Besseres Licht – geringere Kosten

SANIERUNG Wie man mit einer hochwertigen Straßenbeleuchtung Energie und Geld sparen kann, zeigt die Stadt Böblingen. Dort führt der Einsatz moderner 60-W-Lampen zu erheblichen Kosten- und Kohlendioxid-Einsparungen ✂ und das bei angenehmerer und gleichmäßigerer Ausleuchtung.

01. Juni 2007

Rund 19 % des weltweiten Stromverbrauchs entfallen auf die Beleuchtung. Aufgrund des hohen Anteils an ineffizienten Technologien bietet das Gebiet erhebliches Einsparpotenzial. »Wichtig ist, dass die EU auch im gewerblichen Bereich, also in der Büro-, Industrie- und Straßenbeleuchtung, Lösungen für mehr Energieeffizienz erarbeiten will«, sagt Robert Pfarrwaller, Geschäftsführer der Philips GmbH und verantwortlich für den Unternehmensbereich Lighting in Mitteleuropa.

Hintergrund: Rund 80 % des Energieverbrauchs in der Beleuchtung entfallen auf den gewerblichen Bereich. Vor allem hier muss die Energieeffizienz schnell verbessert werden, will die EU ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen. Philips geht davon aus, dass durch einen Umstieg auf energieeffiziente Technologien der Energieverbrauch für Beleuchtung weltweit um 20 bis 40 % gesenkt werden könnte.

Damit würden jährliche Einsparungen von 53 bis 106 Mrd. € an Energiekosten einhergehen, möglich wäre eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 296 bis 592 Mio. t pro Jahr.

Rund ein Drittel der europäischen Straßenbeleuchtung basiert auf energieineffizienten Technologien aus den 60er-Jahren. Die Wechselrate liegt bei rund 3 %, sodass erst in mehr als 30 Jahren der Wechsel zu energieeffizienten Technologien bewältigt ist. Bei einem unmittelbaren Umstieg auf moderne Technologien könnten in Europa jährlich 1 bis 2 Mrd. € Betriebskosten gespart werden. Das entspricht 4 bis 8 Mio. t CO2 oder der Leistung von fünf bis zehn mittelgroßen Kraftwerken.

Ein Drittel aller Straßen in Europa wird immer noch mit der billigen, aber unwirtschaftlichen Technologie aus den 60er-Jahren beleuchtet: den Hochdruck- Quecksilberdampflampen.

Diese veralteten Leuchtmittel verbrauchen doppelt so viel Strom wie energieeffiziente Leuchtmittel. Jörg Kupferschlaeger, Produktmanager Außenbeleuchtung bei Philips Lighting weiß zu berichten, dass »der ohnehin hohe Energieverbrauch von HPL-bestückten Anlagen zum Ende ihrer Lebensdauer sogar noch ansteigt und zudem die Lampen dann einen großen Lichtstromrückgang aufweisen, der ihre Effizienz weiter mindert.«

Ein Umdenken hat laut Kupferschlaeger bereits begonnen: Zahlreiche Anlagenbetreiber hätten sich bereits von alten HPL-Lampen getrennt und setzten stattdessen die deutlich wirtschaftlicher zu betreibenden Natriumdampf-Hochdruckentladungslampen ein. Doch der geringere Energieverbrauch wird mit einem Wechsel der Lichtfarbe von weißem zu gelbem Licht begleitet, der nicht nur Vorteile mit sich bringt.

Da die verschiedenen Lichtfarben und Leuchtmittel unterschiedliche Vorteile aufweisen, sind in der Straßenbeleuchtung intelligente und differenzierte Lösungen gefragt.

BALDIGE SANIERUNG ANGERATEN

»Eine Möglichkeit könnte der Einsatz von kostengünstig erzeugtem gelben Licht auf viel befahrenen Hauptstraßen sein, während in Neben- und Wohnstraßen sowie stadtmarketingrelevanten Bereichen weißes Licht für eine Atmosphäre der Sicherheit und des Wohlbefindens sorgen könnte«, hat Experte Kupferschlaeger ausgemacht.

Doch unabhängig von der Entscheidung für bestimmte Leuchtmittel und Technologien sei eine baldige Sanierung der bestehenden ineffektiven Anlagen dringend angeraten. »25 bis 35 Jahre alte Anlagen, die ohnehin in den kommenden 10 bis 15 Jahren saniert werden müssen, verursachen in der verbleibenden Betriebszeit durch die anfallenden höheren Energie- und Wartungskosten Mehrausgaben, die nicht refinanzierbar und unwiederbringlich verloren sind«, beschreibt Kupferschlaeger. Die auf den ersten Blick abschreckend wirkenden Investitionskosten für eine Sanierung würden sich schnell relativieren, wenn man genauer hinsehe.

Philips hat Berechnungen angestellt, in denen Altanlagen mit sanierten Anlagen unter Verwendung der neuartigen Philips Koffer²-Leuchten verglichen werden. Danach amortisieren sich die Sanierungskosten bereits nach drei bis acht Jahren. Dazu Kupferschlaeger: »Möglich wird dies, weil bei der Entwicklung dieser Leuchte konsequent die lichttechnische Leistungsfähigkeit in den Mittelpunkt gestellt wurde, um eine maximale Energieeffizienz zu erreichen.«

ENERGIEEINSPARUNG BIS ZU 75 %

In Kombination mit modernen Lampen wie der Philips-Produktlinie CosmoPolis ermöglicht die Leuchte nach den Angaben des Elektronikkonzerns im Vergleich zu herkömmlichen Leuchten mit HPL-Lampen eine Energieeinsparung von 50 bis 75 %. »Diese Lösung biete alle Vorteile, die bislang mit der Ineffizienz der Leuchtmittel für weißes Licht teuer erkauft werden mussten«, sagt Lichtexperte Kupferschlaeger.

Erste Städte haben dies erkannt und reagiert: Nach der niedersächsischen Stadt Vechta hat sich nun unter anderem auch Böblingen in Baden-Württemberg für die flächendeckende Sanierung seiner Straßenbeleuchtung entschieden (siehe Kasten ›Interview‹).

AUSTAUSCH VON 3.500 LEUCHTEN

Mit dem kontinuierlichen Anstieg der Energiekosten begann in Böblingen die Suche nach Einsparungsmöglichkeiten. Nachdem die Idee einer nächtlichen Abschaltung der Straßenbeleuchtung aus Sicherheitsgründen verworfen worden war, entschied man sich für eine flächendeckende Sanierung.

Bis 2009 sollen etwa 3.500 der 5.500 vorhandenen Leuchten auf Böblinger Straßen ersetzt werden. Dabei wurde in einem Pilotprojekt, bei dem jede Leuchte bisher mit zwei 80-W-Quecksilberdampflampen bestückt war, die Anlage durch Koffer²-Leuchten mit nur je einer Cosmo- Polis-Lampe und einer Leistung von 60 W ersetzt. »Obwohl die Anschlussleistung je Kilometer damit von 5,1 kW auf 1,89 kW sinkt, liegen Leuchtdichte und Gesamtgleichmäßigkeit bei der sanierten Anlage mess- und sichtbar höher«, berichtet Kupferschlaeger. Dies betreffe auch Rad- und Gehwege, deren bessere Beleuchtung zu mehr Sicherheit beitrage.

Bei einer voraussichtlichen Leuchtenlebensdauer von mindestens 30 Jahren bedeutet der niedrigere Energieverbrauch über die gesamte Betriebsdauer eine Einsparung von etwa 248.000 kWh Strom pro Straßenkilometer. Dies entspricht der Emission von über 100 t CO2.

Trotz der erfolgreichen Beispiele erfolgt der Austausch Energie verschwendender Anlagen »vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Klimawandel und schwindender Rohstoffressourcen viel zu langsam«, meint Andreas Rindt, Leiter des Geschäftsbereichs Philips Leuchten. Die Ökodesignrichtlinie der EU könnte diesen Vorgang beschleunigen, die im August diesen Jahres in nationales Recht umgewandelt werden soll.

Nicht zuletzt deshalb, weil sie die Lücke zwischen der Forderung der Gesetzgebung an die Industrie schließt, umweltfreundliche Produkte und Systeme zu konzipieren sowie der Verpflichtung der Verbraucher, diese auch einzusetzen. Hier liege die Chance der Lichtbranche, Neuinvestitionen in zeitgemäße Beleuchtungsanlagen zu stimulieren, so Rindt.

RICHTLINIE FÜR ÖKODESIGN

Grundvoraussetzung für eine wirksame Ökodesignrichtlinie sei allerdings, dass »Altanlagen und die aktuellen lichttechnischen Normen einbezogen werden, die ja im Hinblick auf die Bedürfnisse der Menschen entstanden sind. Auch eine effektive Marktüberwachung ist nötig, um Verstöße gegen die getroffenen Vereinbarungen zu vermeiden.«

Ein wichtiger Aspekt für die Straßenbeleuchtung der Zukunft wird laut Philips- Mitarbeiter Kupferschlaeger auch eine höhere Flexibilität und Differenzierung und die Abkehr von allzu standardisierten Lösungen sein.

SIEBEN VERSCHIEDENE OPTIKEN

So trage zur hohen Wirtschaftlichkeit der Koffer²-Leuchte auch die Vielfalt der erhältlichen Optiken bei. Je nach Anwendung und eingesetzter Lampe stehen sieben verschiedene Optiken zur Verfügung, die »neben unterschiedlichen Straßenszenarien auch Rad- und Gehwege, Fußgängerüberwege oder Bahnanlagen optimal ins Licht setzen«, berichtet der Produktmanager.

Diese Vielseitigkeit und die Möglichkeit, das Licht tatsächlich dorthin zu lenken, wo es gebraucht wird, ermögliche beim Bau von Neuanlagen größtmögliche Lichtpunktabstände, was wiederum zur Senkung der Betriebskosten beitrage. Ein weiterer Pluspunkt der präzisen Ausrichtung des Lichts ist das Ausbleiben von störenden Blendeffekten.

Laut Kupferschlaeger trifft bei modernen Anlagen im Bereich der Straßenbeleuchtung eine sonst übliche Formel nicht zu: Nämlich die, dass Umweltschutzmaßnahmen stets mit höheren Kosten verbunden sind. »Hier ist es möglich, mit umweltfreundlichen Lösungen die Ausgaben zu senken und dabei gleichzeitig die Qualität des Lichts sogar zu steigern «, sagt der Lichtexperte. (mn)

InterviewMit Reinhard Schopf, Stadt Böblingen

es: Was hat bei der Entscheidung zur Sanierung der Straßenbeleuchtung überwogen, das ›bessere‹ Licht oder die Energieeinsparung und der Klimaschutz?

Entscheidend für die Modernisierung der Straßenbeleuchtung war die Energieeinsparung und der damit zukünftig erreichte ökologische Gewinn.

es: Welche Rolle spielte dabei die Ökodesign-Richtlinie, die im Herbst in Kraft tritt?

Keine. Jedoch sind wir derzeit darum bemüht über das CO2-Minderungsprogramm des Umweltministeriums von Baden-Württemberg Zuschüsse zu erhalten. Hier wird die Straßenbeleuchtung gefördert.

es: Welche konkreten finanziellen Effekte versprechen Sie sich vom neuen Konzept der Staßenbeleuchtung in Böblingen?

Mindestens 110.000 Euro jährliche Stromersparniskosten bei derzeitigen Energiepreisen. Wir erwarten natürlich auch geringere Unterhaltskosten durch die neuen Leuchten. Jedoch haben wir dies nicht beziffert. Hierbei setzen wir auch auf einen Preisverfall beim Leuchtmittel, da dies ja derzeit noch relativ teuer ist.

es: Erfüllt der bisherige Projektverlauf Ihre Erwartungen?

Wir sind mit dem Pilotprojekt und dessen Verlauf sehr zufrieden. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir sagen, dass sich unsere Erwartungen mehr als erfüllt haben. Auch die Zusammenarbeit mit Philips gibt keinen Grund zur Beanstandung.

es: Auf welche Resonanz stößt die Maßnahme bei den Bürgern?

Im Pilot Wolf- Hirth-Straße in Hulb war die Resonanz sehr gering, da dies im Industriegebiet liegt. Zwischenzeitlich haben wir auch ein Wohngebiet umgerüstet. Hier haben wir überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. Jedoch will ich nicht verschweigen, dass es auch einzelne Kritik gab, da an manchen Punkten die Ausleuchtung besser und damit auch heller wurde, was diesen Bürgern nicht gefiel. Sie hatten sich an die spärliche Beleuchtung der Altanlage gewöhnt. (mn)

CosmoPolisMehr Sicherheit

CosmoPolis-Lampen konzipierte Philips speziell für die aktuellen Anforderungen. CosmoWhite sind Metallhalogendampf-Hochdruckentladungslampen mit einem warmweißen Licht (2.800 Kelvin). Sie steigern durch die zuverlässige Lichtleistung das Sicherheitsempfinden. Auch die neuen elektronischen Vorschaltgeräte CosmoPolis X-treme tragen zum sicheren Betrieb bei. Dazu zählen ein 10.000- Volt-Überspannungsschutz, das Abschalten defekter Lampen und ein konstanter Lampenlichtstrom.

Erschienen in Ausgabe: 06/2007