Beizeiten E-Auto

E-Mobilität – Autos mit E-Motor werden in Ein- und Mehrfamilienhäusern künftig Stromverbraucher Nummer eins sein. Energieversorger können davon profitieren. Dazu braucht es clevere Zielgruppenansprache.

23. Juli 2019
young man holding a clock

Auf ihrem Portal emobilitaet.stadtwerke-karlsruhe.de geben die Stadtwerke einen umfassenden Überblick rund um die Elektromobilität sowie ihre Dienstleistungen und Produkte in diesem Bereich. Interessenten erhalten dort mithilfe einer Förderdatenbank ein passgenaues Angebot. Auf Wunsch kann dies durch einen E-Mobilitätscheck ergänzt werden. Bei dieser Vor-Ort-Begehung werden die Elektroinstallation zu Hause beim Kunden überprüft. Mit der App ›Mein ElektroAuto‹ kann man durch Aufzeichnung der täglichen Fahrstrecken praxisnah herausfinden, ob ein E-Auto in den eigenen Alltag passt und welches Modell hierfür am besten geeignet ist. »Außerdem zeigt die Plattform auf einer Karte für ganz Europa die Lademöglichkeiten für E-Autos an, stellt die neuesten Fahrzeuge vor und informiert über Technik- und Wirtschaftlichkeitsfragen«, so das Stadtwerk. Ein spezieller Firmenwagen-Rechner berücksichtigt die seit Anfang des Jahres geltenden steuerlichen Vergünstigungen für E-Fahrzeuge; er bietet so wertvolle Entscheidungshilfe für den Umstieg auf Elektroantrieb.

Das Beispiel aus Karlsruhe zeigt die technischen Möglichkeiten, mit denen kommunale Versorger Mobilitätsprodukte anbieten können. Das Unternehmen aus Baden hat damit vielen Kommunalversorgern im Bundesgebiet etwas voraus.

Nachholbedarf

Laut einer Studie geht die Mehrheit der deutschen Stadtwerke den Wachstumsmarkt E-Mobilität bislang nur zögerlich an. Private und gewerbliche Verbraucher, die heute oder in naher Zukunft auf Elektro-Fahrzeuge umsteigen wollen, tun sich oft schwer, passende Ladeinfrastruktur-Angebote zu finden. Das ergab eine Analyse von GP+S Consulting. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die Angebote und Vertriebsstrategien von 129 Stadtwerken mit jeweils mehr als 10.000 Stromkunden untersucht. Demnach haben fast 50 Prozent der untersuchten Unternehmen Nachholbedarf in Bezug auf die professionelle Vermarktung einer zukunftsträchtigen Ladeinfrastruktur für Elektro-Fahrzeuge. »Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich 19 Prozent der analysierten Anbieter als professionelle Vermarkter agieren und die notwendige Reife vorweisen«, so GP+S.

Angebote gezielt bewerben

Demnach kommunizieren diese Unternehmen das Thema prominent in ihrem Webauftritt, adressieren mit Nutzenargumenten klar benannte Zielgruppen bei Privat- und Geschäftskunden und bieten ein differenziertes Produktportfolio, das mit weiteren Angebotsbausteinen gebündelt werden kann und online bestellbar ist.

Die meisten Energieversorger scheinen eine Wachstumschance zu vergeben und ignorieren die Bedürfnisse bestehender Kunden, so das Beratungsunternehmen. »Wir reden hier von einem Markt, der getrieben von der Elektromobilität vor einem massiven Umschwung steht und eine Infrastruktur braucht«, sagt Klaus Steiner von GP+S. »Endlich kommt Dynamik in diesen Markt. Doch es reagieren nur die Großen.« hd

Kommentar

Nicht ausbremsen lassen!

Shell wird noch in diesem Jahr bundesweit 50 Hochleistungsladesäulen mit insgesamt 100 Ladepunkten an seinen Tankstellen errichten. Geplant sind Ladeleistungen von 150 kW und mehr für Ladezeiten von wenigen Minuten.

Ist der Ölkonzern künftig auch Autostrom-Dienstleister? Oder ist es nur ein PR-Gag, um sich als zeitgemäßes Unternehmen zu präsentieren? Beides ist denkbar. Wichtig ist im Grunde nur eines: Der Schritt zeigt, dass Stadtwerke gut beraten sind, eher früher als später in E-Auto-Angebote zu investieren. Seien sie auch noch so klein. Sonst regelt es der Markt, sprich der Wettbewerb. Laut einer Studie spielt bei 71 Prozent von 129 untersuchten Kommunalversorgern Elektro-Mobilität auf deren Homepage nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich bei 22 Prozent der analysierten Anbieter ist E-Mobility ein Top-Thema des Webauftritts, 7 Prozent haben dedizierte Themenseiten oder komplette eigenständige Themen-Websites für diese Bedürfnisse aufbereitet. hd

Erschienen in Ausgabe: 04/2019
Seite: 32 bis 33