Bürger kaufen Berliner Stromnetz

In einem Gemeinschaftsprojekt treten Bürgerinnen und Bürger an, gemeinsam das Berliner Stromnetz zu kaufen. Mit der Genossenschaft BürgerEnergie Berlin eG i.G. (BEB) wollen sie eigenen Angaben zufolge das Netz der Hauptstadt in Bürgerhand bringen, um ein weithin sichtbares Zeichen für die Demokratisierung der Energielandschaft zu setzen und die Energiewende voranzutreiben.

25. April 2012

Die Konzession mit dem derzeitigen Netzbetreiber Vattenfall läuft Ende 2014 aus und wird in den kommenden Monaten neu vergeben. Damit eröffnet sich die Möglichkeit zum Kauf des Netzes, so die BEB. Jeder Bürger sei eingeladen sich am Kauf zu beteiligen. In Form von Genossenschaftsanteilen und Treuhandeinlagen sammle man die nötige Summe. Die erste Million dafür ist bereits beisammen, so die BEB weiter.

Die BEB hat offiziell Interesse an der Konzession gegenüber dem Berliner Senat bekundet und damit den ersten Schritt zu einem bürgereigenen Stromnetz getan. Die Fraktionen aller im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien haben in Gesprächen ihre Offenheit gegenüber dem Konzept zum Ausdruck gebracht. »Stromnetze gehören in Bürgerhand. Denn wenn die Energiewende gelingen soll, braucht es echte Bürgerbeteiligung. Die Gestaltung unseres zukünftigen Energiesystems ist nicht allein Sache von Politik und Wirtschaft, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir Bürgerinnen und Bürger wollen aktiv mitgestalten und für eine zukunftsfähige Energielandschaft sorgen«, so Luise Neumann-Cosel, Vorstand der BEB. »Wir wollen eine sichere Versorgung der Berlinerinnen und Berliner mit Strom. Darüber hinaus wollen wir uns aber auch für die Integration erneuerbarer Energien in die Netze, für eine dezentrale Energieerzeugung und für den Ausbau intelligenter Stromnetze einsetzen«, so Cornelia Ziehm, Rechtsanwältin und Leiterin Klimaschutz und Energiewende der Deutschen Umwelthilfe und Mitglied des Aufsichtsrats der BEB.

Die BürgerEnergie Berlin eG i.G. wurde im Dezember 2011 von Berliner Bürgerinnen und Bürgern gegründet und wirbt nun in Berlin und bundesweit um Mitstreiter. In der Genossenschaft hat jedes Mitglied eine Stimme, unabhängig von der Höhe des eingebrachten Kapitals.