Bitte nehmen Sie den Lift...

Technik

Naturschutz - Die Wasserrahmenrichtlinie der EU schreibt Fischdurchgängigkeit aller Fließgewässer vor. Fischwanderhilfen zweigen bis zu 20% Wasser vom Kraftwerk ab. Eine Neuentwicklung erzeugt Energie im Betrieb.

27. Januar 2015

Aus dem Oberlauf einfließendes Wasser setzt die Außenschnecke in Bewegung, in der Fische verletzungsfrei flussabwärts transportiert werden können. Im Kern des Drehrohrs liegt eine gegenläufig gewundene Spirale, die eine Lockströmung im Unterlauf erzeugt. Wasser und aufstiegswillige Fische werden in der Innenschnecke sicher nach oben befördert.

Stromauf und Stromab

Am Ausgang der Förderschnecke fängt eine sanft geneigte Rutsche die Tiere auf und leitet sie schonend in den Oberlauf. Das geförderte Wasser steht nun erneut zur Energiegewinnung zur Verfügung. Die Rotation der Außenschnecke wird in elektrische Energie umgewandelt.

Der Prototyp erreichte laut Hersteller Hydroconnect im zweieinhalb Jahre währenden Testbetrieb in Neubruck an der Jessnitz bei einer Fallhöhe von 3,15m und mit einem Durchfluss von 200l/sec mehr als 4kW Leistung. Damit ist die Wasserkraftschnecke den Angaben zufolge die erste Fischwanderhilfe, die sich amortisiert; eine Anlage mit 5m3 Schluckvolumen und 5m Fallhöhe rechne sich nach circa fünf Jahren, so das Unternehmen. Bereits ab einer Fallhöhe von 2m ist der ›Fishlift‹ den Angaben zufolge für Kraftwerksbetreiber betriebswirtschaftlich wertschöpfender als konventionelle Fischwanderhilfen. Entwickelt wurde Fishlift von dem Wasserkraftwerksbetreiber Walter Albrecht aus Ybbsitz in Niederösterreich. Die Idee dazu habe er 2009 gehabt, so Albrecht. »Ich war damals auf der Suche nach einer fischfreundlichen Technologie für die Restwasser-Revitalisierung eines Kleinkraftwerkes«, sagt Albrecht.

»Wasserkraftschnecken waren schon in aller Munde, aber es handelte sich um Trog- oder Rohrschnecken, die aufgrund der Verletzungsgefahr für den Fischtransport nur bedingt geeignet sind. Doch blickt man mehr als 2000 Jahre zurück, stößt man schon bei Archimedes auf Drehrohrschnecken. Das entsprach meiner Vorstellung: spaltfrei und gefahrlos für Fische.« Auch die ökologische Wirksamkeit der Anlage wurde geprüft: »In dreijähriger Entwicklung und Testphase wurden die generelle Fischfreundlichkeit, der frei motivierte Aufstieg, der Fischabstieg und die Makrozoobenthos-Passage am Standort Neubruck-Jeßnitz grundlegend erforscht. Mit sehr positivem Ergebnis,« so Albrecht.

Einsatz in der Steiermark

Österreichs größter Energieversorger Verbund nimmt voraussichtlich in diesem Frühjahr in der Steiermark am Kraftwerk Retznei eine Wasserkraftschnecke in Betrieb.

Im April 2015 folgt ein neues Schaukraftwerk und sowohl in Kärnten als auch Salzburg ist der Bau größerer Anlagen geplant. Konkrete Anfragen liegen außerdem aus Frankreich, Schweden, Deutschland und der Schweiz vor. Grundsteine eines derartigen Start-up-Erfolgs sind ein Netzwerk und Förderprogramme.

Österreich hat in den vergangenen Jahren die gründerfreundlichen Rahmenbedingungen ausgebaut. Allein in der EU gibt es den Angaben zufolge 60.000 Kraftwerke und Querbauten, für die Fishlift in Frage kommen.(hd)

Erschienen in Ausgabe: 01/2015