Die Bekenntnisse der Politik zu Biogas waren in den letzten Jahre eher verhalten. Das Gute ist: Es gab sie. Darauf sollten Anlagenbetreiber aufbauen.

Wenn auch der Netzentwicklungsplan für 2030 nur noch sechs statt derzeit 7,6 GW Biogas am Netz sieht, ist das doch ein klares Bekenntnis zu Biogas. Auch die Bundesratsinitiative aus Thüringen und Rheinland-Pfalz stärkt Biogas den Rücken und hebt die Bedeutung als bedarfsgerechte und netzdienliche Stromerzeugung und zur klimaneutralen Wärmenutzung hervor.

Die Branche ist verunsichert

Das lässt hoffen. Doch die letzten Jahre, in denen konkrete Gesetzesmaßnahmen allzu oft auf die lange Bank geschoben wurden und die zunehmende Flut an Regularien, haben Betreiber verunsichert. Das blieb nicht ohne Folgen: 2019 erreichte der Neubau von Biogasanlagen einen neuen Tiefststand. Nur 79 Anlagen wurden neu in Betrieb genommen. Auch in den Ausschreibungen wurden die Mengen bei Weitem nicht erreicht.

Der Erhalt der vorhandenen Anlagenkapazitäten ist fraglich.

— Klaus Anduschus e2m

Investitionen in Flexibilisierung, Anlagenerneuerung und technische Optimierung zeigen aber auch die andere Seite der Branche.

Der Flexdeckel

Hier stehen Betreiber, die für ihre Anlage eine Zukunft sehen und sich mit Flexibilisierung und Optimierung aktiv auf den Bedarf des heutigen und künftigen Strommarktes einstellen. Doch der Erhalt der vorhandenen Kapazitäten ist durch unklare Weiterführungsbedingungen fraglich. Insbesondere der Flexdeckel, der im September 2019 erreicht wurde, setzt für diese Bemühungen ein- deutig das falsche Signal. Der Aufbau neuer flexibler Kapazitäten an anderer Stelle wäre volkswirtschaftlich vollkommen unsinnig.

Erfreulich sind da die Aussagen von Martin Bäumer, CDU (MdL Niedersachsen), und Dr. Julia Verlinden, Bündnis 90/Die Grünen (MdB, Energiepolitische Sprecherin), die sich auf der e2m-Wintertagung am 21. Januar 2020 in Walsrode eindeutig für Biogas aussprachen und Unterstützung bei der bevorstehenden EEG-Novelle zusagten.

In der Tat haben Biogasanlagen ihre Zuverlässigkeit in den letzten Jahren zur Genüge bewiesen. In der Summe erzeugten sie im vergangenen Jahr 33 TWh verlässlichen Strom und sparten dabei rund 20 Millionen Tonnen CO2 ein. Und um dieser Rolle in der Energiewende auch in Zukunft gerecht zu werden, haben viele Biogasanlagenbetreiber Flexibilität auf- und ausgebaut, die gemeinsam optimiert werden.

Als Marktführer mit über 700 angeschlossenen flexibilisierten Anlagen begleitet e2m diese Entwicklung intensiv. Unser neues Software-Tool Optimus Flex, das Fahrpläne automatisiert erstellen und über das virtuelle Kraftwerk abfahren kann, unterstützt Betreiber dabei, wertvolles zusätzliches Potenzial ihrer Anlage auszuschöpfen.

Fakt

Projekt Bio-Rest: So wird aus Stroh und Gras mehr Biogas

Weizenstroh, Körnermaisstroh, Mist, Gras und Kartoffelkraut: Das sind Halme und trockene Blätter, die als Nebenprodukt in der Landwirtschaft anfallen. Das Problem: Mais hat einen höheren Energiegehalt als die Blätter und Gräser, die jährlich anfallen. Deshalb wollen Wissenschaftler der FH Münster jetzt in einem Projekt herausfinden, wie man die Reststoffe vorbehandeln muss, um einen möglichst hohen Methanertrag in Biogasanlagen zu erzielen, heißt es in einer Projektbeschreibung. hd

Flexibilität noch besser nutzen

Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch verantwortungsbewusst im Sinne der Energiewende. Der Ausbau dieser Fähigkeiten sichert langfristig die Zukunft der Branche. Inzwischen sehen auch mehr Entscheidungsträger den Wert der flexiblen Stromproduktion und die Entwicklungsfähigkeit, die Biogas leisten kann, und streben eine Verbesserung der Rahmenbedingungen an.

Klaus Anduschus, e2m