Berlin setzt auf KWK vor Or

Blockheizkraftwerke in Wohngebäuden

In Berlin entscheiden sich immer mehr Gebäudeeigentümer im Rahmen der Sanierung ihrer Objekte für eine bedarfsgerechte Energieerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) vor Ort. Grund: Die Modernisierung von Wohngebäuden ist der geeignete Zeitpunkt zur Umstellung auf ein Blockheizkraftwerk.

06. Juli 2005

Die Wirtschaftlichkeit eines BHKW hängt von unterschiedlichsten Faktoren ab. Insbesondere die optimale Dimensionierung der Anlage ist von Bedeutung - nicht nur im Hinblick auf die Investitionskosten, sondern auch in bezug auf erzielbare Wirkungsgrade und Energiemengen. Lange Laufzeiten garantieren eine hohe Wirtschaftlichkeit ebenso wie die erzielbaren Erlöse durch Wärme- und Strombereitstellung.

Die ‚Bremer Höhe‘ ist eine von Mietern gegründete Wohnungsbaugenossenschaft, die modellhaft einen Wohnkomplex übernommen hat und in Eigenregie saniert. Die Berliner Energieagentur errichtet und betreibt hier drei moderne Energiezentralen. Die Dachheizzentralen mit Kesselanlage und BHKW-Modulen versorgen das Vorhaben mit Wärme und Strom. Durch die parallele Anbindung an das öffentliche Stromnetz wird die Versorgungssicherheit gewährleistet. Ein weiterer interessanter Nebeneffekt: Die hauseigene Energieerzeugung erspart der Umwelt jährlich etwa 450? t? CO2.

Zum Einsatz kommen Brennwert-BHKW vom Fabrikat Kraftwerk G18 (18 kW elektrische und 40 kW thermische Leistung) und G34 (34 kWel und 78 kWth) sowie Brennwertkessel für den Spitzenwärmebedarf und Pufferspeicher zur Laufzeitverlängerung der BHKW-Module. Die Gesamtanschlußleistung beträgt rund 2.400? kW.

Die Energieversorgung der Wohnungsbaugenossenschaft war zuvor nach dem Berliner Energiedienstleistungsstandard B.E.ST. bundesweit ausgeschrieben worden. Diese ist eine von verschiedenen Methoden, mit denen Anlagen im Zuge der Sanierung von Wohngebäuden von professionellen Energiedienstleistern modernisiert und betrieben werden können. Der Gebäudeeigentümer investiert dabei nicht mehr in Technik, sondern kauft Wärme von einem spezialisierten Unternehmen, in diesem Fall von der Berliner Energieagentur. Dieses Contracting-Modell ist auch für den Mieter oftmals die kostengünstigere Variante.

Im ersten Bauabschnitt lagen die monatlichen Heizkosten 2004 bei 40,5 ?ct/m2. Dem liegt ein Bedarf von 99? kWh/m2 einschließlich Warmwasserbereitung zugrunde. Im zweiten Bauabschnitt betrugen die Heizkosten im letzten Jahr bei einem Verbrauch von 102 ?kWh/m2 einschließlich Warmwasserbereitung 41,4? ct/m2. Obwohl die Gebäude der ‚Bremer Höhe‘ aufgrund des Denkmalschutzes keinen Wärmeschutz aufweisen, sind die Verbräuche außerordentlich niedrig. Grund ist der optimierte Betrieb der Heizungsanlage.

In der Wohnungsbaugenossenschaft ‚Am Ostseeplatz‘ übernimmt die Berliner Energieagentur über eine Vertragslaufzeit von 15 Jahren auf eigenes Risiko Finanzierung und Planung, Bau und Betrieb der energietechnischen Anlagen sowie Kontrolle und Abrechnung der Wärme- und Stromlieferung. Eine erdgasbetriebene BHKW-Anlage mit 34? kWel und 78? kWth versorgt hier eine Gesamtfläche von 12.426? m2 mit 214 Wohn- und drei Gewerbeeinheiten. Zum Einsatz kommen ebenfalls G34-Brennwert-BHKW sowie einer der ersten beiden Brennwertkessel der neuen Baureihe ECO?310 mit 520? kW Leistung, die die Firma Remeha bei einem bundesweiten Feldtest einsetzt.

5 % geringere Stromkosten

‚Am Ostseeplatz‘ liegen zwar noch keine Auswertungen eines vollen Jahres vor. Für das laufende Jahr werden aber auch aufgrund des Vollwärmeschutzes der Gebäude monatliche Heizkosten von nur 32 ?ct/m2 erwartet. Die Stromkosten liegen etwa 5? % unter denen klassischer Energieversorger.

Daß der direkte Verbrauch des BHKW-Stroms durch die Mieter ein wichtiger Erfolgsfaktor für den wirtschaftlichen BHKW-Betrieb ist, zeigt auch ein Projekt, das seit fast zehn Jahren eine umweltfreundliche und preiswerte Stromversorgung vor Ort sichert.

Bereits im Jahr 1996 beauftragte die GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH die Berliner Energieagentur als Contractor mit der Wärme- und Stromversorgung einer Wohnsiedlung in Berlin-Lankwitz.

Der Gebäudekomplex umfaßt 403 Wohneinheiten auf insgesamt 30.800 ?m2. Eingesetzt ist ein Erdgas-Niedertem­peraturkessel mit 1.400? kW Leistung sowie eine erdgasbetriebene BHKW-Anlage mit 110kWel und 195 kWth. Während der Strom direkt an die Mieter geliefert wird, erfolgt die Wärmelieferung bis zu den Anschluß-Stationen in den einzelnen Häusern. Hier übernimmt die GSW die Verteilung und Abrechnung mit den Mietern.

Michael Geißler, Berliner Energieagentur

Erschienen in Ausgabe: 05/2005