„Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit“

Dena und VDMA starten neue Effizienz-Kampagne

Der Energiebedarf elektrischer Maschinen in Unternehmen läßt sich noch immer um bis zu 30 % senken. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) und der VDMA haben deshalb die Kampagne ‚Energieeffiziente Systeme in Industrie und Gewerbe‘ gestartet. Energie Spektrum sprach mit dena-Chef Stephan Kohler.

29. Juni 2005

ES: Nach ‚Druckluft effizient’ und weiteren Maßnahmen startet jetzt eine neue Kampagne. Was ist das wirklich Neue?

Die Kampagne adressiert nicht nur die technisch Verantwortlichen in den Unternehmen, sondern sie zielt auf eine anwendergruppen-spezifische Kommunikation von Angeboten, an Techniker, an Produktionsverantwortliche, an den Einkauf oder das Controlling ab. Dabei spielen insbesondere die Betrachtung von Gesamtsystemen und Anlagenlebenszyklen eine wichtige Rolle. Das Projekt zielt konkret auf die Optimierung derjeniger Arbeitsmaschinen, die durch das europäische ‚Motor Challenge Programme‘ adressiert werden: Energieeinsparungen im Bereich elektrisch angetriebener Pumpen-, Ventilatoren- und Kompressoren.

ES: Bei vielen Unternehmen liegt der Energiekostenanteil im unteren einstelligen Bereich. Wie wollen Sie diese davon überzeugen, gerade hier beim Sparen anzusetzen?

Eine Reduktion der Energiekosten kann auch dann, wenn es sich nur um einen geringen Anteil an den Gesamtkosten handelt, einen entscheidenden Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit leisten. Gerade wenn die Margen schwinden, Personalkosten weitgehend optimiert sind und sich der Energieverbrauch zügig und ohne zu große Eingriffe reduzieren läßt, kann eine Anhebung der Umsatzrendite von ein bis zwei Prozent ausschlaggebend sein. Dies findet man nicht selten vor, auch wenn die absoluten Energiekosten vergleichsweise marginal erscheinen.

ES: Dies bedeutet für die Unternehmen zuerst einmal Investitionen zu tätigen. Wie wollen Sie diese dazu bewegen?

Der Anteil der für Energieeffizienzmaßnahmen zusätzlich benötigten Mittel, ist in der Regel vergleichsweise gering. Wir wollen die Unternehmen überzeugen, daß Investitionen in solche Betriebsmittel, die Wettbewerbsfähigkeit des Investors steigern. Diese Argumentation hilft im Gespräch mit Finanzierungsgebern, um entsprechende Berücksichtigung in den Finanzierungskonditionen zu erhalten. Darüber hinaus existieren am Markt Komplettlösungen, etwa in Form des Einspar-Contracting. Warum sollten Unternehmen Zusatzinvestitionen in hoch rentable Effizienzmaßnahmen mit einer vergleichsweise geringen Kapitalbindung, aber mit Kapitalrenditen von zumeist über 20 %, nicht tätigen?

ES: Mit welchen staatlichen Fördermaßnahmen können Sie hier locken?

Für hoch rentable Projekte werden in den Betrieben keine staatlichen Fördermaßnahmen benötigt. Die Kapitalmärkte können benötigte Investitionssummen momentan ohne Probleme und zu attraktiven Konditionen bereitstellen. Hindernisse für entsprechende Innovationen in den Unternehmen liegen an anderer Stelle, und können durch finanzielle Fördermaßnahmen, nicht beseitigt werden. Diese führen eher zu einer Situation, die dem eigenverantwortlichen Handeln der Entscheidungsträger abträglich ist. Auf der anderen Seite stellt die Unterstützung dieser Kampagne durch das BMWA eine Fördermaßnahme dar, die dort ansetzt, wo es sinnvoll ist. Unmittelbare Beratung der Endanwender führt dazu, daß diese motiviert sind, Effizienzmaßnahmen umzusetzen.

ES: Mit welchen Return-on-Invest-Zeiten rechnen Sie?

Wir stufen aufgrund der von Anwendern häufig benannten Erwartungen Investitionen mit einem ROI von ein bis drei Jahren als wirtschaftlich ein. Das dies im Einzelfall auch von der Investitionshöhe und damit der Kapitalbindung abhängt ist selbstverständlich. Zu berücksichtigen ist jedoch, daß sehr kurze Amortisationszeiten aufgrund normalerweise langen Abschreibungszeiten der Güter zu hohen Kapitalrenditen im zweistelligen Bereich führen.

ES: Bisher beteiligen sich an der Public-Private-Partnership-Kampagne nur Firmen die entsprechende Produkte anbieten. Es fehlen Anwender und auch Berater.

Auch diese sind eingeladen, sich im Rahmen der Kampagne zu engagieren. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß Anwender die eigentliche Zielgruppe der Kampagne sind.

ES: Dies läßt darauf schließen, daß die angestrebten Lösungen vorwiegend auf dem Einsatz von Neuprodukten basieren sollen. Wäre nicht ein Reengineering bestehender Lösungen häufig kostengünstiger?

Es geht nicht um den Einsatz von Neuprodukten, sondern um eine Systemoptimierung, die gegebenenfalls Ersatzinvestitionen mit einschließen kann. Entscheidend ist eine umfassende Analyse, die dem Anwender verdeutlicht, wo welche Potentiale liegen, und auf welche Weise er diese Potentiale sinnvoll und effektiv nutzbar machen kann. Dies schließt eine Darstellung von Alternativen mit ein. Für die Neutralität der Anwenderberatung garantieren alle Projektpartner gemeinsam.

ES: Die Kampagne richtet sich vorwiegend an den Mittelstand. Haben Großunternehmen ihre Hausaufgaben schon gemacht?

Allgemeingültige Aussagen lassen sich hier nicht treffen. Sowohl unter den kleinen und mittleren Betrieben, als auch unter Großunternehmen gibt es positive Beispiele, die belegen, daß erhebliche Einsparpotentiale realisierbar sind. Nicht genutzte Potentiale schlummern noch an vielen Stellen, unabhängig von der Unternehmensgröße.

ES: Wie kommt die Kampagne bisher an?

Seit dem öffentlichen Start im Dezember 2004 haben Unternehmen aller Größenordnungen die Angebote der Kampagne nachgefragt. Die große Zahl der Nachfragen spricht derzeit für eine hohe Akzeptanz.

ES: Was ist danach geplant?

Ich bin mir sicher, daß die dena das Thema auch über 2007 hinaus verfolgen wird.

(Das Interview führte Michael Nallinger)

Zur PersonStephan Kohler

ist seit Oktober 2000 Geschäftsführer der dena. Nach seinen Tätigkeiten beim TÜV Bayern, MAN Neue Technologien und der Hochtemperaturreaktor-Baugesellschaft (HRB), wechselte er 1981 zum Öko-Institut Freiburg. Nach der Mitarbeit an der Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke Phase B übernahm er im Jahr 1983 die Leitung des Fachbereichs Energie sowie ab 1988 den Aufbau des Umwelt-Informationsbüros (Ökoinform) in Moskau. Im Jahr 1991 wurde er Geschäftsführer der Niedersächsischen Energie-Agentur. Vom Februar 2000 bis März 2001 war er Vorsitzender des Vereins der Energie-Agenturen Deutschlands (EAD). Seit Juni 2001 ist er Mitglied im Vorstand des neu gegründeten Weltrat für erneuerbare Energien.

Erschienen in Ausgabe: 04/2005