Begriffliche Basis geschaffen

Einheitliche Contracting-Definitionen in Sicht

Licht ins Dunkel des Begriffsdickichts „Contracting“ sollen Definitionen liefern, die der Verband für Wärmelieferung e.V. (VfW) erarbeitet hat. Der Beitrag beschreibt, was unter den wichtigsten Varianten des Contracting zu verstehen ist.

21. Januar 2003

Das Klagelied kann fast jeder mitsingen, der sich im Contracting-Geschäft bewegt: Anlagen-Contracting, Energie-Contracting, Energielieferungs-Contracting, Performance-Contracting... Der Begriffe gibt es viele, aber nur wenige, die wissen, was sie bedeuten. Auch der Blick ins Lexikon hilft nicht viel weiter: „Contract“ bedeutet „Vertrag“ und demnach heißt „Contracting“ soviel wie „Vertrag abschließen“. Daher gibt es immer wieder Verwirrungen, wenn Vertragspartner von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen. Insbesondere in einer Ausschreibung oder Angebotsabfrage ist entscheidend, dass dem Energiedienstleistungsunternehmen eine ausreichende Grundlage zur Kalkulation seines Angebotes gegeben wird. Leider sind zu viele Ausschreibungen ungenau: Sie beschreiben zwar - oft auch recht umfangreich - die geforderte Leistung, weisen jedoch keine exakt definierten Leistungsschnittstellen auf, lassen zu viele Fragen unbeantwortet und machen mithin einen Vergleich mehrerer Angebote unmöglich.

Resultierend aus diesen Erfahrungen hat der Verband für Wärmelieferung e.V. (VfW), der sich nun schon seit vielen Jahren mit allen Fragen rund um das Contracting beschäftigt, eine Vereinheitlichung der Definitionen angestrebt. Er ist mit Dr.-Ing. Sylvia Schädlich als Vorstandsmitglied und mehreren Mitgliedsfirmen im Arbeitskreis des Deutschen Instituts für Normung e.V. (DIN) vertreten, in dem gemeinsam mit weiteren Beteiligten von Verbänden und aus der Industrie eine Vereinheitlichung der Contracting-Definitionen angestrebt wird.

Bereits im Vorfeld wurden unter Beteiligung der Mitgliedsfirmen wichtige Kennzeichen der einzelnen Conracting-Varianten - Anlagen-Contracting (auch Energielieferungs-Contracting genannt), Einspar-Contracting (auch Performance-Contracting genannt) und das Betriebsführungs-Contracting - erarbeitet und zur Diskussion gestellt. Diese sollen hier kurz vorgestellt und erläutert werden.

Anlagen-Contracting: Bei dieser Variante beauftragt der Kunde als Energieabnehmer, also zum Beispiel ein Hausbesitzer, den Contractor (also ein Energiedienstleistungsunternehmen, kurz EDU), das ihm Nutzenergie in Form von Wärme, Kälte, Strom oder ähnlichem liefern soll. Zu diesem Zweck plant, baut, finanziert, betreibt und wartet der Contractor eine Energieerzeugungsanlage und eventuell auch periphere Anlagen auf sein Risiko. Diese Anlage verbleibt im Eigentum des Contractors. Der Kunde stellt dem Contractor für die Dauer des Vertrages entsprechende Räumlichkeiten und Rechte (Wegerecht, Grunddienstbarkeit et cetera) meist gegen Berechnung einer Miete oder Pacht zur vertraglichen Nutzung zur Verfügung.

Die Preise für die Nutzenergielieferungen sind projektbezogen kalkuliert und werden in der Regel aufgeteilt in einen Grund-, einen Arbeits- und eventuell noch einen Messpreis. Dabei sind im Grundpreis die verbrauchsunabhängigen Bestandteile enthalten, die die Betriebsbereitschaft der Anlage sicherstellen, zum Beispiel Investition, Wartung, Reparatur, Verwaltung und Versicherung. Der Arbeitspreis umfasst die verbrauchsgebundenen Kosten für Brennstoffe und Stromverbrauch. Der Messpreis, der Zählerkosten, Abrechnung und Eichkosten enthält, kann entweder separat berechnet werden oder bereits im Grundpreis enthalten sein. Die für die Wärme vereinbarte Vergütung ist nicht abhängig von der mit der Energieerzeugungsanlage erzielten Primärenergieeinsparung.

Einspar-Contracting: Hierbei geht es um das Realisieren einer Energieeinsparung bei bereits bestehenden Anlagen, wobei diese teilweise erneuert oder um weitere Komponenten ergänzt werden. Die Basis für die Kostenrechnung des Contractors bildet der vorgefundene Ist-Zustand mit den entsprechenden Energiekosten und -verbrauchswerten. Durch Ersatz alter beziehungsweise Installation neuer Anlagenkomponenten (etwa im Bereich Beleuchtung, Heizung/Klima/Lüftung, Wärmerückgewinnung) durch Optimieren von Steuerungs- und Regelungssystemen (zum Beispiel Gebäudeleittechnik, Lastmanagementanlagen) werden Reduzierungen des Energiebezugs und der Energieverbrauchskosten erzielt. Diese eingesparten Energiekosten bilden die Grundlage für die Finanzierung der Investitionsmaßnahmen, wobei der Contractor dem Kunden eine bestimmte Kosteneinsparung innerhalb der Vertragslaufzeit garantiert. Die eingesparten Energiekosten zahlt der Energienutzer für eine vertraglich festgelegte Dauer weiter an den Contractor, der aus der Differenz zwischen den Referenzkosten und den jetzigen Energiekosten die Investitions- und Betriebskosten finanziert.

Betriebsführungs-Contracting: Beim Betriebsführungs-Contracting lässt der Kunde eine ihm eigentumsrechtlich gehörende technische Anlage von einem spezialisierten Dritten -dem Contractor- wirtschaftlich sinnvoll und kostensparend betreiben. Der Contractor übernimmt keine investiven Maßnahmen, sondern erbringt lediglich eine Dienstleistung für den Anlagenbetrieb, wobei die Minimierung der Betriebskosten im Vordergrund steht. Je nach Vertragslage übernimmt der Contractor während der Vertragsdauer das Instandhaltungs- und Ersatzanschaffungsrisiko ganz, nur teilweise oder gar nicht. Meist haben Vereinbarungen zum Betriebsführungs-Contracting den Charakter von Wartungs- oder Vollwartungsverträgen.

Neben diesen „Reinformen“ des Contracting existieren noch zahlreiche Mischformen, bei denen einzelne Merkmale kombiniert werden. Der DIN-Arbeitskreis beschränkt sich auch zunächst auf die Definitionen der „Reinformen“, um möglichst schnell zu einem ersten Entwurf der Norm zu gelangen. An die Verabschiedung der DIN-Norm mit dem Arbeitstitel „Kälteanlagen und Wärmepumpen - Terminologie, Teil 5 Contracting“ knüpft sich auch die Hoffnung, dass die Festlegung der Definitionen allen beteiligten Vertragsparteien mehr Rechtssicherheit geben wird. Dies könnte dazu beitragen, das von vielen Studien und Fachleuten prognostizierte Wachstumspotenzial in dieser Branche nun endlich auszuschöpfen.

Weitere Informationen unter www.energiecontracting.de oder direkt bei der Geschäftsstelle des Verbandes für Wärmelieferung e. V. unter Tel. 05 11/3 65 90-0, Fax 05 11/3 65 90-19.

Erschienen in Ausgabe: 06/2002