir, wird der Verkehrsteilnehmer vom Sensor erkannt und das Licht leuchtet in voller Stärke auf. Der Steuerungsimpuls wird der nächsten Leuchte weitergegeben. Schuch liefert die Leuchte mit einem universellen Befestigungssystem für Maste von 42, 60 und 76 mm Durchmesser.

Qualität und Langlebigkeit zählen

Damit eignet sich die Leuchte auch für Nachrüstungen im Bestand. Der Leuchtenkopf wird erneuert, der Mast nicht. »Wenn der Mast noch brauchbar ist, wird in der Regel nur der Leuchtenkopf modernisiert«, sagt Robert Feldberg von den Stadtwerken Burg in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen ist bundesweit als Dienstleister für Straßenbeleuchtung tätig. Jüngst hat das Unternehmen in Neuenhofe bei Magdeburg rund 80 Lichtpunkte auf LED-Technik umgerüstet und die Bestandsmasten verwendet. Weitere 27 Lichtpunkte entlang der Neuenhofer Hauptstraße wurden komplett erneuert.

Die Kommune hatte entlang der Straße Versorgungsleitungen sowie den Straßenbelag modernisiert. »In solchen Fällen lohnt es sich, auch neue Leitungen zu verlegen und Masten zu setzen«, sagt Feldberg. Er achtet bei der Auswahl der Leuchten auf Nachhaltigkeit im Sinne von Qualität und Langlebigkeit. »Gewährleistung, Ersatzteillieferung und Zuverlässigkeit müssen stimmen«, sagt Feldberg. Zu recht.

Die Lichttechnik ist voraussichtlich 30 Jahre und länger Wind und Wetter ausgesetzt. Das muss das Material aushalten. Es ist auch die Messlatte für neue Anbieter und deren Produkte. Feldberg testet Neuheiten ausgiebig und entscheidet dann, ob er sie bei Kunden installiert. Osram ist bereits Jahrzehnte im Geschäft und eine feste Größe; davon profitiert auch die Osram-Tochter Siteco. Das Unternehmen hat sich auf öffentliche Beleuchtung und Objektbeleuchtung spezialisiert.

Siteco bietet sowohl neue Leuchten als auch Umrüstsätze für Bestandsleuchten an. In Bensheim an der Bergstraße ließ die Stadtverwaltung rund 3.400 Lichtpunkte auf LED-Technik von Siteco umrüsten. Entlang der Hauptverkehrsstraßen setzte ein Dienstleister neue Leuchten; in der Fußgängerzone wurden 400 Bestandsleuchten mit neuem Innenleben ausgestattet. »Im Vergleich zur vorher eingesetzten NAV-Technik sorgt die LED-Lösung für eine bessere Farbwiedergabe und eine verbesserte Lichtqualität«, heißt es in einer Siteco-Mitteilung.

Licht, Daten und mehr

Ganz neu auf dem Markt ist die Firma Smight, ein Start-up des EnBW-Konzerns. Smight hat die beiden Trends LED und Digitalisierung zugrunde gelegt und intelligente Infrastrukturtechnik entwickelt, die Licht, Daten und Mehrwerte liefert. LED-Lampen spenden Licht, die Masten dienen zusätzlich auch als Ladestation für E-Fahrzeuge. Außerdem sind sie den Angaben zufolge mit einem Notrufknopf und Sensorik für die Erfassung von Umweltdaten ausgestattet. Optional kann auch ein WLAN-Hotspot integriert werden.

Hilfe bei Parkplatzsuche

Auch Parkraummanagement, Smartphone Tracking und Verkehrszählung sind mit der neuen Technik möglich. Intelligente Infrastruktur gilt zudem als wichtige Voraussetzung für das autonome Fahren. Das Unternehmen bietet unter anderem ein WLAN-Modul in Form einer Manschette für die Nachrüstung von Bestandsmasten. Es wäre die Basis für ein öffentliches WLAN. Die Smight-Leuchten sind modular aufgebaut, je nach Funktion.

Das Potenzial für neue Technik ist nach wie vor groß: 300Mio.€ Stromkosten pro Jahr könnten deutsche Kommunen durch eine Modernisierung der Straßenbeleuchtung einsparen, schätzen Experten. (hd)

 

LED-Förderprogramm

Das Bundesumweltministerium hat die Kommunalrichtlinie novelliert. Eine zentrale Änderung ist die Wiederaufnahme des Förderschwerpunktes LED-Außen- und Straßenbeleuchtung sowie LED-Innen- und Hallenbeleuchtung:

Bei der LED-Außen- und Straßenbeleuchtung beläuft sich die Förderung auf 20% (in Verbindung mit einer Steuerungs- und Regelungstechnologie 25%).

Bei der LED-Innen- und Hallenbeleuchtung in Verbindung mit einer Steuerungs- und Regelungstechnologie beläuft sich die Förderung auf 30%.

Infos unter

Erschienen in Ausgabe: 02/2016