Blockchain - aber wie?

Die Energiebranche hat großes Interesse an den Möglichkeiten der Blockchain-Technologie. Doch was sollten die Unternehmen bedenken, wenn sie sich näher damit beschäftigen wollen? Ein Beratungsunternehmen hat zehn Punkte zusammengestellt.

23. Oktober 2017

Blockchain ist eine sichere Peer-to-Peer-Verbindung, die für Transaktionen keinen Marktplatz oder Mittler mehr braucht, so das Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen BTC. Bekannt ist sie durch das Internet-Zahlungsmittel Bitcoin.

Bastian Wilkat, Digital Strategist bei BTC, verweist darauf, welche Anziehungskraft die Blockchain – besonders im Energiesektor – hat: So gründete sich etwa im Mai 2017 die Energy Web Foundation, um das Anwendungspotenzial der Blockchain zu erforschen. Und im Juni fanden sich 31 Teilnehmer zur Gründung des Bundesverbands Blockchain zusammen.

Wilkat empfiehlt allerdings, die Technologie „nicht blinden Auges zu adaptieren“. Der BTC-Experte hat für Unternehmen, die den Einstieg in die Blockchain frühzeitig angehen wollen, 10 Punkte zusammengestellt:

Unterstützung und Know-how holen

1. Werden Sie sich über Ihr Ziel klar. Derzeit sei zu beobachten, dass Firmen ein Ziel oft sehr diffus formulieren, so Wilkat: „Wir wollen etwas mit der Blockchain machen.“ Die Frage könnte stattdessen lauten: Warum wollen wir uns mit der Blockchain-Technologie beschäftigen?

2. Suchen Sie die Unterstützung durch einen Business-Tech-Generalisten. Im Frühstadium sei es empfehlenswert, die Thematik durch die Business-Brille zu betrachten: Was könnte ein neues Geschäftsmodell auf Basis der neuen Technologie für die Geschäftsprozesse bedeuten?

3. Holen Sie sich Wissen und Umsetzungs-Know-how von Blockchain-Tech-Experten ins Unternehmen. Denn in einem solchen Projekt komme man schnell in das Stadium, Codes zu schreiben, erläutert Wilkat weiter.

4. Gehen Sie intern mit dem Thema „hausieren“. Die Erfahrung zeigt, dass die Verantwortlichen des Unternehmens oft nicht wissen, dass sie Blockchain-Experten an Bord haben. Doch Bitcoins sind seit rund acht Jahren im Internet „unterwegs“ und mancher Mitarbeiter hat sie dort kennengelernt.

Wissen sammeln und Lernen

5. Vernetzen Sie sich mit anderen Unternehmen und Interessierten, um voneinander zu lernen und zum Beispiel gemeinsame Pilotierungen anzugehen. Branchenübergreifende Hackathons in Frankfurt und Berlin, in denen es keine Geheimnisse gab, zeigen, welche großen Vorteile solche Meetups haben, so der Experte. (Blockchain-Meetups auf www.meetup.com)

6. Experimentieren Sie für sich selbst mit der Technologie, um spielerisch die Mechanismen kennenzulernen. Nutzen Sie zum Beispiel Wallets, erwerben Sie verschiedene Coins oder nehmen Sie an Initial-Coin-Offerings (ICO) teil.

7. Lesen Sie originale Whitepaper, die von Blockchain-Projekten berichten. Sie enthalten oft die technische Dokumentation, demonstrieren wie der Algorithmus funktioniert und geben eine Vorstellung davon, wie und ob die Technologie in einem bestimmten Fall funktioniert.

8. Lesen Sie die Blogs und Twitter-Accounts der Top-Entwickler wie etwa von Dr. Gavin Wood, Stephan Tual, Dr. Carsten Stöcker, Vitalik Buterin, Andreas Antonopoulos. Diese Insider teilen in ihren Posts und Kommentaren so viel Wissen und Erfahrungen mit, dass sich die Community praktisch in Echtzeit up to date halten kann.

Anwendung in den Fokus

9. Nennen Sie Ihr Projekt im Unternehmen nicht Blockchain-Projekt – auch wenn mit dem Stichwort für Sie persönlich das Thema klar umrissen ist. Denn mit dem Begriff Blockchain ist nur die Technologie gemeint. Es geht aber um ihren Nutzen, die Anwendung.

10. Vergessen Sie nicht, dass die Revolution der Blockchain im „dezentralen Vertrauen“ liegt. Die dezentrale sichere Kommunikation ohne Mittler ist eine Chance, einen Prozess sehr effizient zu gestalten und zugleich das Vertrauen in die Transaktion im Internet zu erhöhen. Daraus ziehen alle einen Gewinn, ist Wilkat sicher.

Auch die ersten Projekte und Machbarkeitsstudien laufen, so BTC: Vattenfall untersucht zum Beispiel in seinem Projekt, wie man Strom ohne einen zentralisierten Markt handeln kann. Tennet und Sonnen sowie Vandebron und IBM testen in zwei Pilotprojekten ein flexibles und dezentrales Grid-Management.

Auch die Abrechnung von E-Ladesäulen könnte über die sichere Blockchain erfolgen. „Startups zu Blockchain-Anwendungen schießen momentan wie Pilze aus dem Boden“, Simon Bartmann von BTC.