Beispielhafte Effizienz

Technik

Hannover. - Im Mai hat AS Solar sein Plusenergie-Firmengebäude vorgestellt. Es erzeugt mehr Energie als es verbraucht und ist damit ein Beispiel für die Zukunft des Energiesparens in Großgebäuden.

26. September 2011

Zu diesem eindrucksvollen Ergebnis tragen die energetische Sanierung der Gebäudehülle auf Passivhaus-Standard, die Umsetzung einer auf die reduzierten Lastverhältnisse angepassten Heizungsanlage sowie die Integration einer Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung und die Installation von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen bei. Auch die CO2-Bilanz kann sich sehen lassen. Gerade hier zeigt sich, welche energetischen Einsparpotenziale über eine abgestimmte Auswahl und sinnvolle Kombination von passiven Maßnahmen und aktiven technischen Komponenten eines Gebäudes bestehen. Der Gebäudekomplex wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut und wurde bis Anfang der 80er Jahre von Telefunken für die Produktion von Fernsehgeräten genutzt. Anschließend war es Sitz einer Großdruckerei, wurde bis zum Jahr 2000 teilweise durch Speditionen genutzt und stand dann leer. Vandalismus setzte ihm schwer zu.

In der Energieeinsparung und Ressourcenschonung durch die fachgerechte Sanierung von Altbauten sieht AS Solar die größte Herausforderung für Wirtschaft und Energiepolitik. „Wir haben mit einer Investition von 7,5 Mio. Euro ein weltweit einzigartiges Plusenergie-Industriegebäude für Büro, Produktion und Lager geschaffen, das mit einem Umfang von 12.500 qm für bis zu 240 Mitarbeiter eines der größten Projekte seiner Art und ein energiewirtschaftliches Leitprojekt ist“, erläuterte Geschäftsführer Gerd Pommerien. Die Heizwärme und Klimatisierung erfolgt vollständig durch Sonnenenergie und Biomasse.

Der erzeugte Solarstrom übersteigt den eigenen Bedarf bei Weitem und wird ins Netz eingespeist. Bis zu 80 Haushalte können davon profitieren. Zudem plant das Unternehmen eine Solartankstelle mit 76 Stellplätzen vor der eigenen Haustür. Wegen des Modellcharakters des Projektes erhielt AS Solar Zuschüsse vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 100.000 Euro. Im Erdgeschoss des Gebäudes wurden zwei Seminarräume, eine Versorgungsküche, das Bistro und im nördlichen Teil ein „Technik-Showroom“ untergebracht. Im Zwischengeschoss werden Büroräume sowie Toiletten, Duschen und Sozialräume in den Bestand integriert.

Der nach den Anforderungen der EnEV errichtete Fertigungsbereich grenzt direkt an den Bürobereich im Zwischengeschoss an. Der Lagerbereich soll ohne weitere Wärmeschutzmaßnahmen umgesetzt und nicht beheizt werden. Das Obergeschoss wurde komplett als Bürobereich umgebaut. Alle als Büro sowie büroähnlich genutzten Bereiche werden im Passivhaus-Standard mit einem sehr guten baulichen Wärmeschutz und einem Zielwert der Wärmeleistung von etwa 10 Watt pro Quadratmeter ausgeführt. Passive solare Gewinne werden durch die Erhöhung der Fensterflächenanteile sowie zentral im Grundriss angeordnete großzügige Lichthöfe ermöglicht.

Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt aus regenerativen Energieträgern. Zur Beheizung werden Holzpellet-Heizkessel mit einer thermischen Solaranlage aus Vakuum-Röhrenkollektoren (150 Quadratmeter Aperturfläche) an den West-, Süd- und Ostfassaden kombiniert. Über eine Sorptionskältemaschine mit 30 Kilowatt Kälteleistung, gespeist aus der thermischen Solaranlage, wird gekühlt.

Entwickelt und erprobt werden erstmals zwei Varianten von Hochtemperatur-Wärmespeichern für die klimatechnische Anwendung in Büro- und Privatgebäuden. Daneben wird ein vorhandener Sprinklertank mit einem Volumen von etwa 30 Kubikmetern als Niedrigtemperaturwärmespeicher genutzt.

Ein übergeordnetes Regelsystem für die Anlagentechnik wird entwickelt und in das System eingebunden. Über die Stromlieferung einer auf dem Dach angeordneten großflächigen PV-Anlage und der noch zu errichtenden Carport-Anlage wird bilanziell ein „Plusenergiestandard“ erreicht.

Hintergrund

Alle solaren Produkte, die bei der Sanierung zum Einsatz gekommen sind, werden von AS Solar vertrieben. Der Fachgroßhandel entwickelt zudem eigene Produkte zur Überwachung von Solaranlagen und forscht zusammen mit der Leibniz Universität Hannover an der Entwicklung eines Systems zur solaren Kühlung. Zudem gibt das Unternehmen sein Know-how in einer eigenen Akademie weiter, sowohl in Deutschland als auch im Ausland.